«Angelique, ich möchte dich heiraten»

Während Angelique Kerber ihren Australian-Open-Triumph kaum fassen konnte, prasselten von allen Seiten Glückwünsche auf die Deutsche ein. Auch ein Heiratsantrag war dabei.

Angelique Kerbers erste Gratulantin nach dem verwerteten Matchball war Serena Williams. Die unterlegene Amerikanerin lief auf die andere Seite des Platzes, nahm die Siegerin in den Arm und freute sich sichtlich mit.

«Ich habe mich wirklich für sie gefreut. Sie ist schon so lange dabei und wir haben schon oft gegeneinander gespielt. Sie hat eine Einstellung, von der viele Leute etwas lernen können: Immer positiv zu bleiben und nie aufzugeben», lobte Williams ihre Kontrahentin.

«  Grand-Slam-Siegerin – das hört sich unglaublich und total verrückt an. »

Angelique Kerber

Faire Williams gratuliert Kerber

0:33 min, vom 30.1.2016

Ein Exploit mit Ansage

Kerber selbst konnte ihr Glück kaum fassen. Mit einem tiefen Seufzer wandte sie sich bei der Siegerehrung ans Publikum. «Heute Abend ist mein Traum wahr geworden», sagte sie mit tränenerstickter Stimme, «ich habe mein Leben lang hart gearbeitet. Nun bin ich hier und kann sagen, dass ich eine Grand-Slam-Siegerin bin. Das hört sich unglaublich und total verrückt an.»

Verrückt vor allem auch deshalb, weil Kerber beinahe in der 1. Runde ausgeschieden wäre. Gegen die Japanerin Misaki Doi hatte sie einen Matchball abwehren müssen.

Der Coup in Melbourne hat für Kerber auch Auswirkungen auf die Weltrangliste. Die Kielerin wird ab Montag auf Platz 2 geführt – so gut war sie noch nie klassiert gewesen.

Kerber bei der Pressekonferenz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Gläschen als Belohnung Kerber bei der Pressekonferenz. Keystone

Die Krux mit den Nerven

Der Australian-Open-Triumph Kerbers kam zwar nicht aus dem Nichts, aber dennoch einigermassen überraschend. Denn Kerber, im letzten Jahr immerhin vierfache Turniersiegerin, hatte bei grossen Events immer wieder mit ihren Nerven zu kämpfen. 2015 war sie bei keinem Grand-Slam-Turnier über die 3. Runde hinausgekommen.

Ihr grosses Ziel vor dieser Saison war es deshalb gewesen, es bei den Majors besser zu machen. Dass dies gleich im Australian-Open-Triumph gipfeln würde, hätte sie aber dennoch nicht zu träumen gewagt.

Die Stimmen zum Spiel:

  • «Es war faszinierend, wie unerschrocken und nervenstark Sie sich im Finale gegen die wohl beste Spielerin der Welt durchgesetzt haben» Angela Merkel, Bundeskanzlerin
  • «Angelique. Du bist der Wahnsinn. Ich möchte dich heiraten. Gratuliere!» Andrea Petkovic, Fed-Cup-Kollegin.
  • «Ich bin so stolz. Sie hat es so verdient und ist in der absoluten Weltspitze angekommen.»
    Barbara Rittner, Fed-Cup-Captain.
  • «Wahnsinns-Match, super gespielt und gefightet. Ich freue mich riesig für Angie, sie hat es sich definitiv verdient.» – Anke Huber, 1996 letzte deutsche Australian-Open-Finalistin.
  • «Ich habe vor dem Match gesagt, Kerber muss das Spiel ihres Lebens spielen, wenn sie gegen Serena gewinnen will. Sie hat es getan. Wow – Glückwunsch.» – Martina Navratilova, 18-fache Grand-Slam-Siegerin.

Angelique Kerber in fünf Sätzen

«Ich fahre gerne schnell, das liegt in der Familie. Aber ich habe keine Punkte in Flensburg.»
«Muscheln und Austern. Das ist wabbelig, das würde ich nie runterkriegen. Ich mag auch keine Meeresfrüchte oder Sushi.»
«Ich spiele nur mit links Tennis, mache sonst alles mit rechts. Als Kind standen die Trainer ja gegenüber von mir. Da habe ich es so gemacht wie sie. Bei mir war es dann eben links, was bei ihnen rechts war.»
«Ich lasse mir beim Zahnarzt immer eine Betäubungsspritze geben. Schon wenn ich einen Bohrer höre, kralle ich mich am Stuhl fest.»
«Die Malerei mochte ich schon immer. Egal, ob mit Wasserfarben oder Buntstiften. Vielleicht belege ich später mal einen Malkurs.»

Sendebezug: SRF zwei/info, sportlive, 30.01.2016 09:30 Uhr