Doping: Arsenal und Chelsea wehren sich gegen Dr. Bonar

Der laut Medienberichten flächendeckende Dopingskandal in Grossbritannien wirft hohe Wellen. Immer mehr Details der Praktiken des Londoner Arztes werden hochgespült. Die angeschwärzten Fussball-Klubs wehren sich.

Stadion Arsenal Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Fokus Die Premier-League-Klubs Arsenal, Chelsea und Leicester. Imago

Die Enthüllungen eines Investigativ-Teams der Sunday Times und der deutschen Fernsehsender ARD und WDR erschüttern die Sportwelt. Am Sonntagabend soll der Film in Deutschland ausgestrahlt werden, der den Skandal beleuchtet.

In dessen Mittelpunkt steht der Londoner Arzt Dr. Mark Bonar. Der Gynäkologe ist einem Lockvogel auf den Leim gekrochen und hat aus dem Nähkästchen geplaudert. Die Aussagen vor versteckter Kamera sind hochbrisant.

Ausschnitte des Enthüllungs-Videos

The doctor who claimed he prescribed performance enhancing dru...

More exclusive #dopingscandal revelations... Read the full story only in The Sunday Times.

Posted by The Times and The Sunday Times on Saturday, April 2, 2016

Chelsea und Arsenal wehren sich

Gemäss ARD soll Bonar in London «seit Jahren englische Top-Athleten mit allem, was schneller und stärker macht und verboten ist» versorgen. Mittlerweile habe er 150 Klienten, soll Bonar geprahlt haben. Auch die Premier-League-Klubs Leicester, Arsenal und Chelsea belastet er.

Diese wehren sich. Arsenal zeigte sich «zutiefst enttäuscht von der Publikation der falschen und unfundierten Anschuldigungen». Auch der FC Chelsea griff die Sunday Times an. «Wir haben nie die Dienste von Dr. Bonar beansprucht.» Man nehme die Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA sehr ernst und befolge diese, hiess es von beiden Seiten.

Mark Bonar auf der Titelseite der «Sunday Times». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der angebliche Doping-Arzt Mark Bonar auf der Titelseite der «Sunday Times». SRF

WADA ist schockiert

Die WADA reagierte derweil schockiert auf die jüngsten Enthüllungen um Bonar. «Es scheint dem Mann ja gar nichts auszumachen, der sieht das offenbar ganz entspannt, harte und gefährliche Substanzen an einen Patienten zu verschreiben, ohne irgendwelche Skrupel», sagt der designierte WADA-Generalsekretär Olivier Niggli.

Es sei sehr beängstigend zu sehen, wie ein Mediziner ein solches Verhalten an den Tag lege.

Whistleblower im Spiel

Neu ist der Name in Doping-Kreisen offenbar nicht. Seit geraumer Zeit soll es Hinweise eines Whistleblowers an die englische Anti-Doping-Agentur UKAD gegeben haben. Der des Dopings überführte Spitzensportler soll schon 2014 Beweise für das Handeln des Arztes vorgelegt haben. «Dr. Bonar ist für mich die britische Version von Lance Armstrongs Dopingarzt Doktor Ferrari», sagte der gesperrte Sportler.

Bonar habe ihn zur Einnahme von Testosteron und anderen Substanzen ermuntert. Die UKAD beschied dem Informanten jedoch Anfang 2015, dass man keine Grundlage sehe, gegen Bonar zu ermitteln oder ein Verfahren einzuleiten.

Britische Regierung wird aktiv

Die britische Regierung zieht nun die UKAD zur Rechenschaft. Man will den Umgang mit den Verdachtsmomenten überprüfen. «Ich habe eine dringende unabhängige Untersuchung angefordert. Deren Ziel ist es herauszufinden, was nach Erhalt dieser Informationen unternommen wurde und was getan werden muss, um den britischen Sport sauber zu halten», sagte Kulturminister John Whittingdale.

«  Fussballer werden ja sowieso kaum getestet. Und ältere Spieler über 30 müssen was machen, die können mit den jungen Spielern um die 18 sonst doch gar nicht mithalten. »

Mark Bonar
mutmasslicher Doping-Arzt

Bonar und sein «ganz grosser» Klient

Bonar nimmt kein Blatt vor den Mund. «Natürlich sind einige der Behandlungen, die ich mache, im Profisport verboten. Aber ich habe das schon mit vielen Sportlern gemacht. Jahrelang. So ziemlich aus jedem Sport. Die konsultieren mich diskret. Schliesslich steht ihr Ruf auf dem Spiel und meiner auch.»

Nicht nur mit Fussballern aus der Premier League, auch mit Spielern aus dem Ausland habe er Kontakt – «auch mit einem ganz Grossen, dem habe ich EPO, Testosteron und Wachstumshormone gegeben», so der Mediziner.

Ob seine Behauptungen stimmen, wird sich zeigen müssen. Solange keine Sportler des Dopings überführt werden, haben sie letztlich keine Konsequenzen.

Sendebezug: SRF 4 News, Morgenbulletin, 3.4.2016, 04:00 Uhr