Sein letzter Winter naht: Perl, der Unerschütterliche

Über 10 Jahre lang hat er an der Weltspitze gekratzt, mehr als ein paar feine Spuren hat er dabei nicht hinterlassen. Jetzt startet er in seine letzte Saison als Langlauf-Profi: Curdin Perl.

Mit Zipfelmütze empfängt er uns zum Interview-Termin. Logisch: Der blaue Kopfschmuck hat Curdin Perl seine gesamte Karriere lang begleitet. Eine Karriere, die sich dem Ende neigt.

Curdin Perl, Ihr letzter Winter naht. Mit was für Gefühlen schauen Sie dem baldigen Ende entgegen?

Curdin Perl: Zum einen mit Vorfreude, dass es bald fertig ist. Gleichzeitig aber auch mit grosser Wehmut. Langlauf ist mein Leben. Wenn ich darüber nachdenke, bald ganz aufzuhören, tut es schon weh.

Curdin Perl 2007 in Davos. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Anzüge ändern, die Mütze bleibt Curdin Perl 2007 in Davos. Keystone

Wie bereitet man sich auf eine solche Saison vor?

Ich wollte zum Schluss noch etwas Neues wagen. Also habe ich mich aus dem Team ausgeklinkt und meine Vorbereitung zu 95% von zu Hause aus gemacht. So konnte ich in Ruhe an meinen Schwächen arbeiten.

Schwächen? Nach beinahe 20 Jahren auf der Loipe?

Man hat noch viel mehr Schwächen als früher! (lacht)

Natürlich, auch Curdin Perl merkt das Alter. 32 ist er mittlerweile, seit 2005 bei den ganz Grossen dabei. Aber eben: Oft nur dabei.

Eigentlich sticht seine blaue Zipfelmütze ja aus dem Athleten-Pulk heraus, doch allzu oft hat man in den Fernsehbildern vergeblich danach Ausschau gehalten – zahlreiche Rennen ist Perl in den hinteren Gefilden und Abseits der Kameras gelaufen.

Seine erfolgreichste Saison lief Perl 2010/11. Da durfte er in La Clusaz mit der Staffel seinen bislang einzigen Weltcup-Sieg bejubeln; wenig später wurde er an der Tour de Ski starker Gesamt-Vierter.

Sein grösster Moment: Perl erklimmt die «Alpe Cermis» als Vierter

3:03 min, vom 9.1.2011

In den letzten Jahren konnte er bei weitem nicht mehr an diese Resultate anknüpfen.

Ihre letzte Saison ist ja so richtig in die Hose gegangen ...

... und das, obwohl die Vorbereitung so gut war wie noch nie! Ich hoffe schwer, dass diese Saison besser laufen wird. Ich will einfach in die Rennen finden und das zeigen können, was ich kann. Wenn das gelingt, liegen auch Top-10-Platzierungen drin.

Sie haben in Ihrer Karriere viele Rückschläge verkraften müssen, mit Verletzungen oder verpatzten Saisons. Wie schafft man es, immer wieder aufzustehen?

Das gelingt einem nur, wenn man mit Leidenschaft und Herzblut dabei ist. Ich hatte sicher mehr Dämpfer in meiner Karriere als Höhenflüge; zum Teil auch richtig herbe Dämpfer. Ich habe mir einfach immer gesagt: Es muss doch möglich sein, mein Können auch in den Schnee zu bringen.

Zum letzten Mal will Perl sein Können an den Olympischen Spielen in Südkorea in den Schnee bringen. Und träumt ambitioniert: «Ein Diplom zum Abschluss wäre natürlich toll.» Zu gönnen wäre es ihm.

Sendebezug: Radio SRF 1, Abendbulletin, 10.11.17, 18:45 Uhr