Steve Guerdat: «Es geht nur mit Vertrauen und Kommunikation»

Olympiasieger Steve Guerdat hat einen seiner seltenen reitfreien Tage zum Besuch im «sportpanorama» genutzt. Der 31-jährige Jurassier erzählte vom Verhältnis zu seinen 6 Pferden und von seinen Emotionen rund um den Reitsport.

Steve Guerdat hat ein volles Programm. 45 Turniere bestreitet der Gold-Gewinner von London 2012 pro Jahr und ist auch sonst immer um seine Pferde herum. Ein Tag ohne sich in den Sattel zu setzen – das ist für Guerdat die absolute Ausnahme.

Um dieses monströse Programm bewältigen zu können, kann Guerdat mittlerweile zwischen 6 Pferden auswählen, darunter natürlich weiterhin sein Gold-Pferd Nino de Buissonnets. «Das Bauchgefühl entscheidet, welches Pferd ich einsetze», erzählt Guerdat.

Das richtige Gespür für das Pferd

So nahm er kürzlich für den CSIO Calgary bewusst nicht Nino mit, da der Event in Kanada für seinen schweren, ungeliebten Parcours bekannt ist. Und prompt ritt er mit Nasa beim Grand Prix auf den hervorragenden 2. Rang.

Um dieses Bauchgefühl zu entwickeln, verbringt Guerdat sehr viel Zeit mit seinen Pferden – beim Reiten und auch im Stall: «Jedes Pferd ist anders, da gibt es sehr grosse Unterschiede. Es braucht sehr viel Zeit, um sich an ein neues Pferd zu gewöhnen. Und es kann nur gut kommen, wenn das Vertrauen da ist und die Kommunikation stimmt», so der Olympiasieger.

Viele Emotionen

Guerdat muss allerdings nicht nur seine Pferde im Zaum halten, auch mit seinen eigenen Emotionen hat er zwischendurch zu kämpfen. Vater Philippe – selber ein grosser Name im Pferdesport-Business – und Trainer Thomas Fuchs («Er muss schon einen etwas härteren Kopf haben») bekommen den Ärger am Ende eines Parcours gelegentlich zu spüren.

«Ich möchte das gerne ändern und arbeite stets daran. Es ist auch schon viel besser geworden. Aber zwischendurch gibt es ein Tief, und das kommt dann heraus. Aber die Leute wissen, dass es nur so weit kommt, weil ich sie so schätze und sie mir so am Herzen liegen», bekennt Steve Guerdat.

Ein klarer Blick

Trotz allen Emotionen hat Guerdat einen klaren Blick auf seinen Sport: «Es ist speziell im Pferdesport so, dass man nicht alles dominieren und stets gewinnen kann. Bei jedem Pferd fängt man wieder bei Null an und muss zuerst gemeinsam Erfahrungen sammeln. Und so geht man eigentlich meistens als Verlierer vom Platz.»