Trotz Disharmonie zum Erfolg

Mit Martin Laciga verlässt ein ganz Grosser des Beachvolleyball-Sports das Sand-Rechteck. Seine grössten Erfolge feierte der in Aarberg geborene 1,95-m-Hüne an der Seite seines Bruders Paul. Die Beziehung war aber alles andere als harmonisch.

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Martin Laciga hat genug vom Beachvolleyball («sportaktuell»)

4:03 min, vom 30.1.2013

«Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in unserer Kindheit jemals zusammen eine Sandburg gebaut hätten. Jeder baute seine eigene Burg, und dann hat er die des anderen zerstört. Wir empfanden das als völlig normal», so beschrieb Martin Laciga in einem Interview mit dem Magazin NZZ Folio seine Beziehung zu seinem 4 Jahre älteren Bruder.

Rivalität als Erfolgsrezept

Die Rivalität der beiden war allgegenwärtig und wurde auch auf dem Sandplatz ausgelebt. Doch ihnen gelang es, die Disharmonie positiv zu nutzen. Das ungleiche Bruderpaar pushte sich gegenseitig und trotz aller Differenzen erreichten die beiden zusammen, was vor ihnen keinem europäischen Beachvolley-Team geglückt war: der Sprung an die Spitze der Weltrangliste.

«Die sechs Turniersiege auf der World Tour sowie das EM-Triple von 1998 bis 2000 gehören zu meinen absoluten Karrierehöhepunkten! Als Schweizer an der Spitze der Weltrangliste zu stehen - vor allen Brasilianern und Amerikanern - war sportlich aber ebenso wertvoll, ja fast sensationell», blickt der Pionier zufrieden auf seine erfolgreiche Zeit mit seinem Bruder und seine 18-jährige Karriere zurück.

Kein Glück an Olympia

Auch in der Zeit nach der Trennung von Paul erlebte Martin einige Highlights. Unter anderem den 6. Tour-Sieg 2006 an der Seite von Markus Egger. An die ganz grosse Erfolge vermochte er aber nicht mehr anzuknüpfen.

Auch Olympia brachte Laciga kein Glück: zwei 5. und ein 9. Rang sind die für einen Athleten seines Kalibers eher magere Ausbeute. Zuletzt musste der 38-Jährige zusammen mit Partner Jonas Weingart die verpasste Qualifikation für die Olympischen Spiele in London verdauen.

Dafür Glück in der Liebe

Dennoch hinterlässt Laciga, der mit der brasilianischen Beachvolley-Trainerin Claudia verheiratet und stolzer Vater eines Sohnes ist, nach seinem Rücktritt ganz grosse Fussstapfen. Er verlässt die Bühne nach 206 Turnieren. Nur der Brasilianer Emanuel Rego hat mit 225 mehr bestritten als Laciga. Doch wichtiger als Statistiken ist für Martin nur eines: «Beachvolleyball bescherte mir die Frau meines Lebens!»