Der «Gorilla» mit Köpfchen

Auf dem Platz ein Krieger, daneben ein Denker: Das wundersame Doppelleben von «Mr. 100 Prozent» Giorgio Chiellini.

Italiens Verteidiger Giorgio Chiellini. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Kämpfer vor dem Herrn Giorgio Chiellini. EQ Images

Der Name Giorgio Chiellini löst beim geneigten Fussball-Fan eindeutige Assoziationen aus: Ein knochenharter Verteidiger und zuverlässiger Kämpfer. Das kurzgeschorene Haar und die markante Nase verstärken das martialische Erscheinungsbild des 31-Jährigen. Was jedoch kaum einer weiss: Chiellini gilt als Intellektueller.

100% Turin

Kämpfer und Denker. Beide Seiten kann Chiellini in Turin unter einen Hut bringen. 2010 schliesst er an der Universität in Turin sein Studium zum Betriebswirt mit 109 von 110 möglichen Punkten ab. Das Thema seiner Abschlussarbeit: «Die Bilanzen von Fussballklubs am Beispiel von Juventus Turin». Zu dieser Zeit ist er bereits seit 6 Jahren bei der «Vecchia Signora» unter Vertrag und längst zum Leistungsträger avanciert. Dass er Juventus auch nach dem Zwangsabstieg 2007 nicht verlässt, unterstreicht seine Loyalität zur Stadt im Piemont.

100% Einsatz

Auf dem Platz überwiegt der Kämpfer. Daher lautet Chiellinis selbst gewählter Spitzname «Gorilla». «Auf dem Feld bin ich impulsiv, neben dem Platz viel gelassener und reflektierter», beschreibt er sich selbst. Sein früherer Mitspieler Albin Ekdal findet: «Auf dem Platz kann er ein Schwein sein.»

Diese Härte und Leidenschaft auf dem Feld prägt das Spiel Chiellinis. 2008 verletzt er bei einem Zweikampf im Training Fabian Cannavaro derart, dass sich dieser einen doppelten Bänderriss zuzog. Unvergessen ist auch seine Auseinandersetzung mit Luis Suarez an der WM 2014, welche mit einem Biss in die Schulter des Italieners endete.

100% Bewunderung

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Jetzt trifft er auch noch – Chiellinis Tor gegen Spanien

0:15 min, vom 27.6.2016

Und nun erzielte der zuverlässige Defensivkünstler auch noch das wegweisende 1:0 beim Achtelfinal-Sieg über Spanien. Die italienischen Medien liegen ihm (spätestens) jetzt zu Füssen: Von «majestätischer Leistung» schreibt der Corriere dello Sport, einen «Gladiator» nennt ihn La Stampa. Die Corriere della Sera meinte nach dem Auftritt gegen Spanien: «Chiellini ist wie ein Soldat im Schützengraben. Er ist nie unvorbereitet».

Der Gorilla schlägt zu

Sendebezug: Laufende Berichterstattung EURO 2016