Eine Hitzewüste zeigt die kalte Schulter: Der Mont Ventoux

Ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag machen sich die Rad-Cracks der Tour de France auf, den berühmt-berüchtigten Mont Ventoux zu bezwingen. Der Berg, der am Donnerstag aufgrund von starken Winden nicht ganz bezwungen werden kann, hat bereits unzählige Geschichten geschrieben. Eine Auswahl.

Kampf mit dem Mont Ventoux Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kampf mit dem Berg Der TdF-Tross kraxelt 2013 zum Mont Ventoux hoch. Imago

«Der Ventoux ist Gott des Bösen, dem Opfer gebracht werden müssen», schrieb der französische Philosoph und Radsport-Fan Roland Barthes einst über den Mont Ventoux. Beim Aufstieg auf den 1912 Meter hohen «Giganten der Provence» erwartet die Radfahrer eine Mischung aus knallharter Sonne und sturmartigen Winden.

Wegen Wind: Etappe verkürzt

Aufgrund eben dieser Winde musste die Etappe vom Donnerstag allerdings verkürzt werden. Neu bildet das Chalet Reynard den Schluss der Etappe, der Anstieg ist noch 15,4 km lang.

Unzählige sind an diesem Berg bereits in die Knie gezwungen worden, einige wenige konnten dagegen Triumphe feiern: Die 5 grössten Geschichten am legendären Mont Ventoux.

    • 1.
      1967: Tödliche Mixtur bringt Simpson den Tod
      Die tragischste Geschichte am Mont Ventoux gleich zu Beginn: Tom Simpson stirbt rund 1500 Meter unter dem Gipfel, nachdem er mehrmals aus dem Sattel fällt und von schreienden Zuschauern wieder auf sein Rad gehoben wird. Amphetamine in Verbindung mit Alkohol und der unerträglichen Hitze sind dem Briten zum Verhängnis geworden. Denn: Die Fahrer stürmen kurz nach Rennbeginn zahlreiche Bars und Bistros, auch Hochprozentiges fliesst in Strömen. Die Mischung mit der leistungssteigernden Substanz stellt sich in der heissen Steinwüste als tödlich heraus.
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      Simpson stirbt auf dem Mont Ventoux

      0:19 min, vom 12.7.2016
    • 2.
      1970: Überfahrer Merckx wird alles zu viel
      Mit zitternden Beinen und kurz vor der Ohnmacht kommt Eddy Merckx am 10. Juli 1970 als Erster im Ziel auf dem Mont Ventoux an. Der Belgier ist der Superstar seiner Generation, fährt über Jahre alles in Grund und Boden und wird «der Kannibale» gerufen – doch «Le Géant de Provence» zwingt auch ihn beinahe in die Knie. Unter der gleissenden Sonne wird Merckx nach seiner Zieleinfahrt sofort von Journalisten umringt und beinahe erdrückt. «Entschuldigung, ich kann nicht mehr», stammelt er und wird kurz darauf mit einer Sauerstoffmaske ausgestattet mit der Ambulanz ins Hotel zurückgebracht.
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      Merckx schleppt sich kurz vor der Ohnmacht ins Ziel

      0:43 min, vom 12.7.2016
    • 3.
      1994: Die Stunde des Wasserträgers Poli
      Eigentlich ist Eros Poli ein unbeschriebenes Blatt im Peloton: Ein stinknormaler Helfer im Mercatone Uno-Team, der Teamleader Franco Chioccioli die Wasserflaschen liefern soll. Doch nicht an jenem brütend heissen 17. Juli 1994. Poli setzt sich früh vom Feld ab und hat vor dem Anstieg auf den Mont Ventoux unglaubliche 24 Minuten Vorsprung. Unter grössten Anstrengungen schleppt er seine 85 Kilogramm den Berg hinauf, während sein Vorsprung in der französischen Sonne von Minute zu Minute schmilzt. Trotz eines Konters seines Landsmannes Marco Pantani reicht es am Ende: Poli kann sich mit viereinhalb Minuten Vorsprung als erster in die Abfahrt stürzen und wenig später unter Tränen seinen Etappensieg in Carpentras feiern.
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      Helfer Poli bezwingt den Ventoux als Solist

      0:58 min, vom 12.7.2016
    • 4.
      2000: Pantani erhält Etappensieg von Armstrong geschenkt
      Um die Jahrtausendwende sind sie die dominanten Figuren im Radsport: Marco Pantani und Lance Armstrong. Beim Aufstieg am 13. Juli 2000 kann sich der Italiener Pantani früh absetzen, es scheint auf einen Solo-Sieg hinaus zu laufen. Doch urplötzlich zündet Armstrong den Turbo und prescht zu Pantani vor. Gemeinsam sprinten die beiden Kontrahenten auf die Ziellinie zu, der Amerikaner hat die Nase klar vorn. Und dann folgt die grosse Geste: Armstrong lässt Pantani gewinnen. Der Sieger will anschliessend nichts von einem «Geschenk» wissen, derweil Armstrong Jahre später klagt, das Geschenk sei «ein Fehler» gewesen.
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      Armstrong überlässt Pantani den Etappensieg

      0:23 min, vom 12.7.2016
    • 5.
      2013: Bestechender Froome lässt alle stehen
      Unter den Augen von nicht weniger als einer Million Zuschauern am Streckenrand bezwingt Chris Froome am französische Nationalfeiertag 2013 den Aufstieg auf den Ventoux am schnellsten. Dabei zeigt sich der Brite in bestechender Form: Erst schliesst er mit einem Gewaltakt zum führenden Nairo Quintana auf, kurz darauf lässt er den kolumbianischen Bergfloh gar stehen und feiert einen überragenden Solosieg.
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      Froome lässt alle stehen

      0:47 min, vom 12.7.2016

Sendebezug: SRF zwei, Tour de France, 14.07.2016 14:10 Uhr