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Der Druck auf das IOC steigt (Sara Schwedmann, ARD)
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IOC wartet weiter ab Was spricht gegen die Verschiebung der Olympischen Spiele?

Das IOC könnte eine Absage oder Verschiebung der Spiele 2020 verkraften. Weshalb hält es derzeit an den Spielen in diesem Sommer fest? Was für und gegen die Haltung des IOC spricht.

Die Rufe nach einer Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio werden lauter. IOC-Präsident Thomas Bach verweist aber darauf, dass zum jetzigen Zeitpunkt drastische Massnahmen noch nicht notwendig seien. Bis zur Eröffnungsfeier bleiben dem Internationalen Olympischen Komitee noch gut 4 Monate.

Das Zeitfenster ist trotzdem begrenzt. Es gibt viele Gründe für eine sofortige Verschiebung, aber auch für ein Festhalten an den Olympia-Plänen.

WAS FÜR EINE SOFORTIGE VERSCHIEBUNG SPRICHT:

  • Gesundheit: Die Pandemie wird bis zur Eröffnungsfeier (24. Juli) kaum weltweit unter Kontrolle sein. Bei den Spielen kommen rund 11'000 Athleten und Tausende Fans, Betreuer und Journalisten aus der ganzen Welt zusammen – viele im olympischen Dorf. Es drohen neue Infektionen und womöglich neue Ansteckungswellen bei der Rückkehr aus Tokio.
  • Training: Viele Athleten, vor allem in Europa und den USA, sind beim Training stark eingeschränkt. Sporthallen und Schwimmbäder sind geschlossen, es gibt in etlichen Ländern Ausgangssperren. Training in den eigenen vier Wänden ist suboptimal. Dabei beginnt für viele Athleten die entscheidende Vorbereitungsphase auf Olympia. Dagegen kehren andere Länder wie China nach Abklingen der Epidemie wieder in den geregelten Alltag zurück.
  • Dopingkontrollen: In vielen Ländern herrscht ein Einreisestopp. Die Welt-Anti-Doping-Agentur kann kaum für regelmässige Kontrollen sorgen. Was ist etwa mit Russland, das in der Vergangenheit in zahlreiche Dopingskandale verstrickt war und seine Grenzen dicht gemacht hat? Oder China, das bei einer Einreise eine 14-tägige Quarantäne vorsieht?
  • Qualifikation: Erst rund die Hälfte der Sportler haben sich qualifiziert. Viele Quali-Turniere wurden abgesagt oder sollen kurz vor Tokio nachgeholt werden. Bach kündigte zwar grosszügige Härtefall-Regelungen an, aber was ist mit Teamsportarten wie Handball? Bei den Männern haben erst 6 von 12 Mannschaften ihre Teilnahme sicher. Im Juni sollen nun im Hauruck-Verfahren die Quali-Turniere nachgeholt werden. Mit Teams aus Europa, bei denen aktuell alles still steht.

WAS GEGEN EINE SOFORTIGE VERSCHIEBUNG SPRICHT:

  • Zeitrahmen: In China ist um die Jahreswende herum das Virus ausgebrochen. Inzwischen zählt das Land – auch dank der sehr strikten Massnahmen – kaum Neuinfektionen, also gut 3 Monate nach Ausbruch der Epidemie. Wäre der Zeitrahmen auch auf andere Länder wie in Europa übertragbar, wäre ein geregelter Sportbetrieb tatsächlich denkbar.
  • Terminprobleme: Olympische Spiele wären nicht so einfach um ein Jahr zu verschieben wie eine Fussball-EM. Grosse Terminkollisionen gab es für die Uefa nicht. Mit Ausnahme der Klub-WM sind es eigene Veranstaltungen, die neu terminiert werden müssen. Dagegen sind viele Welt- und Europameisterschaften, Weltcups und sonstige Turniere auf den olympischen Zeitplan abgestimmt.
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Das Olympische Feuer wird an Japan übergeben
Aus Sport-Clip vom 19.03.2020.
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  • Symbolischer Wert: Olympia setzte schon immer auf die Kraft der Symbole. Olympische Spiele nach Überstehen der Pandemie könnten auch ein Zeichen des Aufbruchs sein.
  • Bedeutung: Für Verbände und Sportler spielen die Olympischen Spiele eine entscheidende Rolle – sportlich, aber auch finanziell. «Eine Absage wäre die am wenigsten faire Lösung. Sie würde den olympischen Traum von 11'000 Athleten aus 206 Nationalen Olympischen Komitees und dem IOC-Flüchtlingsteam zerstören», sagte Bach in einem Interview mit dem SWR.

50'000 Japaner strömen zur Flamme

Ungeachtet der Ausbreitung des Coronavirus haben sich am Samstag über 50'000 Japaner für das Olympische Feuer versammelt. Am Bahnhof Sendai wurde die Flamme in einem goldenen Kessel präsentiert, die Warteschlange war 500 Meter lang. Viele Besucher trugen Mundschutz-Masken und harrten Stunden aus, um es sehen zu können.

Die Zustände in Sendai lösten bei den Organisatoren offenbar Sorgen aus. Da mehr Menschen als erwartet kamen, wird über einen Stopp der Präsentation nachgedacht.

SRF zwei, sportflash, 19.03.2020, 20 Uhr; pro/agenturen

6 Kommentare

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  • Kommentar von Leo Nauber  (leo999)
    Sehr viele Sportler aus vielen Ländern können nicht trainieren. Schon allein das heisst einfach eine Verarschung der seriösen Sportler um die Geldsäcke einiger wenigen zu alimentieren. Sonst gibt‘s halt in vier Jahren wieder. Ja und? Es gibt nach Corona Sport genug und die Menschen werden wesentlicheres zu tun haben als tage-und nächtelang fern zu sehen.
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  • Kommentar von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
    Vergesst doch endlich solche Wucher-Veranstaltungen! - In einem ABC Kriegsprogramm ist vielleicht der Buchstabe B "in Kraft" getreten, da erübrigt sich Unterhaltung, endlich umdenken Mensch!
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Niemand kann voraussagen, wann sich die Pandemie effektiv verringert, verschwindet...Daher macht es keinen Sinn, Grossveranstaltungen wie Olympiade/WM, etc, auf nur ein Jahr hinaus zu verschieben...
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    1. Antwort von Hans Simmer  (han(s) immerrächt)
      Wissen kann man es nicht, aber man kann schätzen/simulieren/vorhersagen auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse.
      Und die meisten dieser Vorhersagen gehen davon aus, dass man das Coronavirus in einem Jahr mehr oder weniger im Griff haben sollte. Eine Verschiebung könnte also durchaus sinnvoll sein.
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