Die weiche Gefahr

«Das hätte jetzt nicht sein müssen.» Mit diesem Satz begrüsst uns Martin Berthod im Zielraum von St. Moritz. Der Neuschnee kommt dem Leiter der Rennorganisation, vor allem aber der WM-Piste sehr ungelegen.

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Martin Berthod: «Wird Kopfzerbrechen geben»

1:52 min, vom 1.2.2017

Das Engadin, die eigentliche Sonnenstube der Schweiz. An 322 Tagen blauer Himmel – pro Jahr. Und jetzt das, ausgerechnet in der Woche vor der WM. Grau statt blau – und vor allem weiss. Neuschnee. Viel Neuschnee. Zu viel Neuschnee? «Nein», sagt Rennleiter Martin Berthod, «aber viel Aufwand.»

Viel Aufwand. Schon wieder. Denn mit viel Aufwand wurde in den vergangenen Wochen, ja sogar Monaten, die Basis für die Ski-WM gelegt. Diese Basis besteht aus Schnee, muss mindestens 50 Zentimeter dick und kompakt sein. «Nur dann können am gleichen Hang 11 Rennen durchgeführt werden», erklärt Berthod. Dank des über lange Zeit guten Wetters konnte diese Basis mit Maschinenschnee gelegt oder eben präpariert werden. Jetzt, bei schlechtem Wetter, gilt es diese Basis zu sichern.

Grosse Maschinen für grosse Emotionen

Die grosse Gefahr besteht darin, dass die Piste aufweicht. «Darum muss der Neuschnee möglichst schnell raus, dann kann sich die Basis in kalten Nächten wieder festigen.» So des Rennleiters Plan. Um diesen in die Tat umzusetzen, reichen die zwar scharfen, aber eben kurzen Ski-Kanten der Helfer nicht aus. Darum fahren in den nächsten Tagen und Nächten die grossen Maschinen auf.

Impressionen von der WM-Piste

0:33 min, vom 1.2.2017

Grosse Maschinen, die schliesslich für grosse Emotionen sorgen sollen. Der Rennleiter freut sich schon jetzt «auf hoffentlich viele Zuschauer, die Schweizer Erfolge feiern können.» Auf einem Hang, der oben Überwindung braucht, dann flach wird, in den unteren zwei Dritteln aber vor allem sehr anspruchsvoll ist. «Viele Sprünge zeichnen die Männer-Piste, viele Wellen und Übergänge die Frauen-Piste aus», erläutert Berthod.

Viel Arbeit, wenig Schlaf

Noch aber liegen über 20 Zentimeter Neuschnee auf der Corviglia. Und die Symbole der Wettervorhersage sind noch immer grau-weiss. Noch mehr Neuschnee. Noch mehr Arbeit. «Diese macht auch so Spass», sagt Berthod, «viel Schlaf finde ich momentan aber nicht.»

Tief und vor allem ruhig schläft der Rennleiter wohl erst wieder, wenn die ersten Athleten und Athletinnen über die vom Neuschnee befreite, noch immer pickelharte WM-Piste fahren. Und wenn wieder die Sonne scheint – wie so oft im Engadin.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 31.1.2017, 22:20 Uhr