Jacobsen: Überflieger dank «Wunder-Stiefeln»

Der Norweger Anders Jacobsen hat sich mit seinen beiden Siegen zum Auftakt der Vierschanzentournee zum Topfavoriten gemausert. Mit einem neuartigen Schuhmodell scheint er dabei der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.

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Bildlegende: «Mache einen guten Job» Bei Anders Jacobsen stimmen die Form, die Motivation und das Material. Keystone

Die Schuhe sind wie alle anderen Ausrüstungs-Gegenstände der Skispringer streng reglementiert. Alle Teams arbeiten aber an der Weiterentwicklung der Stiefel, um eine bessere Stabilität in der Luft zu erreichen. «Es handelt sich um eine Verlängerung der vorderen Zunge», erklärte der norwegische Cheftrainer Alexander Stöckl die wichtigste Änderung. «Wir haben versucht, den Schuh etwas steifer zu machen, denn das hilft während des Fluges und ist regelkonform.»

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Bildlegende: «Wunder-Stiefel» Das Schuhwerk von Anders Jacobsen. SRF

Erinnerungen an Ammann

Eine ähnliche Revolution wie der gekrümmte Bindungsstab, der Simon Ammann in Vancouver zu seinen Olympiasiegen trug, sei dies aber nicht, meinte Stöckl. «Es ist ein Hilfsmittel, aber kein Heilmittel.» Zudem komme nicht jeder Springer mit dem neuen Schuhwerk zurecht.

Erlebt Jacobsen ein Déjà-vu?

Bei Jacobsen stimmt derzeit nicht nur das Material, sondern auch das Selbstvertrauen: «Ich mache meinen Job im Moment vielleicht so gut wie noch nie», freute er sich in Garmisch nach seinem Wahnsinnssprung auf 143 m. Der 27-jährige Norweger betonte die verblüffenden Parallelen zu seinem ersten Tourneesieg im Jahr 2007: «Damals war alles neu für mich. Das Gefühl ist jetzt ähnlich - auch dieses Mal ist es wie ein Märchen für mich, so schnell zu siegen und dann einer der Favoriten zu sein.»

«Ich habe nichts zu verlieren»

Denn Jacobsen befindet sich am Beginn seiner zweiten Karriere: Im Mai 2011 hatte er die Nase vom Skispringen gestrichen voll, zog sich vom Leistungssport zurück und widmete sich fortan nur noch seiner Familie. Der ausgebildete Spengler begründete sein Timeout mit «Motivationsproblemen». Auf diese Saison hin gab er nun sein Comeback im Weltcup und etablierte sich sogleich wieder in der Weltspitze.

«Ich habe gar nichts zu verlieren», sagte Jacobsen vor den beiden Springen in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar). «Ich habe eine wunderbare Frau, ein kleines Kind, ein schönes Zuhause. Das bleibt so - ob ich nun die Nummer 1 bin oder nicht.»