«Enthüllungen dieser Art erstaunen mich nicht»

Die jüngsten Doping-Skandal in England werfen grosse Wellen. Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz, geht davon aus, dass ähnliche Fälle folgen werden.

In den frühen Sonntagmorgenstunden verbreitete sich die Meldung wie ein Lauffeuer über die Newsportale: Ein britischer Arzt soll über 150 Sportler – einige von ihnen bekannte Profis – über Jahre hinweg mit leistungssteigernden Medikamenten versorgt haben.

Noch sind keine Namen von Sündern bekannt. Doch es macht den Anschein, als habe die Sportwelt ihren nächsten Dopingskandal.

«  Diese Enthüllungen erstaunen mich nicht mehr. »

Matthias Kamber
Direktor Antidoping Schweiz

Wenig überrascht von den jüngsten Ereignissen ist Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz. «Enthüllungen dieser Art erstaunen mich nicht. Es dürften in Zukunft noch weitere solcher Fälle aufgedeckt werden.» Habe man früher ausschliesslich auf Labortests gesetzt, arbeite man heutzutage viel häufiger auch investigativ (wie die Sunday Times berichtete, welche diese Geschichte enthüllte).

Auch in der Schweiz hat man damit begonnen, neue Wege zu suchen, um Dopingsünder zu entlarven. Auf der Homepage von Antidoping Schweiz gibt es beispielsweise ein «anonymes Formular». Damit können Personen ihre Beobachtungen im Zusammenhang mit Doping anonym melden.

Nur 2000 Urinkontrollen jährlich im Fussball

Unabhängig von der Art der Vorgehensweise ortet Kamber vor allem in den Mannschaftssportarten grossen Nachholbedarf. «In der Schweiz machen wir im Fussball rund 2000 Urinkontrollen pro Jahr. Verglichen mit der Anzahl Teams und Spieler in dieser Sportart ist dies eine sehr geringe Kontrollen-Dichte.»

Als Athlet könne man im Fussball davon ausgehen, nicht kontrolliert zu werden. «Für eine seriöse Dopingbekämpfung braucht es weltweit mehr Tests. Auch in der Schweiz.»

Sendebezug: Radio SRF 1, Echo der Zeit, 3.4.16, 18:00 Uhr