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Schweizer Nationalmannschaft Sommer: Herr der Hundertstelsekunden

Kurz nach Abpfiff versammelte sich ein Teil der Schweizer Mannschaft um ihren Torwart. Die Spieler wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten. Wie Yann Sommer ein Spiel, ja vielleicht ein Turnier rettete.

Legende: Video Gute Ansätze, Steigerung möglich: Rückblick auf Schweiz-Albanien abspielen. Laufzeit 02:18 Minuten.
Aus UEFA Euro 2016 vom 12.06.2016.

Das ungeheuerliche Tempo, das den Fussball gegenwärtig ausmacht, hat auch die Interpretation des Torwartspiels verändert. Und dabei ist nicht mal der viel zitierte mitspielende Keeper gemeint, sondern vielmehr die Unerbittlichkeit der Geschwindigkeit. Die Spieler sind schneller geworden, die Angriffe schwungvoller, die Schüsse unberechenbarer.

Jene Hundertstelsekunden können auch die Wahrnehmung einer Generation verändern.

Folglich ist auch der Mann zwischen den Pfosten gezwungen, schnellere Entschlüsse zu fassen. Sekundenbruchteile entscheiden über Tor oder Glanzparade, Sieg oder Niederlage. Unter Umständen können jene Hundertstelsekunden auch die Wahrnehmung einer ganzen Generation verändern.

Man stelle sich vor, Yann Sommer hätte seine Arme beim Schuss von Shkelzen Gashi ein paar Hundertstel später in die Höhe gestreckt. Es hätte womöglich das Aus in der Gruppenphase gedroht und die einst so vielversprechende Generation wäre als vorerst gescheitert erklärt worden.

Glück ist bei Sommer nur ein kleiner Faktor

Der Faktor Glück ist in Situationen wie der nach 87 Spielminuten kein unwesentlicher. Sommers Leistung in den gesamten 90 Minuten überrascht aber nicht, wenn man seine einzelnen Interventionen genau betrachtet. Die Eckbälle der Albaner pflückt er allesamt runter. Kein Zögern, kein Verlust dieser entscheidenden Hundertstelsekunden.

Legende: Video Yann Sommers Grosstat gegen Armando Sadiku abspielen. Laufzeit 00:26 Minuten.
Aus UEFA Euro 2016 vom 12.06.2016.

Und als Armando Sadiku in der 31. Minute alleine auf das Schweizer Tor läuft, macht Sommer aus der Einfachheit einer Eins-gegen-eins-Situation einen psychologischen Machtkampf auf vier Quadratmetern. Er fährt die Arme aus, deckt das Tor ab, bleibt stehen, fährt die Arme wieder ein und lässt dann vermeintlich Platz für Sadiku. Dieser meint den passenden Augenblick für den Abschluss gefunden zu haben und zieht ab. Sommer pariert reflexartig mit dem rechten Fuss.

Die Schweizer verfügen – im Vergleich mit anderen Mannschaften – über einen Trumpf zwischen den Pfosten.

Die Europameisterschaft läuft erst drei Tage. Trotzdem beklagen mehrere Mannschaften schon Torwartfehler. Der Slowake Matus Kozacik beispielsweise entschied zu spät, wohin er sich denn werfen solle. 0:1 Wales. Die Schweizer verfügen – im Vergleich mit anderen Mannschaften – über einen Trumpf zwischen den Pfosten.

Legende: Video Sommers Glanzparade gegen Gashi abspielen. Laufzeit 00:10 Minuten.
Aus UEFA Euro 2016 vom 11.06.2016.

Mitarbeit: schr

Sendebezug: Laufende Berichterstattung EURO

Zur Person

Zur Person

Sascha Ruefer ist Moderator und Kommentator bei SRF Sport. Seit 2008 kommentiert er sämtliche Partien der Schweizer Nationalmannschaft.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Josef Heinrich, Wil
    Das ist ein toller schriftlicher Artikel von S. Ruefer. Die historische Wahrnehmung im Sport hängt tatsächlich oft von einem Hunderstelsekundenereignis ab. Ein Beispiel: Vor ein paar Jahren wurde der Schweiz in Montenegro ein regulärer Treffer aberkannt, mit dem die Schweiz in Führung gegangen wäre und das Spiel hätte gewinnen können. Stattdessen wurde der "kleine" Wölfli später noch überlobt; die Schweiz verlor das Spiel, was im Ergebnis gleichbeutend war mit dem Ausscheiden in der EM-Quali.
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  • Kommentar von Franz Huber, Zürich
    Mein Gott was der Herr S.R. wieder aufbauschen muss. Nur weil er gesagt hat Sommer war Weltklasse. Da halte ich es mehr wie Xhaka der sagte: Für das haben wir ja auch einen sehr guten Torhüter. Das er in solchen Situationen glänzen kann. Mann könnte auch sagen die beiden Schützen haben nicht gut geschossen. Was sie auch nicht haben. Gashi war glaub zu überrascht dass er so frei zum Abschluss kommt, und schiesst prompt auf der Ideal Höhe für Goalies. Sadiku's Versuch war besser. Sommer war gut.
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