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Weltcup Männer Caviezels weiche Knie auf der Streif

Seine Premiere auf der berühmten Kitzbüheler Abfahrtsstrecke vergisst kein Abfahrer jemals. Am Donnerstag erlebte der Schweizer Mauro Caviezel sein erstes Mal auf der Streif und ist «froh, unten angekommen zu sein».

Der Spruch ist wohl fast so alt wie die Rennen auf der legendären Streif: Wer zum ersten Mal in Kitzbühel ist, der sollte seine Koffer nicht gross auspacken, damit man sie ihm ohne grossen Aufwand ins Spital bringen kann. Angebracht sind solche Sprüche eigentlich schon lange nicht mehr, spätestens seit den schweren Unfällen von Daniel Albrecht (2009) und Hans Grugger (2011).

Ganz davon weg kommen die Skifahrer aber trotzdem nicht, es ist wohl ihre Art, mit der Angst umzugehen. Und so hat auch Mauro Caviezel in den letzten Tagen den einen oder anderen Spruch über sich ergehen lassen müssen.

Mauro Caviezel gibt nach dem Abfahrtstraining auf der Streif Auskunft.
Legende: Erleichtert im Ziel Mauro Caviezel gibt nach dem Abfahrtstraining auf der Streif Auskunft. SRF

«Es ging los, als ich im Hotel angekommen bin», erzählt der Bündner, der mit bereits 25 Jahren nun seine Premiere auf der Streif erlebte. Da das Training am Mittwoch gestrichen werden musste, hatte sich Caviezels Wartezeit um einen Tag verlängert, was die Sache wohl nicht gerade einfacher gemacht hat. «Geschlafen habe ich aber erstaunlich gut, erst bei der Besichtigung hatte ich in der Mausefalle dann ein wenig weiche Knie», gesteht Caviezel.

Alles gut gegangen

Dem 25-Jährigen gelang es aber, sich auf die Informationen der Trainer zu konzentrieren. Seine Gedanken kreisten fortan nicht mehr um das Ungewisse, das da auf ihn wartete, sondern um das Vertraute wie Linienwahl und Körperposition.

Als es dann soweit war, als die Premiere auf der schwersten und gefährlichsten Abfahrt der Welt anstand, lief dann alles ziemlich normal ab und wenig später stand Caviezel mit einem Lachen auf dem Gesicht im Zielraum.

«Es war eine sehr spannende Erfahrung, aber natürlich bin ich froh, unten zu sein», sagte er in die Mikrofone der Journalisten. «Gewisse Abschnitte waren schon ganz gut und ich habe alle Tore erwischt. Unten bin ich dann etwas aufrechter und nicht mehr am Limit gefahren.»

Rang 43 stand am Ende zu Buche, etwas mehr als fünf Sekunden war er länger unterwegs als der überragende Trainingsschnellste Bode Miller. Doch dies interessierte nur am Rande.

Nun ein «echter Abfahrer»

Mauro Caviezel ist nun ein «echter Abfahrer», er hat die Streif auf den langen Abfahrtslatten bezwungen. «Jetzt kann ich etwas durchatmen.» Aber nicht für lange, denn nach einem Ruhetag morgen gilt es, die Anspannung wieder aufzubauen, um am Samstag beim Rennen möglichst in die Punkte zu fahren.

Das wäre ein grosser Erfolg für den Bündner, der fast zwei Saisons wegen Verletzungen verpasst hat. «Ich freue mich auf das Rennen», sagt er, bevor er das Zielgelände in Richtung Hotel verlässt. Nun kann er seine Koffer mit gutem Gewissen auspacken, die Sprüche der Kollegen dürften verstummt sein.