Nati: Neues System, alte Krankheiten

Die Schweizer Nationalmannschaft ist im ersten Spiel unter Trainer Vladimir Petkovic mit einem neuen System angetreten. Das 0:2 gegen England indes hat offenbart, dass die Nati noch immer an den alten Problemen krankt.

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Bildlegende: Überlaufen Johan Djourou (r.) kann Wayne Rooney nicht stoppen. Keystone

Vladimir Petkovic will der Schweizer Nati möglichst schnell seine Handschrift verpassen. Im ersten Spiel unter dem neuen Coach und nur knapp 2 Monate nach dem WM-Out gegen Argentinien liess Petkovic seine Mannschaft deshalb in einem neuen System einlaufen. 4-3-3 ist die neue magische Zahlenkombination im Schweizer Fussball, das alte 4-2-3-1-System ist abgeschafft.

Im Vorfeld der England-Partie wurde viel über diesen Systemwechsel geschrieben. Vergessen ging, was am Montagabend in Basel offenbar wurde: Eine Mannschaft besteht aus den Qualitäten ihrer Einzelspieler. Die traditionellen Schwachpunkte der «alten» Nati werden daher auch mit einem neuen System nicht einfach auszumerzen sein.

Interview mit Josip Drmic

0:52 min, vom 9.9.2014

Bekannte Hauptprobleme

Schon unter Ottmar Hitzfeld litt die Schweiz unter ihrer mangelnden Kreativität im Offensivspiel. Zwar verfügt die Nati immer über viel Ballbesitz, schafft es aber zu selten, daraus echte Torgefahr zu kreieren. Im Dreier-Sturm am Montag ging Admir Mehmedi völlig unter, Xherdan Shaqiri blieb den Beweis seiner Klasse schuldig. Insgesamt war die Schweiz offensiv harmlos.

Zweites Hauptproblem ist die schwache Innenverteidigung. Steve von Bergen und Johan Djourou produzierten gleich 4 haarsträubende Fehler, die zu Gegentoren hätten führen können. Bei Standardsituationen wirkte die Schweizer Hintermannschaft unsortiert, im Spielaufbau kam aus der Defensivzentrale viel zu wenig.

Nun warten einfachere Aufgaben

Mit diesen beiden Problemen - der fehlenden Kreativität und der schwachen Innenverteidigung - hatte schon Hitzfeld zu kämpfen. Kein Systemwechsel wird diese Schwachstellen beheben können, nur harte Arbeit oder das Testen personeller Alternativen. Die nächsten Partien bieten Petkovic und seiner Mannschaft die idealen Gelegenheiten dazu.

Die nächsten Gegner in der EM-Quali nämlich heissen Slowenien, San Marino, Litauen und Estland. Gegner, die eine Mannschaft mit der Klasse der Schweiz zwingend schlagen muss. Denn: die Nati hat gegen England nicht nur ihre Schwachstellen aus der Ära Hitzfeld offenbart, sondern auch ihre Qualitäten: Ihre Ballsicherheit, ihren Kampfgeist sowie ihre technischen und taktischen Stärken.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 08.09.14 20:00 Uhr