F1: Michael Stäuble beantwortet Zuschauerfragen

SRF-Experte Michael Stäuble hat sich anlässlich des Formel-1-Saisonstarts in Melbourne Zeit genommen, Fragen von SRF-Usern zu beantworten.

Die Ferrari-Crew während eines Boxenstopps von Fernando Alonso. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In der Box Die Ferrari-Crew während eines Boxenstopps von Fernando Alonso. Keystone

Nicolas Wälchli via Facebook: Wer ist der Favorit für die Saison 2013?

Michael Stäuble: Es ist noch immer Sebastian Vettel. Fernando Alonso wird auch 2013 wieder ein harter Gegner sein, und warum nicht Kimi Räikkönen? Wenn der Finne und der Lotus so gut mit den Reifen umgehen können, ist Räikkönen ein heisser Tip. Doch in Malaysia wird schon alles anders.

Dominik Batz via Facebook: McLaren hat mit dem Zugstreben-Design des MP4-28 eine grundlegende, aerodynamische Neuausrichtung gewagt. Inwiefern spielt die Verwindung des unteren Querlenkers eine Rolle bei der Anströmung des Lower-Rear-Flaps und des Diffusordachs? Ich dachte mir, dass die Gestaltung der Seitenkästen hier entscheidender sei (Stichwort Coke-bottle-rear). Ferrari quälte sich ja mit demselben Problem über die ersten Rennen der Saison 2012, bis man das Unterbodendesign und die Seitenkästen vor Barcelona einem Update unterzogen hatte.

Stäuble: Das sind natürlich sehr interessante Fragen, die eine ausführlichere Antwort eines Ingenieurs verdienen würden. Aber kurz: Die Zugstreben-Lösung hat Ferrari im vergangenen Jahr und McLaren in diesem Jahr viel Kopfzerbrechen bereitet, wie Sie ja ausführen. Aerodynamisch bringt die Zugstrebe Vorteile, deshalb hat man bei Red Bull auch schon diese Lösung in Betracht gezogen. Mit Zugstreben geht der Schwerpunkt nach unten, was auch Vorteile bringt, dafür werden der Federweg und der Spielraum kleiner.

Bea aus Thun via Kommentarfunktion auf srf.ch: Mich würde mal interessieren, wie viele Liter Wasser so ein Formel-1-Fahrer an einem Renntag trinkt?

Stäuble: Das ist sehr individuell. Eines aber kann ich mit Sicherheit sagen: Die Trinkflasche im Auto fasst nicht mal einen ganzen Liter. Man muss ja Gewicht sparen. Ein Kilo mehr kostet 3 Hundertstel pro Runde.

Jonas Wyss via Twitter: Halten Sie es für möglich, dass eines der «neuen» Teams endlich die ersten Punkte macht?

Michael Stäuble kommentiert für SRF die Formel-1-Rennen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kommentator Michael Stäuble kommentiert für SRF die Formel-1-Rennen. SRF

Stäuble: Ja, in einem absoluten Chaos-Rennen. In Sao Paulo 2012 wurde Witali Petrow Elfter. Das Rennen in Australien hat aber gezeigt, dass der Abstand von Marussia und Caterham eher wieder grösser geworden ist. Die 4 Fahrer kamen zwar alle ins Ziel, aber auf den 4 letzten Plätzen. Der Beste, Jules Bianchi, verlor auf den fünftletzten, Valtteri Bottas, mehr als eine Minute.

Dominik Batz via Facebook: Überholen durch DRS wird von vielen Insidern als «künstlich» bezeichnet. Nun liegen die Schwierigkeiten des Überholens in der Formel 1 bekanntlich in der Effizienz des Flügeldesigns begründet: Dirty-Air vermindert aerodynamischen Abtrieb und erschwert das Hinterherfahren. Die fluiddynamische Effizienz des Unterbodens ist jedoch bedeutend höher als diejenige von Flügeln. Das Verhältnis von Abtrieb zu Vortrieb bei Flügeln ist 3:1, im Vergleich zu 8:1 durch den Ground-Effect. Steuern wir in den nächsten Jahren tatsächlich auf eine flügelfreie Formel 1 zu, so wie es von einigen Insidern gefordert wird? Oder wird die Kunst des Überholvorgangs weiterhin durch primitives Flügelklappen untergraben?

Stäuble: Das ist schon eine eher rhetorische Frage. Auch ich bin kein Fan des DRS, vor allem dann nicht, wenn dadurch überholt werden kann wie auf der Autobahn, aber ich glaube nicht, dass wir zu den «flügelfreien» Autos zurückkehren werden. Dazu sehe ich keine Anzeichen.