Hautnah dabei: Die «Ref Cam» gibt ungewohnte Einblicke

Am World Cup of Hockey in Toronto wird derzeit die sogenannte «Ref Cam» getestet – das Resultat sind geniale Bilder. Wir haben die Schweizer Schiedsrichter-Bosse dazu befragt.

Als ob man selber auf dem Eis stehen würde: Mit der «Ref Cam», installiert auf dem Helm eines Schiedsrichters, erhält der Zuschauer hautnahe Einblicke in den Sport. Die Unparteiischen selber können die Aufnahmen zu Analyse-Zwecken nutzen.

«  Haben darüber gelacht, anschliessend zum Physiotherapeuten gehen zu müssen. »

Brent Reiber

Beim derzeit in Toronto stattfindenden World Cup of Hockey (mit Team Europa und 4 Schweizern im Final) stehen die Helmkameras im Einsatz – und die daraus entstehenden Bilder begeistern Eishockey-Fans auf der ganzen Welt.

Negativpunkte: Gefahr, Gewicht, Ästhetik

In der Schweiz wurde die Technologie bereits getestet: Am Spengler Cup 2014 war Linesman Andreas Kohler mit einer Helmkamera ausgerüstet. Gemäss dem «Head of Referee Management» Beat Kaufmann wurde das Projekt aus 3 Gründen verworfen:

  • Die Gefahr: «Das vorstehende Teil auf dem Helm haben wir als gefährlich eruiert, sowohl für die Spieler als auch für die Schiedsrichter selber.»
  • Das Gewicht: «Die Kamera inklusive Halterung hat ein stattliches Gewicht, welches vor allem in der exponierten Höhe schwierig zu kontrollieren und sehr gewöhnungsbedürftig ist.»
  • Das Äussere: «Ästhetisch waren die von uns getesteten Vorrichtungen einfach schlecht.»

Auch Schiedsrichter-Chef Brent Reiber konnte die «Ref Cam» nicht überzeugen: «Uns Schiedsrichtern bringt sie an sich keine Vorteile. Der Test am Spengler Cup 2014 war wenig ergiebig; die daraus entstandenen Bilder waren nicht wirklich analysierbar.»

Brent Reiber Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Brent Reiber Hat früher selber auf dem Eis gezeigt, wo es langgeht. EQ Images

Zudem sei die Verletzungsgefahr gross: «Wenn es auf dem Eis zu einem Handgemenge kommt und der Schiedsrichter mit so einem sperrigen Ding auf dem Kopf eingreift, kann es gefährlich werden. Die schwere Ausrüstung ist auch eine Belastung für den Träger. Beim Testlauf am Spengler Cup haben wir immer darüber gelacht, anschliessend wohl gleich zum Physiotherapeuten gehen zu müssen.»

Der etwas andere «Eistanz»

Die «Ref Cam» gibt ungewohnte Einblicke in die Arbeit eines Schiedsrichters und zeigt, wie anspruchsvoll sein Job auch neben dem reinen Arbitrieren eigentlich ist.

Reiber: «Die Unparteiischen investieren bis zu 40% ihrer Energie und Zeit auf dem Eis in das Positionsspiel. Es ist wie ein Tanz, bei dem man versucht, niemandem auf die Füsse zu treten. Eine besondere Herausforderung sind die Ecken: Da muss man sehr wendig und agil sein, um Puck und Spielern auszuweichen.»

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Sendebezug: Laufende NLA-Berichterstattung