Ein Rückschritt oder nur ein Ausrutscher?

Die Schlagzeilen nach dem enttäuschenden 4:4 der Schweizer Nati gegen Island gehörten vornehmlich den Verteidigern. Hatten sie in der ersten Halbzeit noch für ein Offensiv-Feuerwerk gesorgt und sämtliche drei Tore erzielt, so passte nach dem Seitenwechsel so gut wie nichts mehr zusammen.

Es war alles angerichtet für das grosse Fussball-Fest im Stade de Suisse. Nach einem Kaltstart und dem frühen 0:1 rappelten sich die Schweizer auf und lagen zur Pause nach einer starken Offensivleistung und Toren der Verteidiger Stephan Lichtsteiner (2) und Fabian Schär mit 3:1 in Führung. Und weil Slowenien parallel gegen Albanien mit 1:0 in Front lag, schien die WM in Brasilien zum Greifen nah.

Unkonzentriertheiten führen zu Gegentoren

Doch dann passierte Historisches, das so nicht erwartet werden konnte. Mit defensiven Aussetzern baute das Team von Ottmar Hitzfeld den Gegner wieder auf und gab einen Dreitore-Vorsprung aus der Hand. Dies war einem Schweizer Team zuletzt bei der Heim-WM 1954 gegen Österreich passiert.

Die so hoch gelobte Defensive, die in diesem Jahr noch kein Gegentor kassiert hatte, bröckelte auf einmal gewaltig. Beim 2:4 machte Pflichtspiel-Debütant Schär keine gute Figur und beim Anschlusstreffer war es Ricardo Rodriguez, der seinen Gegenspieler gewähren liess. Beim Ausgleich schliesslich liess der gesamte Abwehrverbund jene Konzentration und Hartnäckigkeit vermissen, die ihn zuletzt so ausgezeichnet hatten.

Kehrt Inler ins Team zurück?

Gut möglich, dass Hitzfeld am kommenden Dienstag gegen Norwegen einige Änderungen vornehmen wird. Mit Timm Klose und Reto Ziegler hat er zwei valable Alternativen in der Hinterhand. Es ist auch davon auszugehen, dass Gökhan Inler wieder ins Team zurückkehren wird. Der Captain fehlte gegen Island gesperrt und wurde durch Blerim Dzemaili ersetzt. Mit seiner Ballsicherheit könnte er im Mittelfeld wieder für die nötige Ordnung sorgen.

Denn es wäre verfehlt, die Gegentore gegen Island nur der Defensive anzukreiden. Die Probleme begannen schon viel weiter vorne. Die Schweizer stellten nach der vermeintlich komfortablen 4:1-Führung das Fussballspielen ein und wurden für ihre «Unerfahrenheit und Arroganz» (Lichtsteiner) bestraft.

Lichsteiner spricht Klartext

Routinier Lichtsteiner war es denn auch, der seine Mitspieler in die Pflicht nahm. «Wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen. Jeder weiss genau, was er besser machen muss. Jeder muss für die Mannschaft kämpfen und defensiv arbeiten. Es können sich nicht einfach gewisse Spieler von der Defensiv-Arbeit ausnehmen», so die klaren Worte des 59-fachen Internationalen.

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Schweiz gegen Island nur mit Remis («sportaktuell»)

4:08 min, vom 6.9.2013