Berufsporträt Regionalredaktor/in im Radio

Was in ihrer Umgebung passiert, interessiert die Menschen am meisten. Die Regionalredaktoren und Regionalredaktorinnen sind nahe dran, berichten aktuell aus Kantonen und Gemeinden, zeigen Zusammenhänge und Hintergründe auf und schaffen Übersicht in der Nachrichtenflut.

Nachgefragt bei Rolf Hieringer, Stabschef Regionalredaktionen

Wie sieht ein typischer Tagesablauf von Regionalredaktorinnen und Regionalredaktoren aus?

In der Redaktionssitzung werden die Sendungen und Online-Auftritte des Vortages kritisch besprochen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In der Redaktionssitzung werden die Sendungen und Online-Auftritte des Vortages kritisch besprochen. SRF

«Nach den Frühsendungen, die jeweils eine Redaktorin oder ein Redaktor allein redigiert und moderiert (Dienstantritt ca. 4.30 Uhr), treffen sich die Teams in den sieben SRF-Regionalredaktionen am frühen Vormittag zu einer Redaktionssitzung. Dort werden die Sendungen und Online-Auftritte des Vortages kritisch besprochen sowie die Themen des Tages gesichtet und gewichtet. Für die Zeit nach der Redaktionssitzung gibt es keinen typischen Tagesablauf mehr: Der eine rückt aus für eine Reportage über den Konflikt zwischen Solarzellen und Denkmalschutz, die andere fährt ins Rathaus im Nachbarkanton, um über die Session des dortigen Parlaments zu berichten, der dritte Kollege trifft eine aufstrebende Jungliteratin zum Interview, die vierte Kollegin gestaltet mit Text, Bild, Audio und Video attraktive regionale News für srf.ch und twittert Schlagzeilen, der fünfte bereitet sich auf die Moderation der Sendungen vor und liest sich ein für Live-Interviews, die sechste macht einen Beitrag über einen gestürzten Stadtrat für Radio SRF 4 News, der siebte beginnt mit der Planung der nächsten Woche und so weiter. Regionalredaktorinnen und Regionalredaktoren sind Allrounder: Sie arbeiten im Turnus als Produzentinnen, Moderatoren, Reporterinnen, Onliner, Korrespondentinnen. Diese permanenten Rollenwechsel sind anspruchsvoll, garantieren dafür eine grosse Flexibilität innerhalb der Teams: Alle können alles, auch wenn nicht alle alles gleich leidenschaftlich, gleich häufig und gleich gut machen. Die Aktualität bedingt immer wieder kurzfristige Änderungen und kurzfristige Einsätze.»

Wie gross ist der Einfluss einer Regionalredaktorin, eines Regionalredaktors auf den Inhalt einer «Regionaljournal»-Sendung?

«Der ist relativ gross, denn die fünf täglichen Ausgaben eines «Regionaljournal» sind Teamwork. Die Produzentin oder der Produzent spurt vor, plant Akzente, macht Vorschläge für Reportagen; doch das «Gesamtkunstwerk» entsteht in der Diskussion mit allen, formell in den Sitzungen, informell in bilateralen Gesprächen. Aufgrund der beschränkten Grösse der Regionalredaktionen ist ein fixes Ressort-System nicht möglich. Aber alle Teammitglieder pflegen neben ihren Allrounder-Qualitäten ihre Spezialgebiete (kantonale Politik, Wirtschaft, Kultur), in denen wo sie sich à jour halten, ein Kontaktnetz aufbauen und pflegen sowie für attraktiven Input ins Programm sorgen und die längerfristige Planung garantieren (beispielsweise bei Wahlen und anderen Grossereignissen). Einfluss nehmen die Regionalredaktionen auch auf die Präsenz ihrer jeweiligen Region in den nationalen Sendegefässen: Produzentinnen und Korrespondenten machen wöchentlich ausführliche Angebote etwa für ‹Regional Diagonal›, ‹HeuteMorgen›, ‹Rendez-vous›, ‹Echo der Zeit›, das Tagesprogramm von SRF 1 – und kämpfen notfalls für ihren Input, wenn sie den Eindruck haben, dass die Redaktionen in Zürich und Bern einem Vorschlag nicht die nötige Beachtung schenken. Die Berichterstattung aus den Regionen hat in den vergangenen Jahren sowohl on air wie online einen zentralen Stellenwert im Rahmen der SRF-Angebote erhalten.»

Regionalredaktorinnen und -redaktoren berichten aktuell aus Kantonen und Gemeinden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Regionalredaktorinnen und -redaktoren berichten aktuell aus Kantonen und Gemeinden. SRF

Wie hat sich das Berufsbild der Regionalredaktoren und -redaktorinnen in den vergangenen Jahren verändert?

«In zweierlei Hinsicht: Zum einen ist der Alltag in den Regionalredaktionen durch Aufträge für neue Sendeformate dichter geworden; es bleibt bei Medienkonferenzen oder im Rahmen von Reportagen nicht mehr so viel Zeit für Hintergrundgespräche am Rand wie früher, und es gibt auch weniger Kapazitäten für aufwändigere Aussenproduktionen. – Zum anderen wurden alle rund 80 Regionalredaktorinnen und Regionalredaktoren an den sieben Standorten zu bimedial ausgebildet; mit ihrer Arbeit on air und online erfüllen sie im den Auftrag, den sie im Zuge der SRF-Konvergenz erhielten, und sind durch die permanente Weiterbildung in beiden Bereichen sind sie nun bestens gerüstet für Veränderungen des Programms, des Medienumfelds, des Berufsbilds.»

