Zoltan Jordanov: Der Baumeister geht nun auf die Baustelle

Zoltan Jordanov hat nach Ariella Kaeslin auch Giulia Steingruber gross herausgebracht. Doch warum trennt sich der Schweizerische Turnverband von seinem Erfolgstrainer kurz vor dessen Pensionierung?

Ende Jahr, abzüglich ein paar ihm zustehende Ferienwochen, ist für Zoltan Jordanov als Cheftrainer der Schweizer Kunstturnerinnen Schluss. Nach 9 Jahren, in denen der britisch-ungarische Doppelbürger wertvolle Arbeit geleistet hat.

«Er wird für immer verewigt bleiben in den Historien unseres Turnverbandes. Denn er hat extrem viel bewegt. Vielleicht spricht man irgendwann später von den ‹Jordanov-Girls›», unterstreicht Felix Stingelin, der Chef Spitzensport im Verband, die Bedeutung des Mentors.

«  Es ging nie darum, dass wir mit seinen Leistungen nicht zufrieden gewesen wären. Im Gegenteil. »

Felix Stingelin
Chef Leistungssport

Obschon bis zu Jordanovs Pensionierung im Herbst 2017 nur noch einige Monate gefehlt hätten, tritt der Baumeister der jüngsten Schweizer Erfolge ab. Sein Vertrag läuft aus.

Vom Chef zum Assistenten? – Nein, danke

Stingelin erklärt die Situation: «Wir denken immer in olympischen 4-Jahres-Zyklen.» Also hätten sie sich entschlossen, die Trennung jetzt zu vollziehen, weil spätestens auf übernächste Saison hin sowieso ein Wechsel bevorstanden wäre. «Es ging nie darum, dass wir mit seinen Leistungen nicht zufrieden gewesen wären. Im Gegenteil», betont Stingelin.

Bereits diesen Frühling wurde die Trennung kommuniziert und der bisherige Assistent Fabien Martin zum Nachfolger designiert. Und für Jordanov selbst stand ausser Frage, dass er für die verbleibende Zeit ins zweite Glied gerückt wäre.

In den folgenden Audiobeiträgen verrät Jordanov unter anderem, wie er seine Zeit bis zum Erreichen des Rentenalters überbrücken will – etwa auf der Baustelle.

    • 1.
      «Jetzt bin ich halt erst einmal arbeitslos»
      Ende Jahr wird die Ära Zoltan Jordanov beim Schweizerischen Turnverband ausgeläutet. «Also bin ich dann arbeitslos», scherzt der scheidende Cheftrainer. Er will sich etwas Zeit lassen, ehe er sich über eine neue Aufgabe im Klaren wird. «Es gibt Ideen, die sind aber noch nicht konkret.» Ein befristetes Engagement als Impulstrainer, wo er kurzfristig seine Erfahrungen einfliessen lässt, wäre eine Option. Doch vorläufig geniesst ein anderes Projekt Priorität: Der 63-Jährige will sich in Ungarn um die Renovierung seines Hauses kümmern.
    • 2.
      «Wir gehen mit erhobenem Kopf»
      Seine Hinterlassenschaft ist mit 16 Medaillen und 28 Diplomplätzen bei internationalen Grossanlässen bemerkenswert. Nicht von ungefähr ist der Schweizer Baumeister stolz auf sein Schaffen. «Der Erfolg hier war sehr gut, deshalb gehen wir mit erhobenem Kopf.» Er spricht auch seine Ehefrau Sznezsana an, die ihn bei der Arbeit stets unterstützt hat.
    • 3.
      «Ich hatte sehr Glück mit diesen beiden talentierten Mädchen»
      Die Frage, ob Jordanov auch so lange geblieben wäre, wenn er ohne die Ausnahmekönnerinnen Ariella Kaeslin und Giulia Steingruber hätte auskommen müssen, beantwortet er klar: «Nein.» Denn sein Bestreben war es stets, Athletinnen an die Weltspitze zu führen. Entsprechend blickt er auf eine «sehr gute und professionelle Zusammenarbeit» zurück.

Sendebezug: Radio SRF 1, Nachmittagsbulletin, 10.9.2016, 17:10 Uhr