Als Cancellara Lance Armstrong stehen liess

Fabian Cancellara und die Tour de France – das ist eine ganz besondere Geschichte. Bevor der Berner die «Grande Boucle» am Samstag zum letzten Mal unter die Räder nimmt, lassen wir die vergangenen Jahre noch einmal aufleben.

Cancellara wird 2004 erstmals in seiner Karriere ins Maillot jaune eingekleidet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grosse Emotionen Cancellara wird 2004 erstmals in seiner Karriere ins Maillot jaune eingekleidet. Keystone

Ein Gesamtsieg lag für Fabian Cancellara an der Tour de France immer in weiter Ferne. Und trotzdem könnte die Liaison zwischen dem Berner und der «Grande Boucle» kaum erfolgreicher sein. Cancellara blickt auf 29 Tage als Tour-Leader und 7 Etappensiege zurück. Aber der Reihe nach:

2004 – wie alles begann: Im Alter von 23 Jahren wird Cancellara von seinem Team Fassa Bortolo erstmals für die Tour aufgeboten. Er gewinnt den Prolog im belgischen Lüttich vor einem gewissen Lance Armstrong und darf sich zum ersten Mal in seiner Karriere ins Maillot jaune einkleiden lassen.

2005 – diesmal nur in weiss: Das fast 20 Kilometer lange Auftaktzeitfahren ist nicht auf den Berner zugeschnitten. Er muss sich mit Platz 7 begnügen, darf sich aber immerhin mit dem weissen Trikot des besten Jungfahrers trösten, welches er für 3 Tage trägt.

Cancellara siegt in Compiegne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zabel und Co. chancenlos Cancellara siegt in Compiegne. EQ Images

2007 – der grandiose Etappensieg: Cancellara, der mittlerweile beim CSC-Team unter Vertrag steht, gewinnt den Prolog in London und fährt danach 7 Tage in Gelb. Dass er das Leadertrikot gleich eine Woche überstreifen kann, verdankt er seinem einzigen Etappensieg, den er nicht im Kampf gegen die Uhr herausholt: Auf dem 3. Teilstück nach Compiègne setzt sich der Berner nach 236 Kilometern vor sämtlichen Sprintspezialisten durch.

2008 – in Diensten der Schleck-Brüder: Weil das erste Zeitfahren erst am 4. Tag auf dem Programm steht, liegt das Leadertrikot für Cancellara ausser Reichweite. Er stellt sich ganz in den Dienst der beiden Team-Leader Frank und Andy Schleck.

«  Ich hätte mir nie erträumen lassen, dass die Tour je nach Bern kommt. »

Fabian Cancellara

2009 – endlich wieder in Gelb: Mit dem Tour-de-Suisse-Gesamtsieg im Gepäck reist Cancellara zum Auftaktzeitfahren nach Monaco. Weder der spätere Sieger Alberto Contador noch Bradley Wiggins haben gegen den bis in die Haarspitzen motivierten Schweizer eine Chance. Er verteidigt das Leadertrikot bis zur 7. Etappe.

Cancellara flitzt über das Kopfsteinpflaster von Arenberg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf dem Weg zu gelb Cancellara flitzt über das Kopfsteinpflaster von Arenberg. EQ Images

2010 – Spartacus in Topform: Wieder fährt Cancellara 6 Tage in Gelb, diesmal aber mit Unterbruch. Nach dem Sieg im Prolog verliert er das Leadertrikot kurzzeitig an Sylvain Chavanel, holt es sich auf der 3. Etappe auf dem ihm sehr vertrauten Weg über die Kopfsteinpflaster nach Arenberg aber gleich wieder zurück.

2011 – nur in der Helferrolle: Cancellara fährt neu für das Leopard-Trek-Team, genau wie die beiden Schleck-Brüder. Mehr als der zwischenzeitlich 7. Platz liegt für den Berner diesmal nicht drin.

2012 – Comeback nach Verletzung: Nach einem üblen Sturz an der Flandern-Rundfahrt muss Cancellara wegen einem Schlüsselbeinbruch 6 Wochen pausieren. Trotzdem gewinnt er den Prolog in Lüttich. Erst als es am 7. Tag in die Berge geht, muss er das Leadertrikot an Wiggins abtreten.

2014 – es bleibt beim Versuch: Weil das erste und einzige Zeitfahren erst auf der 20. Etappe ansteht, liebäugelt Cancellara mit einem Etappensieg. Mehr als Platz 2 auf der 9. Etappe liegt für ihn aber nicht drin, am Tag später steigt er vorzeitig aus.

Massensturz: Tour-Ende für Cancellara

3:40 min, vom 6.7.2015

2015 – Crash in Gelb: Im Auftaktzeitfahren ist Cancellara 6 Sekunden langsamer als Rohan Dennis. Das gelbe Trikot schnappt er sich einen Tag später dank den Bonussekunden für den Etappen-Dritten. Geniessen kann er das Leadertrikot jedoch nicht lange: Bereits am Tag danach ist er auf dem Weg nach Huy in einen Massensturz verwickelt, bricht sich zwei Wirbel im Rückenbereich und muss aufgeben.

2016 – was kommt noch? Weil die 103. Ausgabe der Tour heuer nicht mit einem Prolog beginnt, sehen Cancellaras Chancen auf das gelbe Trikot nicht allzu rosig aus. Sein grosses Ziel dürfte deshalb die 16. Etappe sein, die in seiner Heimat Bern endet. «Ich hätte mir nie erträumen lassen, dass die Tour je nach Bern kommt. Ich will es geniessen, dieses letzte Jahr. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen», sagt Cancellara vor seiner Dernière.

Sendebezug: Vorberichterstattung Tour de France