Welches sind die Sonnen- und Schattenseiten der Tätigkeit?

«Die Regionalredaktorin und der Regionalredaktor sind am Puls ihrer Region, mittendrin also in den Themen, die die Leute bewegen und interessieren. Die Wahrnehmung des Publikums (respektive «die Nähe zum Gegenstand der Berichterstattung») ist hier unmittelbarer als bei anderen Sendeformaten. Das motiviert enorm. Es birgt auf der anderen Seite auch Risiken: Denn trotz der Nähe zum Sujet und zu den Akteurinnen und Akteuren erfordern die publizistischen Leitlinien von SRF eine kritische Haltung, einen kritischen Zugriff. Dieses Wechselspiel von Nähe und Distanz wird im Alltag oft zur Gratwanderung und im Rahmen der Qualitätssicherung deshalb regelmässig reflektiert. Als Schattenseite würden einige Regionalredaktorinnen und Regionalredaktoren wohl vor allem die unregelmässigen Arbeitszeiten mit Früh- und Wochenenddiensten erwähnen; andere sehen genau hier einen Gewinn an Lebensqualität: Skifahren, wenn die Pisten leer sind, und Ferien, wenn die grosse Masse arbeitet.»

Nebst der Redaktion und Produktion gehört auch die Moderation des «Regionaljournal» zu den Aufgaben. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nebst der Redaktion und Produktion gehört auch die Moderation des «Regionaljournal» zu den Aufgaben. SRF

Welche Anforderungen müssen Interessentinnen und Interessenten mitbringen, die sich für eine Stelle in einer Regionalredaktion bewerben?

«Sie müssen ihre Region kennen und lieben sowie gut vernetzt sein. Sie müssen eine breite Allgemeinbildung haben und vielseitig interessiert sein. Sie müssen einen guten Riecher haben für die richtigen Themen und die kreativen Ansätze. Sie müssen über eine gute Schreibe (Online) und eine gute Stimme (Radio) verfügen, in der Regel einen Dialekt aus der Region. Sie müssen gerne im Team arbeiten, also kommunikativ und flexibel sein, dazu auch in heiklen und hektischen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. Sie müssen sich mit technischen Tools auskennen oder sich rasch einarbeiten können. Und vor allem: Sie müssen gerne Verantwortung übernehmen für ein Produkt, das prominent im Schaufenster steht.»

Welche beruflichen Perspektiven hat die Regionalredaktorin, der Regionalredaktor?

«Wer in einer Regionalredaktion arbeitet oder gearbeitet hat, ist mit allen Wassern gewaschen. Durch ihr breites bimediales Aufgabenfeld, ihre handwerkliche Palette, ihren Teamgeist und ihre innovative Grundhaltung sind die Regionalredaktionen ein idealer und motivierender Einstiegsort und Ausgangspunkt. Das Spektrum der beruflichen Perspektiven ist entsprechend gross: Produzentin oder Moderator nationaler News-Formate bei Radio und TV, Inlandredaktorin, Kulturredaktor, Online-Newsredaktorin, TV-Korrespondent, Reporterin bei Radio SRF 1, Produzent bei Radio SRF 3 und vieles mehr.»

Überblick

Aufgabengebiet

  • Bewirtschaftung regionaler Themen, Recherche, Input
  • Verfassen von Beiträgen fürs «Regionaljournal» und für nationale Formate
  • Redaktion/Produktion und Moderation des «Regionaljournal»
  • Dienst am Online-Newsdesk
  • Planung, Organisation und Realisierung von Spezialformaten

Voraussetzungen für Anstellung

Sehr wichtig

  • gute Allgemeinbildung, breites Interesse, Neugier
  • überdurchschnittliche Kenntnisse der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge und Entwicklungen in der Region
  • Erfahrung im tagesaktuellen Journalismus
  • Eignung und Bereitschaft, publizistische Verantwortung zu übernehmen
  • sympathische, radiofone Stimme (Dialekt aus der Region)
  • fehlerfreie Schreibe
  • Flexibilität, Belastbarkeit, Stressresistenz
  • Teamfähigkeit

Wichtig

  • Fachkenntnisse in einem oder mehreren Spezialgebieten
  • schnelle Auffassungsgabe
  • Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf den Punkt zu bringen
  • Flair für Geschichten und Dramaturgie
  • keine Berührungsängste im Umgang mit technischen Tools

Wünschenswert

  • bestehendes Kontaktnetz
  • Fremdsprachenkenntnisse
  • berufliche Perspektiven (Regionalredaktion nicht als Endstation, resp. Höhepunkt der Karriere)

Ausbildung bei SRF

  • zweijährige Stage (für Mitarbeitende mit wenig journalistischer Erfahrung)
  • publizistische Leitlinien
  • Nachricht und Eigenbericht
  • gestalteter Beitrag
  • Interview
  • Sprechtraining/Moderation
  • Moderationsgespräch
  • Bericht aus dem Parlament
  • Reportage/Feature
  • Hören und Sprechen
  • Storytelling
  • Beitragsanalyse
  • Multimedia in den Regionalredaktionen
  • Social Media Grundlagen