Sehr gut: Das Zeugnis der Schweizer Leichtathleten

Gemessen an der Fülle an Top-10-Klassierungen hat die Schweiz an der WM in London eine Bestmarke aufgestellt. Doch dem Glanz fehlt aus zwei Gründen der Schein.

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Die Schweizer Bilanz mit Peter Haas, Chef Leistungssport

5:45 min, vom 13.8.2017

Die Delegation von Swiss Athletics brachte an den 16. Welttitelkämpfen in London den Nachweis, dass Quantität auch Qualität bedeuten kann. So setzte das Team, das mit 19 Teilnehmern so zahlreich bestückt war wie nie zuvor, den Aufwärtstrend von 2015 nahtlos fort.

Mit 5 Klassierungen in den Top 10 polierte die junge Schweizer Equipe die Bilanz sogar auf. Noch nie in der 34-jährigen WM-Geschichte war man in der absoluten Weltspitze breiter aufgestellt.

Sprunger freut sich über Rang 5

1:07 min, vom 10.8.2017

Wo blieben die Exploits?

Und mit 3 Finalvorstössen auf der Bahn konnte das Ziel der Verbandsspitze übertroffen werden. Diese hatte 2 Finalplätze als Minimalziel ausgegeben. Die Absenz von Noemi Zbären wertet das Abschneiden in der britischen Metropole weiter auf. Denn die Hürdensprinterin hatte vor 2 Jahren in Peking als 6. und einzige Finalistin für das wertvollste Ergebnis gesorgt.

Zudem war die Schweiz mit dem Quartett Nicole Büchler (Stabfinal/11.), Selina Büchel (800 m/11.), Géraldine Ruckstuhl (Siebenkampf/11.) und Petra Fontanive (400 m Hürden/12.) auch noch in den Top 12 vertreten. Hervorzustreichen gilt es den unerschrockenen Auftritt der erst 19-jährigen Ruckstuhl – der Zweitjüngsten im Team. Sie überzeugte bei ihrem ersten Gastspiel im Konzert der Grossen und gilt als Zukunftsversprechen.

Aus zwei Gründen hat der Schweizer Erfolg eine Kehrseite:

  • Es fehlte eine Medaille als absolutes Highlight. So riss auch die schöne Serie, dass es seit 1987 im 10-Jahres-Turnus einen Schweizer WM-Podestplatz abwarf.
  • Auch blieben überraschenderweise die persönlichen Bestleistungen weitgehend aus. Ruckstuhl hatte den Mehrkampf mit einem Topwert im Hürdensprint lanciert. Danach gab es erst wieder beim Schlussfeuerwerk durch die 4x100-m-Frauenstaffel wieder einen Schweizer Rekord.

Die Schweizer Top-10-Klassierungen an der WM

JahrMedailleFinal (Top 8)
Zusätzlich in den Top 10
2017 London

L. Sprunger (400 m H/5.)
Frauenstaffel 100 m (5.)
Hussein (400 m H/8.)

M. Kambundji (100 m/10.)
M. Kambundji (200 m/10.)
2015 Peking

N. Zbären (100 m H/6.)
S. Büchel (800 m/9.)
K. Hussein (400 m H/9.)
M. Kambundji (200 m/10.)
2013 Moskau


2011 Daegu


Lisa Urech (100 m H/9.)
2009 Berlin



2007 Osaka
Bronze
Viktor Röthlin (Marathon)
A. Martinez (Drei/8.)

2005 Helsinki



2003 Paris



2001 Edmonton
Gold
André Bucher (800 m)


1999 Sevilla
Bronze
Marcel Schelbert (400 m H)

Männerstaffel 400 m (10.)
1997 Athen
Bronze
Anita Weyermann (1500 m)
Rochat-Moser (Marathon/8.)
1995 Göteborg

J. Baumann (100 m H/5.)
1993 Stuttgart
Gold
Werner Günthör (Kugel)
Frauenstaffel 400 m (8.)
1991 Tokio
Gold
Werner Günthör (Kugel)
J. Baumann (100 m H/5.)
Anita Protti (400 m H/6.)
Frauenstaffel 400 m (9.)
1987 Rom
Gold
Werner Günthör (Kugel)
Pierre Délèze (5000 m/4.)
C. Bürki (1500 m/4.)
C. Bürki (3000 m/4.)

1983 Helsinki

Pierre Délèze (1500 m/6.)Felix Böhni (Stab/10.)
C. Bürki (1500 m/10.)

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 13.08.2017 19:25 Uhr