Chatelain: «Einige glaubten, es laufe von alleine»

Obwohl die sportliche Leitung ausgewechselt wurde und bereits alle 8 Ausländerlizenzen vergeben sind, befindet sich der SC Bern noch immer mitten im Strichkampf. Der neue Sportchef Alex Chatelain spricht über die durchzogene Saison und nimmt die Spieler in die Pflicht.

Alex Chatelain (links) und Lars Leuenberger bei einer Medienkonferenz des SC Bern Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Noch nicht das grosse Erfolgsduo Alex Chatelain (links) und Lars Leuenberger. EQ Images

Seit 2 Monaten ist Alex Chatelain in seiner neuen Funktion als SCB-Sportchef tätig. Auch unter ihm und dem neuen Trainer Lars Leuenberger sind die «Mutzen» nicht zum nachhaltigen Erfolg zurückgekehrt und müssen noch immer um einen Playoff-Platz zittern.

Wie sieht Chatelain die Entwicklung des Teams unter der neuen sportlichen Führung?

  • «Was man sicher sagen kann, ist, dass wir spektakulärer spielen und mehr Tore schiessen. Auf der anderen Seite ist eine gewisse Stabilität verloren gegangen. Das Ziel der nächsten Wochen muss deshalb sein, hier die richtige Balance zu finden zwischen der offensiven Kreativität und der strukturierten Spielweise.»

Mehr Stabilität hätten auch die Transfers von Verteidiger Mikko Kousa und Torhüter Jakub Stepanek bringen sollen. Aber so richtig eingeschlagen haben die beiden Neulinge nicht. Bereits jetzt hat der SCB sämtliche 8 Ausländerlizenzen aufgebraucht. Nachrüsten geht also nicht mehr.

Wie will Chatelain sein Team dennoch auf Kurs bringen?

  • «Nun steht jeder Einzelne in der Pflicht. Grundsätzlich wäre es wünschenswert, dass man auch mal zu einer unpopulären Massnahme wie die Verbannung auf die Tribüne greifen könnte, um etwas Druck ausüben zu können. Doch aufgrund der vielen Verletzten ist dies zurzeit gar nicht möglich.»

Die Verletzungsmisere will Chatelain nicht als Ausrede gelten lassen, kämpfen doch auch die anderen NLA-Klubs mit zahlreichen Absenzen. Dennoch fällt auf, dass der SCB nie mehr als 3 Siege in Folge feiern konnte.

Warum gelang es dem SCB nie, den Schwung aus einer guten Phase mitzunehmen?

  • «Ich hatte das Gefühl, dass sich einige Spieler nach ein paar Siegen gerne zurücklehnten und meinten, dass es von alleine läuft. Mittlerweile sollte jeder gemerkt haben, dass es nicht von alleine geht. Nun erwarte ich von den Spielern, die sich auch als Leader bezeichnen, dass sie das Heft in die Hand nehmen und in der Lage sind, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Unabhängig von den Verletzten, denn das Kader sollte auch so noch gut genug sein, um die Playoffs zu schaffen.»

Chatelains Vorgesetzter, SCB-CEO Marc Lüthi, ist bekannt dafür, Massnahmen zu ergreifen, wenn es nicht wunschgemäss läuft. Chatelain selbst ist lange genug dabei, um zu wissen, wie die Mechanismen funktionieren.

Wie geht er selber damit um, dass er jederzeit seinen Job verlieren könnte?

  • «Die Gefahr besteht in unserem Business. Doch darf man sich nicht verrückt machen lassen. Ich halte es persönlich so: Ich muss die Gewissheit haben, dass ich jeden Tag mein Bestmögliches versucht habe. Dann kann ich am Abend in den Spiegel schauen. Ich weiss, dass Marc sehr emotional werden kann. Aber es liegt auch an mir, ihn von meinen Ideen und Vorstellungen zu überzeugen. Er sagt aber auch klar, dass ich im sportlichen Bereich am Ende die Entscheidung treffe. Und um es klarzustellen: Es ist keine Massnahme im Trainerbereich geplant.»

Das Restprogramm des SCB

19.01. Genf-Servette (a)
05.02. Freiburg (h)
23.01. Lugano (h)
21.02. ZSC Lions (a)
24.01. Biel (a)
23.02. Genf-Servette (h)
26.01. Lausanne (a)
26.02. Lausanne (h)
29.01. Ambri (a)
27.02. Freiburg (a)
30.01. Zug (h)

Sendebezug: SRF 1, «sportaktuell», 16.01.2016, 22:40 Uhr.