Die Entstehung eines Geniestreichs

Seit seinen brillanten Auftritten in Cincinnati und New York gibt Roger Federers neuer Schlag, der als Halbvolley geschlagene Return, zu reden. Nach dem Sieg gegen Philipp Kohlschreiber sprach der Baselbieter über die Entstehung des «Sabr».

Beim «Sabr» setzt Roger Federer beim Return zu einem Halbvolley an. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Weit im Feld drin Beim «Sabr» setzt Roger Federer beim Return zu einem Halbvolley an. Reuters

«Sneak attack by Roger», kurz «Sabr», haben Roger Federer und sein Coach Severin Lüthi den vom 34-jährigen Baselbieter in Cincinnati erstmals gezeigten Schlag getauft. Dieser sorgt in der Tenniswelt für Verzückung und ist in Flushing Meadows derzeit in aller Munde. «Ihr könnt ihn auch 'Fed-Attack' nennen – oder wie immer ihr wollt», sagte Federer, der in jeder Pressekonferenz auf seine Erfindung angesprochen wird.

«  Benoît Paire lachte, ich lachte, Seve lachte. »

Roger Federer
zur Entstehung des «Sabr»

Federers neuer Offensiv-Return

1:09 min, vom 24.8.2015

Es sei in Cincinnati während eines Trainings mit Benoît Paire auf dem Centre Court passiert, führte Federer aus. «Ich wollte das Training bereits abbrechen, als Seve sagte, wir sollen noch ein paar Games spielen, um uns an die Bedingungen zu gewöhnen. Ich spielte Chip and Charge, da ich die Ballwechsel kurz halten wollte. Und da begann ich, in den Court reinzurennen. Zweimal gelang mir ein Winner, Benoît lachte, ich lachte, Seve lachte», erinnert sich Federer.

Auch im nächsten Training habe er den Schlag wieder versucht, um zu sehen, ob er noch immer funktioniere. «Seve hat mich dann 'gepusht' und überzeugt, den Schlag auch in den Spielen anzuwenden.»

«  Der Gegner ist verunsichert und weiss nicht, was kommt. »

Severin Lüthi

Federers Darstellung über den Ursprung des «Sabr» widerspricht Lüthi. «Er hat ihn bereits in den Trainings im Sommer in Zürich ein paar Mal ausprobiert.» Für den Berner ist der Schlag eine weitere Option für Federer. «Der Gegner ist verunsichert und weiss nicht, was kommt.»

Es gehe gar nicht zwingend darum, den Punkt zu gewinnen, sondern um das Gesamtbild. «Er kann damit den Rhythmus seines Widersachers brechen und vielleicht im entscheidenden Moment einen Punkt gewinnen, auch wenn der Schlag zuvor vielleicht dreimal nicht funktioniert hat.»

Auch an den US Open «sabrt» Federer

In den Partien gegen Leonardo Mayer, Steve Darcis und Kohlschreiber wandte Federer den Schlag jeweils rund ein halbes Dutzend Mal und durchaus mit Erfolg an. Im Achtelfinal vom Montag gegen John Isner werden die Fans aber wohl nur selten in den Genuss von Federers Kreation kommen. «Isner ist sicher nicht der richtige Gegner, um diesen Schlag allzu oft anzuwenden», so Federer.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 05.09.2015, 19:00 Uhr