Zwischen Medaillenanwärtern und Zukunftsversprechen

Das Schweizer Team an der Leichtathletik-WM ist so stark aufgestellt wie schon lange nicht mehr. Die SRF-Leichtathletikexperten haben die Chancen der 16 Starter unter die Lupe genommen.

Video «Leichtathletik: Schweizer Vorschau auf die WM in Peking» abspielen

Schweizer Vorschau auf die WM in Peking

2:18 min, aus sportaktuell vom 21.8.2015

Eine Finalklassierung (Top 8) lag für die helvetische WM-Delegation zuletzt dreimal in Serie ausser Reichweite. Eine erstarkte Equipe soll die Schweiz vor einem erneuten «Nuller» bewahren.

«  Bei aller Euphorie wäre ein Schweizer Podestplatz eine grosse Überraschung. »

Mario Gehrer

In der Entry List taucht ein Quartett in den Top 12 auf – das zeugt von einer breiten Spitze. «Es gibt zwar keinen André Bucher im Team, noch nicht», schränkt SRF-Kommentator Patrick Schmid ein. Trotzdem geniessen die Swiss-Athletics-Vertreter bei ihm wie bei Kommentator-Kollege Mario Gehrer viel Kredit. Dieser sagt: «Die Chancen für Spitzenplätze sind intakt. Doch bei aller Euphorie wäre ein Podestplatz eine grosse Überraschung.» So sehen die Einschätzungen der beiden aus:

  • Medaillenanwärter: Kariem Hussein, Selina Büchel

    Die Argumente des Thurgauers: Er ist Europameister – und schneller als letztes Jahr. An den Schweizer Meisterschaften stellte er in 48,45 Sekunden persönliche Bestleistung auf – ohne Konkurrenz und aus einer Trainingsphase heraus.

    Husseins EM-Titel

    1:50 min, vom 15.8.2014

    Sein Vorteil: Im Gegensatz zu den US-Läufern, die ihre Form auch auf die Trials ausrichten müssen, kann er sich auf einen einzigen Höhepunkt fokussieren.
    Büchel ist der ausgeprägte Wettkampftyp. Seit Frühling machte die 800-m-Hallen-Europameisterin auch im Freien markante Fortschritte. In 1:57,95 Minuten knackte die 28-jährige Toggenburgerin in Paris nicht nur den Schweizer Rekord, sondern eine magische Grenze.

  • Finalkandidatinnen: Noemi Zbären, Nicole Büchler

    Die Hürdensprinterin blieb zuletzt konstant unter 13 Sekunden, zudem verfügt sie über grosse Nervenstärke. Darum ist die U23-Europameisterin auch auf der grossen Bühne für eine Überraschung gut.

    Büchler kommt in Form

    1:15 min, aus sportaktuell vom 8.8.2015

    «Immer versucht. Immer gescheitert.» Diesen Spruch liess sich Stan Wawrinka einst auf seinen Unterarm tätowieren – er ist ebenso Sinnbild für die Karriere der besten Schweizer Stabhochspringerin. Noch nie überstand Nicole Büchler an einem Grossanlass die Qualifikation. «Nun könnte sie sich damit ein grosses Geschenk machen, obwohl der Druck immens sein wird», glaubt Schmid. Mit Landesrekord bei der WM-Hauptprobe tankte die 31-jährige Seeländerin viel Moral.

  • Top-10-Hoffnungen: Mujinga Kambundji, Tadesse Abraham, Frauen-Staffel

    Die Berner Sprinterin startet mit viel Vorschusslorbeeren, wird aber ihre Zeiten weiter toppen müssen. Über 200 m hat sie die grösseren Chancen, weil dort die Leistungsdichte nicht ganz so gross ist.

  • Aussenseiterinnen: Petra Fontanive, Lea Sprunger, Valérie Reggel, Laura Polli, Marie Polli.
  • Zukunftsversprechen: Angelica Moser und Caroline Agnou

    Zur erst 19-jährigen Siebenkämpferin Agnou sagt Mario Gehrer: «Die Art und Weise, wie sie U20-Gold holte, war verblüffend. Obwohl die beiden Anlässe zeitlich nahe beieinander liegen, kann sie diese Leistung bestätigen.

Sendebezug: SRF zwei, «sportaktuell», 18.08.2015 22:20 Uhr