Zwei Schwestern im Gleichschritt

Marie und Laura Polli vertreten die Schweiz seit Jahren in der internationalen Szene des Gehens - so auch bei der Heim-EM. Passend zu ihrer exotischen Disziplin entwickelten die Tessiner Schwestern grossen Ehrgeiz für ausgefallene Hobbys.

Marie und Laura Polli posieren mit EM-Maskottchen Cooly. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zu dritt Die Geher-Schwestern Marie (links) und Laura Polli posieren mit dem EM-Maskottchen Cooly. Keystone

Laura Polli erinnert sich mit einem Lachen an ihre Anfänge als Geherin. 6-jährig war sie, als sie wortwörtlich die ersten Gehversuche machte und dabei ihrer älteren Schwester Marie nacheiferte. «In der Schule haben sie uns aufgezogen mit unserer Disziplin», bestätigt die Tessinerin. Lustig war für Aussenstehende, dass sie beim Vorwärtskommen so auffällig mit dem Po wackelte.

Marie und Laura, heute 33 und 31, haben solche Reaktionen nie gestört. Unbeirrt gingen sie, die mit zwei weiteren Schwestern aufgewachsen sind, ihren Weg. Obschon sie zu zweit sind, war es oft ein isolierter Weg in einer Sportart, die hierzulande kaum beachtet wird. 4000 Kilometer Trainingsumfang spulen sie pro Jahr ab.

Neue Hierarchie in der Familie

Die sportliche Vita von Marie Polli ist umfangreicher. Sie startete vor 10 Jahren an den Olympischen Spielen in Athen und verpasste seit 2007 keine WM. Zudem hält die Bankangestellte in 1:32.36 Stunden seit 2009 den Landesrekord über 20 km Gehen.

Marie Polli leert sich während eines Rennens Wasser über den Kopf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit Wasser kühlen Die WM 2013 war für Marie Polli auch eine hitzige Angelegenheit. Keystone

Erst letzte Saison übernahm die passionierte Pilzsammlerin Laura Polli in der familieninternen Hierarchie die Leaderrolle. An der WM 2013 in Moskau, wo sie gemeinsam antraten, realisierte sie in 1:34.07 persönliche Bestleistung. Die Plätze 36 und 49 waren - gemessen an den Melderängen 50 und 60 - für beide ein Erfolg. Nun freuen sie sich auf die Heim-EM in Zürich, wo sie am Donnerstagmorgen, 14. August, im Einsatz stehen werden.

Stricken zur Beruhigung

Im Vorfeld dieses Karriere-Höhepunkts kommt unweigerlich Aufregung auf, umso mehr Marie Polli sich als «sehr nervöse Person» bezeichnet. Bei ihren Hobbys Gartenarbeit oder Stricken findet sie den nötigen Ausgleich. «Vor allem Stricken beruhigt mich, weil man sich dabei konzentrieren muss», sagt sie.

Zudem spielt die 33-Jährige nebst Akkordeon seit kurzem Mandoline. «Es war nicht einfach, dieses Instrument zu erlernen. Aber ich mache Fortschritte und möchte im Mandolinen-Orechster Lugano aufgenommen werden.»

Sendebezug: Radio SRF 1, Abendbulletin, 05.08.14 18:45 Uhr