Ryding: Von der Trockenpiste an die Weltspitze

Mit Dave Ryding hat Grossbritannien erstmals seit langem wieder einen Spitzenfahrer im Slalom. Im Interview spricht der Engländer über Trocken-Skianlagen, Adelboden und sein Leben als einsamer Hoffnungsträger.

Dave Ryding schreit seine Freude heraus Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wie ein guter Wein Dave Ryding wird mit dem Alter immer besser. Keystone

Dave Ryding, kennen Sie das «Vogellisi»-Lied?

Nein, wieso?

Der Gewinner am Chuenisbärgli muss das jeweils an der Siegerehrung singen.

Da ich hier noch nie gewonnen habe, kenne ich das leider nicht (lacht).

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Zur Person

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Dave Ryding ist der erste britische Slalom-Spitzenfahrer seit dem Schotten Alain Baxter, der 2009 seine Karriere beendet hat. Der 30-Jährige fuhr in diesem Winter erstmals in die Top 10 (6. in Levi, 7. in Zagreb). Er wuchs in der englischen Kleinstadt Chorley (Lancashire) auf und ist leidenschaftlicher Anhänger von Liverpool.

Nach 2 Top-10-Plätzen in diesem Winter dürfen Sie aber nun aber schon Mal Richtung Podest schielen?

Das sind natürlich meine Ambition. Doch im Normalfall ist im Slalom hinter Marcel Hirscher und Henrik Kristoffersen nur noch ein Platz frei. Und in Adelboden bin ich noch nie über Platz 24 hinausgekommen.

Ihren ersten Top-10-Platz haben Sie mit knapp 30 Jahren herausgefahren. Warum ist der Knopf erst jetzt aufgegangen?

Als ich ins Weltcup-Abenteuer gestartet bin, war ich einfach nur schlecht. Die Leute in der Schweiz oder in Österreich lachten mich aus. Als Skifahrer aus Grossbritannien wusste ich nicht, welches Level es braucht, um im Weltcup bestehen zu können. So gesehen waren die ersten Jahre ein Herantasten. Deshalb hat es bei mir ein bisschen länger gedauert (lacht).

«  Wenn es mir nicht läuft, ist es auch ein schlechter Tag für Grossbritannien. »

Sie sind momentan der einzige britische Fahrer an der Weltspitze. Wie fühlt man sich in einem Ein-Mann-Team?

Da ich noch einen Trainer und einen Servicemann habe, bin ich meist nicht ganz alleine. Aber es wäre schon cooler, wenn noch ein paar Fahrer mit dabei wären.

Und wie fühlt es sich an, wenn man die einzige Hoffnung einer ganzen Nation ist?

Manchmal spüre ich den Druck schon. Wenn es mir nicht läuft, ist es auch ein schlechter Tag für Grossbritannien. Aber man gewöhnt sich daran.

Wie kommt ein Engländer überhaupt dazu, Ski zu fahren? In ihrem Geburtsort Chorley gibt es schliesslich um Umkreis von mehreren 100 Kilometern kein einziges Skigebiet...

Mein Vater ist ein grosser Ski-Fan. Wir sind immer zwei Wochen in die Skiferien gefahren. Und dort hat er jeweils keine Rücksicht auf mich genommen. So musste ich schnell lernen, Ski zu fahren. Sonst hätte ich nichts von den Ferien gehabt.

Wie ging es weiter?

Meine ersten Rennen habe ich in England auf Trockenpisten bestritten.

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Ryding und die (mangelnden) Adelboden-Kenntnisse

0:51 min, vom 7.1.2017

Wie muss man sich das vorstellen, Skifahren ohne Schnee?

In diesen Anlagen gibt es Plastik-Unterlagen. Gefahren wird mit ganz normalen Skis, auch das Fahrgefühl ist vergleichbar mit jenem auf Schnee.

Wann haben Sie auf richtigen Schnee gewechselt?

Das war dann im Alter von 12, 13 Jahren.

«  Ich werde an der WM nicht einfach kopflos rausstürmen. »

Nun gehören Sie zu den besten Slalomfahrern der Welt und waren letzte Saison gar am Saisonfinale in St. Moritz. Wohin soll der Weg noch führen?

Mit der Qualifikation für den Weltcup-Final ging ein Traum in Erfüllung. Danach musste ich mich erst wieder neu orientieren. In Levi ging ich ohne ein Ziel vor Augen an den Start. Doch wie gesagt, jetzt wäre ein Podestplatz schön.

Warum nicht an der WM, die ebenfalls in St. Moritz stattfindet?

Ja, warum nicht? Ein Rennnen, bei dem man auf alles oder nichts gehen kann. Ich denke aber nicht, dass ich einfach kopflos rausstürmen werde, sondern das Rennen mit der gleichen Spannung und Energie angehen werde wie im Weltcup. Ich versuche das zu tun, was ich kann, aber natürlich mit Vollgas.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 06.01.2017, 22:20 Uhr.