Küng wie Cancellara? – «Ich kann für nichts garantieren»

Wenn Stefan Küng mit voller Wucht in die Pedalen tritt, erinnert er unweigerlich an Fabian Cancellara. Dabei mag der 21-jährige Thurgauer diesen Vergleich gar nicht. Vielleicht hilft ein Top-10-Platz im 1. WM-Zeitfahren zu mehr Eigenständigkeit in den Augen des Schweizer Radsportfans.

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Ein Jahr voller Turbulenzen für Stefan Küng

11 min, aus sportlounge vom 21.9.2015

Es gab die frühe Phase in der Karriere, da war Fabian Cancellara für Stefan Küng ein begehrenswertes Vorbild. Mittlerweile sind die beiden Konkurrenten, und das 21-jährige Talent muss sich seiner ähnlichen Anlagen wegen schon lange an den Erfolgen des 34-jährigen Berners messen lassen.

«  Es ist wie bei der Klimaerwärmung, da erwartet man auch eine klare Aussage. »

Stefan Küng

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Auch wenn der Vergleich schmeichelhaft klingt, ist er eine Bürde und nicht im Sinne des Thurgauers. Fragen, ob er der Cancellara von morgen sei, quittiert der Emporkömmling darum gleichermassen keck wie selbstbewusst mit: «Mein Name ist Stefan Küng.»

Unberechenbare Faktoren spielen mit

Trotzdem bringt die Öffentlichkeit den 1,94 m grossen Athlet regelmässig mit dem Wunsch nach einem neuen Schweizer Aushängeschild im Radsport in Verbindung. Küng stellte fest: «Die Leute hätten es gerne, wenn ich ihnen Gewissheit geben könnte.» Passend zu dieser gängigen Denkweise fügt er einen weit hergeholten Vergleich an. «Es ist wie bei der Klimaerwärmung, da erwartet man auch eine klare Aussage. Wie, dass sie im nächsten Jahr aufhört.»

Doch ob Küng den Vorschusslorbeeren tatsächlich gerecht wird? «Ich kann für nichts garantieren», pflegt er darauf zu antworten. Denn die Gesundheit liesse sich nicht beeinflussen, auch eine plötzliche Stagnation der Leistung sei nicht ausgeschlossen.

Nach dem Hoch der folgenschwere Sturz

Sein Einstieg bei den Profis gab keinen Anlass zu solchen Befürchtungen. Küng holte im Februar WM-Gold in der Einzelverfolgung, feierte bei der Limburg Classic seinen 1. Sieg und entzückte mit Rang 1 in der 4. Etappe der Tour de Romandie.

«  Ich habe zur alten Stärke gefunden oder bin sogar noch etwas besser geworden. »

Stefan Küng

Trotzdem holte ihn danach ein Rückschlag ein. Im Giro zog er sich bei einem Sturz im Regen einen Brustwirbelbruch zu und wurde zu 8 Wochen Velopause verdonnert.

Stefan Küng steht als Zweiter zusammen mit Sieger Fabian Cancellara auf dem Podest. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seite an Seite Bei der Zeitfahr-SM 2014 musste Stefan Küng (links) noch hinter Fabian Cancellara anstehen. Keystone

Für sein 1. WM-Zeitfahren in Richmond sind die Erwartungen wieder hoch geschraubt. Küng, der zum Auftakt mit seiner BMC-Equipe den Mannschaftstitel in der Prüfung gegen die Uhr eroberte, sagt: «Ich habe zur alten Stärke gefunden oder bin sogar noch etwas besser geworden.» Gleichwohl merkt er an, dass es vermessen wäre, von den Top 10 zu sprechen.

Rang 15 wird der Gradmesser sein, denn diesen erreichte Cancellara, der spätere 4-fache Weltmeister in dieser Disziplin, bei seiner Premiere 2001 in Lissabon.

Was trauen Sie Stefan Küng zu?

  • Er wird nicht nur besser abschneiden als Fabian Cancellara bei seinem WM-Debüt (15.), sondern knackt auch die Top Ten.

    73%
  • Momentan hängen die Trauben noch etwas zu hoch für ihn, weshalb er bei seiner Feuertaufe Lehrgeld bezahlen muss.

    26%
  • 502 Stimmen wurden abgegeben

Sendebezug: SRF zwei, sportlounge, 21.09.2015 22:25 Uhr

Eine erste «goldene Schönheit» ist ihm schon gewiss

Video «Rad. 4. Etappe der Tour de Romandie» abspielen

Stefan Küngs Coup an der Tour de Romandie

3:00 min, aus sportaktuell vom 1.5.2015