Zum Inhalt springen

Super League Aaraus Wieser nach Yapi-Foul verurteilt

Das grobe Foul an FCZ-Spieler Gilles Yapi vom vergangenen November hat für Sandro Wieser nun strafrechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verurteilte den Liechtensteiner zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen und zu einer Busse von 10‘000 Franken.

Legende: Video Wiesers Foul an Yapi abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 09.11.2014.

Die Staatsanwaltschaft qualifizierte das Foul des Aarauers Sandro Wieser als eventualvorsätzliche einfache Körperverletzung und fahrlässige schwere Körperverletzung und verurteilte den Fussballer per Strafbefehl zu den dabei maximal möglichen Strafen. Dieses harte Urteil lasse sich gemäss der Aargauer Staatsanwaltschaft mit zwei Punkten begründen.

Für die bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen spiele die Schwere des Deliktes eine Rolle. «Hier geht die Staatsanwaltschaft von einem schweren Verschulden aus», führt Mediensprecherin Fiona Strebel gegenüber Radio SRF aus. Und bei der Höhe der Busse würden die Lebens- und Einkommensverhältnisse des Beschuldigten abgewogen.

Verletzung in Kauf genommen

Dass überhaupt ein strafrechtliches Urteil gefällt wird, das ist speziell. In der Regel sind solche Verletzungen im Profisport eine Sache für die Sportjustiz und nicht für ein «ziviles» Verfahren, auch wenn es schon in der Vergangenheit zu ähnlichen Urteilen gekommen ist.

Auch die Aargauer Staatsanwaltschaft bestätigt, dass sich die Straf-Justiz normalerweise nicht mit solchen Fällen beschäftige. Fiona Strebel: «Sportler akzeptieren stillschweigend das Risiko einer Verletzung», deswegen seien Verfahren wegen Verletzungen aus Fouls ungewöhnlich.

Allerdings sei man in diesem Fall zur Einschätzung gelangt, dass Sandro Wieser durch sein rüdes Einsteigen die Verletzung von Gilles Yapi in Kauf genommen habe. «Er müsste in seiner Rolle als Profifussballer wissen, dass er mit einem solchen Foul die Gesundheit des Gegenspielers risikert», meint Strebel dazu, und verweist auf die Videoaufnahme, welche die Härte der Aktion klar zeige.

Volles Tempo, gestrecktes Bein

In der Super-League-Partie zwischen Aarau und Zürich vom 9. November 2014 hatte der 22-jährige Liechtensteiner seinen Gegenspieler Gilles Yapi mit einem brutalen Foul niedergestreckt. Wieser attackierte Yapi von hinten, mit grossem Tempo und gestrecktem Bein auf Kniehöhe.

Der Ivorer hatte dabei diverse Verletzungen im Knie erlitten, unter anderem einen Kreuzbandriss, einen Innenbandriss, einen Riss des Aussen- und Innenmeniskus sowie einen Knorpeldefekt bis auf die Knochen. Der FC Zürich und Yapi reichten bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Wieser ein.

Legende: Video Yapi im Aufbautraining abspielen. Laufzeit 03:55 Minuten.
Aus sportaktuell vom 30.04.2015.

Sendebezug: Radio SRF 1, Regionaljournal AG/SO, 06.05.15, 12:03 Uhr

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Keller, Olten
    Wow, suuuper Kommentare. Eigentlich müsste man alle, die Wieser eine Absicht unterstellen, wegen Verleumdung verklagen. Ich finde ein solches Einsteigen in keiner Weise in Ordnung, passiert aber bei Mannschaftssportarten. Leider wird in Sachen Recht nicht immer mit gleichen Ellen gemessen. Beispiele? YB Spieler, der ‚niedergetreten‘ wurde. EHC Olten Spieler, der heute Querschnittgelähmt ist. Welche Sanktionen, ausser Spielsperren, gab es da für die 'Täter'? Keine! Dies ist für mich bedenklich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jim James, Zürich
    Ein Spieler der so einsteigt gehört nicht auf den Fussballplatz, jeder der Fussball gespielt hat weiss das. Wieser hat den Beruf verfehlt. Alles juristische, soll die Justiz klären...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Ein Berufsverbot wäre definitiv zu hart. Sonst müssten Sie jeden Busfahrer, der einen Unfall baut, umschulen und jeden Arzt, der einen Fehler macht. Menschen machen Fehler - ihnen deshalb gleich die Lebensgrundlage wegzunehmen ist übertrieben und ökonomischer Blödsinn. Im Wiederholungsfalle sieht die Sache allerdings anders aus...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Gysler A, VD
    lächerliches Urteil. Dieser feine Herr Wieser gehört so lange gesperrt, bis Yapi wieder spielen kann, und wenn es 2 Jahre dauert. Die 10'000 Franken sind ein Trinkgeld im Verhältnis zu Yapi's Genesungskosten und sind geradezu eine Einladung für andere Brutalo-Fussballspieler, im gleichen Stil weiterzufahren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Zum Glück gibt's praktisch keine Laienrichter mehr: die Strafe ist 180 Tagessätze bedingt plus CHF 10'000. Eine Sperre ist nicht Sache des Zivilgerichts sondern des Fussballverbandes, die Behandlungskosten von Yapi sind ein Schaden, der separat verrechnet wird und hat nichts mit der Busse zu tun und das Urteil hat genau die umgekehrte Wirkung - Fussballer, welche den Rahmen des Sports überschreiten, müssen sich auch strafrechtlich verantworten. Das ist neu. Wieser ist nun vorbestraft.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Vader, Luzern
      Dieses Urteil ist keines Wegs lächerlich, es ist relativ hart, in meiner Meinung zu hart. Natürlich klingen die 10k Busse wenig, aber das ist der Maximalbetrag. Ausserdem könnte die Geldstrafe in der gleichen Berechnungsweise ein halbe Million Franken betragen! Diese Geldstrafe unbedingt auszusprechen wäre, wenn sie es bedingt noch nicht ist, völlig unverhältnismässig.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen