Muller: «Habe nichts mit der kanadischen Gruppe zu tun»

Sean Simpsons und Colin Mullers Engagement in Kloten ist mit der Übernahme vorzeitig zu Ende. Der Assistenztrainer spricht über Missverständnisse, die ehemaligen Besitzer und sein Verhältnis zu Simpson.

Colin Muller verschränkt die Arme. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Musste in Kloten gehen Colin Muller. EQ Images

Colin Muller, seit zwei Monaten ist bekannt, dass die Avenir-Sports-Entertainment-Gruppe (ASE) Kloten loswerden möchte. Wie waren die letzten Wochen für Sie?

Muller: Es war vor allem ein Abwarten und Schauen, was mit Kloten passiert. Wir sind alle froh, dass Kloten in der National League A bleiben kann.

«  Ich verstehe nicht, wieso wir in den Medien schlecht geschrieben wurden.  »

Sie und Headcoach Sean Simpson hatten einen bis 2018 gültigen Vertrag, müssen nach der Übernahme durch Hans-Ulrich Lehmann aber Ihren Posten räumen. Wie ist Ihre Gefühlslage?

Ich war von Anfang an sehr enttäuscht, wie wir in den Medien dargestellt wurden. Wir haben den Klub in die Playoffs gebracht, hatten eine viel bessere Saison als die letzte. Fast jeder Spieler hatte seine beste Saison – abgesehen von den Ausländern und vielleicht dem Torhüter, die mittelmässig waren. Wir haben unseren Job gut gemacht. Ich verstehe nicht, wieso wir in den Medien schlecht geschrieben wurden.

Zudem haben wir nichts mit dieser Gruppe in Kanada zu tun. Wir waren vor ihnen in Kloten. Herr Gaydoul (Besitzer vor der ASE, Anm. d. Red.) hat uns vor eineinhalb Jahren verpflichtet. Ich habe das Gefühl, dass wir mit dieser Gruppe in einen Topf geworfen wurden und dass uns eine Teilschuld an den Klotener Problemen angelastet wird. Aber das ist für mich ein totales Missverständnis. Die Zeitungen schrieben, dass die ASE uns wollte. Aber das stimmt überhaupt nicht. Und das regt mich auf!

Lehmann einigte sich am Montag um 10 Uhr mit der ASE. Wann wussten Sie, dass Sie in Kloten keine Zukunft mehr haben?

Wir wussten seit ein paar Wochen, dass sie nicht mit uns planen. Aber von wem das gekommen ist und wer das entschieden hat, weiss ich nicht.

Angeblich hat die ASE Sie und Sean Simpson aus ihren laufenden Verträgen herausgekauft. Mussten Sie auf Geld verzichten?

Darauf möchte ich nicht eingehen. Aber wir waren fair.

«  Mit Herrn Lehmann, den ich nicht persönlich kenne, habe ich nie gesprochen.  »
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Zur Person

Colin Muller (52) wurde in Kanada geboren. Im Alter von 19 Jahren stiess er zu Lugano. Den Grossteil seiner Karriere verbrachte er in Zug, wo er Schweizer Meister wurde. 2002 wurde er Freiburg-Headcoach. Danach war er als Assistent von Sean Simpson bei Zug, dem ZSC, der Schweizer Nati, Lokomotive Jaroslawl (KHL) und zuletzt Kloten tätig.

Wären Sie unter neuen Konditionen – mit weniger Geld und unter Herr Lehmann – gern geblieben?

Ich wäre schon bereit gewesen, in Kloten zu bleiben. Aber nach dem, was die Medien geschrieben haben, wäre es schwierig gewesen. Irgendwie haben sie kein Vertrauen in uns gehabt. Aber als Trainer ist man immer ein wenig enttäuscht, wenn jemand nicht mit einem weiterfahren möchte.

Wer hat Sie nach der Übernahme informiert, dass Ihre Zeit in Kloten zu Ende ist?

Ich musste in den letzten Wochen vieles aus den Zeitungen erfahren. Wir hatten zuletzt überhaupt keinen Kontakt mit Kloten. Mit Herrn Lehmann, den ich nicht persönlich kenne, habe ich nie gesprochen. Das muss auch nicht sein, er hat der ASE-Gruppe seine Bedingungen mitgeteilt. Ich persönlich stand auch mit den kanadischen Besitzern nicht in Kontakt, das lief alles über meinen Agenten. Die ASE hat einen guten Job gemacht, dass sie Herrn Lehmann ein Null-Budget übergeben konnte. Sie haben Goodwill gezeigt. Das ist nicht selbstverständlich für mich.

Sie arbeiten schon seit Jahren an Simpsons Seite. Wurde Ihr Kontakt in dieser Zeit noch enger?

Nein, eigentlich nicht. Wir haben in den letzten paar Jahren einiges durchgemacht. Es gab sehr gute Zeiten aber auch schlechte. Unser Verhältnis blieb gleich. Wir haben ein enges Verhältnis, aber es wurde in der letzten Zeit nicht enger.

Konnten Sie sich bereits Gedanken über Ihre Zukunft machen?

(lacht) Ich probiere es. Aber es ging alles sehr schnell. Jetzt will ich mir etwas Zeit nehmen und mir überlegen, in welche Richtung ich gehen will. Es ist schwierig. Aber so ist das Leben.

Sendebezug: SRF zwei, sportlounge, 2.5.2016, 22:25 Uhr