Kostelic ist am «Chuenisbärgli» auf Abschiedstour

Ivica Kostelic hat im Berner Oberland Triumphe im Multipack gefeiert. Falls der Adelboden-Slalom am Sonntag durchgeführt werden kann, tritt der Kroate wohl zum letzten Mal an einem seiner Lieblingshänge an. Denn der «Vogellisi»-Kenner sagt bald Adieu.

Kostelic posiert vor dem Bergpanorama in Adelboden für ein Foto. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kostelic und die geliebten Berge «Ich habe eine ganz besondere Beziehung zu ihnen.» SRF

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Ivica Kostelic

Verwehrt geblieben ist ihm eigentlich nur der Olympiasieg – es hat «nur» zu viermal Silber gereicht. Danaben hat der 36-Jährige alles gewonnen: einen Weltmeistertitel, den Gesamtweltcup und 26 Weltcuprennen. Der Kroate hat vor allem im Berner Oberland abgeräumt: 7 Erfolge und total 17 Podestplätze fuhr er in Adelboden und Wengen heraus.

Die Zeichen stehen auf Rücktritt. Sein Körper, respektive die Knie, machen nicht mehr mit. «Ich fahre schon seit Jahren nicht mehr schmerzfrei. Ich muss auf meinen Körper hören», sagt ein nachdenklicher Kostelic in der Lobby des Team-Hotels der Kroaten.

Kostelic tut sich schwer mit dem Gedanken, Adieu zu sagen. «Es ist nicht nur das Skifahren, das mir fehlen wird», erklärt der 36-jährige «Oldie». Er habe im Weltcupzirkus viele Freunde gefunden, spezielle Beziehungen zu den Austragungsorten aufgebaut. «Deshalb wollte ich unbedingt an alle Orte noch einmal gehen.»

Er mag das Ursprüngliche

Nach Adelboden und in der Folgewoche nach Wengen kommt er besonders gerne zurück. Neben Kitzbühel ist das Berner Oberland das mit Abstand erfolgreichste Terrain für ihn (siehe Box). Eine Erklärung für seine Triumphe zu finden, fällt ihm nicht leicht. Er sagt: «Ich mag das Ursprüngliche. Die Pisten wurden hier im Vergleich zu früher kaum verändert.» Es gäbe noch immer viele Kuppen und Terrainwechsel. «Das mag ich.»

«  Bin nicht mehr in einem optimalen Zustand. »

Ivica Kostelic

Bis Ende der Saison 2012/13 war Kostelic Dauergast auf den Weltcup-Podesten. Alleine im Slalom stand er 40 (!) Mal auf dem Podium. Doch dann kam die Baisse – bedingt durch Knieprobleme und viele Operationen. «Ich weiss, dass ich nicht mehr in einem optimalen Zustand bin», sagt er.

In den letzten knapp 3 Jahren erreichte Kostelic nur noch 4 Mal die Top 10. «Das Knie ist so stark beschädigt, dass ich schlicht nicht immer 100 Prozent geben kann», erklärt der ältere Bruder von Janica Kostelic. Frustriert ihn das? «Klar, habe ich mehr erwartet.» Hat er noch Spass am Skifahren? «Ja. Ich fahre zwar nicht mehr so viele gute Kurven wie früher. Aber wenn mir eine gelingt, fühlt es sich unheimlich gut an.»

«  Ich weiss, dass das nicht mehr geht. »

Ivica Kostelic
auf die Frage, ob er noch Slaloms gewinnen kann.

Der Schweizer Marc Gini schlägt sich auch seit Jahren mit Verletzungen und ausbleibenden Resultaten herum. Aber er sagt von sich: «Ich glaube fest daran, dass ich noch Rennen gewinnen kann.» Bei Kostelic tönt es anders: «Nein. Ich weiss, dass das bei mir nicht mehr geht.» Gini sei aber auch in einer anderen körperlichen Situation, relativiert er. Und: «Ich sehe diesen unbändigen Willen in Marc. Eine solche Leidenschaft freut mich.»

Janka und Kostelic singen das «Vogellisi»

1:22 min, vom 16.1.2015

Auf eine Kostprobe von Kostelics «Vogellisi»-Gesangskünsten («Ich kenne den Text besser als jenen der 2. Strophe der kroatischen Hymne») müssen die Fans heuer in Adelboden wohl verzichten. Aber vielleicht kommt der beliebte Kroate 2017 doch nochmals als Fahrer zurück? «Man weiss es nie. Aber es bräuchte ein Wunder.»

Sendebezug: Laufende Berichterstattung Berner Oberländer Skiwochen