Von Offensivpower, Bekenntnissen und Unsicherheiten

Mit dem Klassiker ZSC Lions gegen den SC Bern startet am Mittwoch die NLA in die neue Saison. Während die Zürcher auch in der neuen Spielzeit zu den meistgenannten Titelanwärtern gehören, stürmen die Berner in die Ungewissheit.

ZSC-Stürmer Ryan Shannon versucht Simon Moser vom SC Bern die Scheibe streitig zu machen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Löwen gegen Bären Die neue Saison beginnt mit einem Klassiker. Keystone

Die ZSC Lions wurden in den letzten beiden Jahren jeweils überlegen Qualifikationssieger, den Titel von 2014 vermochten sie gegen Davos dennoch nicht zu verteidigen. Einen klaren Favoriten auf den Meisterpokal gibt es – wie so oft – auch in dieser Spielzeit nicht. Trotzdem verfügen die Zürcher über das grösste Potenzial.

  • Goalie Lukas Flüeler: Mit dem 26-Jährigen verfügt der ZSC über einen äusserst starken Rückhalt (1,74 Gegentore/Spiel). Und obwohl zahlreiche NHL-Klubs auf den Keeper aufmerksam geworden waren, verlängerte Flüeler seinen Vertrag im Sommer vorzeitig bis 2020 – ohne Ausstiegsklausel für die NHL. Ein starkes Zeichen.
  • Junge Verteidiger: Mitentscheidend wird die Entwicklung der Verteidigung sein. Spieler wie Phil Baltisberger, Jonas Siegenthaler oder Cédric Hächler können dabei viel von den «alten Hasen» wie Mathias Seger oder Severin Blindenbacher profitieren.
  • Das «Wunderkind» und geballte Offensivpower: Mit Topskorer Roman Wick, Luca Cunti oder Ryan Shannon ist die Lions-Offensive ohnehin das Prunkstück der Mannschaft. Junge Spieler wie Denis Malgin, Pius Suter oder der von Zug gekommene Fabrice Herzog dürften noch mehr Power in den Zürcher Angriff bringen. Zudem erhofft man sich viel von Auston Matthews. Bis zum 18. Geburtstag (18.9.) muss sich der Amerikaner zwar noch bis zum Debüt gedulden. Dann könnte das Jungtalent aber so richtig Fahrt aufnehmen.
  • CHL-Abenteuer: Auf internationalem Parkett ist den Zürchern ein optimaler Saisonauftakt geglückt. Mit 4 Siegen aus 4 Spielen weisen sie nach der Gruppenphase eine makellose Bilanz auf. Dabei erzielten die Löwen nicht weniger als 20 Tore.

Ganz so optimistisch wie bei den Lions präsentiert sich die Lage in der Hauptstadt nicht. Geschäftlich läuft es dem SCB zwar seit Jahren prächtig. Im sportlichen Bereich ist der Klub aber alles andere als sorgenfrei. Die «Mutzen» starten mit einer grossen Portion Ungewissheit in die neue Saison.

  • Lange Verletztenliste: Die Berner plagen Personalprobleme. Verteidiger Eric Blum fehlt zum Saisonauftakt wegen einer Gehirnerschütterung, Tristan Scherwey hat Rückenprobleme. Auch Neuzuzug Simon Bodenmann laboriert an einer Mitte August erlittenen Schulterverletzung. Und Stammkeeper Marco Bürer weist nach einer Fussverletzung noch Trainingsrückstand auf.
  • 3 Kanadier für ein Hallelujah: Mit Andrew Ebbett, Cory Conacher und Trevor Smith hat der SCB gleich drei neue kanadische Stürmer verpflichtet, die zusammen mit dem verbliebenen Chuck Kobasew für Tore sorgen sollen. Die neu formierte Berner Offensive könnte eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchen, um in Schwung zu kommen. Zudem tritt der SCB erstmals seit 1986 ohne ausländischen Verteidiger an.
  • Trainer vor dem Absprung: Guy Boucher betonte zwar, wie gern er in der Hauptstadt arbeite, dennoch dürfte es für ihn wohl die letzte Saison in der Schweiz sein. Der Kanadier machte nie ein Geheimnis aus seinem Wunsch, wieder in die NHL zurückzukehren.
  • CHL-Abenteuer: Im Gegensatz zum ZSC war der Auftritt der Berner europäisch nicht von Erfolg gekrönt. Nur gerade ein Sieg (n.P.) schaute für den SCB heraus. Im letzten Spiel wurde die Mannschaft von Linköping gleich mit 1:7 vom Eis gefegt.

Sendebezug: Radio SRF 1, Abendbulletin, 8.9.15, 18:45 Uhr