Zum Inhalt springen
Inhalt

Leichtathletik-WM Justin Gatlin – der ungeliebte Sprint-König

US-Sprinter Justin Gatlin hat in London für die Sensation gesorgt und Usain Bolt entthront. Der 100-m-Sieg des ehemaligen Doping-Sünders sorgt allerdings nur sehr bedingt für Begeisterung.

Justin Gatlin
Legende: Der neue Champion Justin Gatlin kann sein Glück kaum fassen. imago

Man stelle sich vor: Lance Armstrong wird begnadigt und gewinnt im kommenden Jahr die Tour de France. Alle Bemühungen des Radsports um ein sauberes Image wären umgehend für die Katz gewesen. Ähnliches ist am Samstag in London der Leichtathletik passiert: Mit Justin Gatlin hat ein ehemaliger Doper ausgerechnet die Sprinter-Krone erobert.

Lebenslänglicher Sperre entkommen

Der 35-jährige Gatlin wurde zweimal des Dopings überführt. 2006 wurde der New Yorker endgültig aus dem Verkehr gezogen. Dank seinem Einsatz als Kronzeuge und einer amnestiefreudigen Justiz durfte er ab 2010 wieder mittun.

Ich bin bestraft worden, aber heute bin ich sauber.
Autor: Justin GatlinGewinner der Gold-Medaille

Doch das Publikum hat nicht vergessen. In London wurde der Olympiasieger von 2004 bei jedem seiner Auftritte ausgepfiffen. Nach dem Final über 100 m wurde nicht Sieger Gatlin, sondern «Verlierer» Usain Bolt frenetisch gefeiert.

Legende: Video Bolt geschlagen: Überraschung im 100-m-Final abspielen. Laufzeit 01:25 Minuten.
Aus sportlive vom 05.08.2017.

Die Klagen eines Geläuterten?

«Ich bin bestraft worden, aber heute bin ich sauber», erklärte Gatlin nach seinem Sieg. Er unterstütze seine Gemeinschaft, gehe zu Kindern und warne sie vor Doping. Dass er immer noch als «Bad Boy» büssen müsse, könne er nicht verstehen, so der Amerikaner weiter.

Die Pfiffe und Buhrufe in London habe er nicht gehört. Auf eine Ehrenrunde verzichtete er trotzdem.

Justin hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er sauber ist.
Autor: Usain BoltGewinner der Bronze-Medaille

Der geschlagene Bolt wiederum, angesprochen auf die Doping-Problematik, verteidigte Gatlin und die gesamte Sprinterbranche: «Ich finde die Vorwürfe respektlos. Justin hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er sauber ist. Ich habe dies in den letzten Jahren auch bewiesen», so der geschlagene Jamaikaner.

Christian Coleman, das neue Gesicht?

Wie auch immer: Nach dem Rücktritt von Usain Bolt dürfte auch das «Regnum Gatlin» nicht mehr allzu lange dauern – der Amerikaner befindet sich am Ende seiner Karriere. Mit Silber-Gewinner Christian Coleman steht ein Nachfolger bereit. Man darf gespannt sein, welches Gesicht der 21-Jährige der Leichtathletik verleihen wird.

Legende: Video Das Siegerinterview mit Justin Gatlin abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 05.08.2017.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 05.08.2017, 19:55 Uhr

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christian Graf (Christian Graf)
    Überall wo Geld zu verdienen ist zeigt sich sofort die Gier und die Skrupellosigkeit der Menschen! Im Spitzensport ist das schon lange und verbreitet zu sehen. Ob in der Leichtathletik, dem Radsport, dem Fussball etc. etc. Wer da wirklich noch an den sportlichen Wettkampf glaubt, muss nett ausgedrückt schon sehr naiv sein. Gatlin ist eine Schande für seinen Sport, aber er gehört meiner Meinung halt zu denen die entdeckt wurden. Das unterscheidet ihn von den vielen anderen "dreckigen" Sportlern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ch. Müller (Ch. Müller)
    Meine Güte, das alles ist schon über 10 Jahre her, diese Berichterstattung ist nun wirklich nicht gerade objektiv!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bernhard Thommen (looser02)
    ....und noch als Anmerkung: der Bolt hat ja anscheinend oft Party gemacht und trotzdem alle in Grund und Boden gelaufen....glaube kaum dass dies legal möglich ist im heutigen Niveau und der Dichte der Spitzenleichtathletik. Zudem ist seine Körpergrösse nicht optimal sowie seine Technik auch niemals so ausgereift wie die von anderen 100m Sprintern. Aber glauben wir weiter an den Wundermann von Jamaika....Lance Armstrong lässt grüssen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen