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Mensch Der Indianer vom Aathal

Schon als Kind spielt der Bündner Romi Andri lieber Indianer als Cowboy. In den 70er-Jahren wird ihm als junger Mann in den Ferien in Los Angeles der Zutritt zu Restaurants verboten. Grund: «Indians not allowed». Ein Wendepunkt – der Schweizer beschliesst, von nun an als Indianer zu leben.

Legende: Video Bündner Indianer abspielen. Laufzeit 5:31 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 01.05.2013.

Romi Andri sitzt in seiner kleinen Wohnung im Aathal. Erdgeschoss, direkt neben dem Dinosauriermuseum. Vor seinem Fenster fliesst das Flüsschen Aa, ab und zu rauscht die S-Bahn vorbei. Andri knüpft die Federn eines Bussards, den er im nahen Wald gefunden hat, zu einem Fächer. Das hat er bei den Navaho-Indianern gelernt.

Zwanzig Jahre lebte er mit ihnen in der Nähe von Los Angeles. Er lernte Instrumente und Schmuck herzustellen, zu tanzen und zu musizieren. Niemand glaubte ihm, dass er ein waschechter Schweizer, ein Bündner ist und kein indianisches Blut durch seine Adern fliesst. Nicht die Restaurants, die ihn abwiesen, nicht die Indianer die ihn bei sich aufnahmen. Romi Andri sieht aus wie einer von ihnen.

Zwischen den Kulturen

Romi Andri mit Feder im Haar.
Legende: Der Bündner Indianer: Romi Andri hat in der Kultur der Indianer sein wahres Ich gefunden. SRF

Das fasziniert auch die Schulkinder in verschiedenen Zürcher Schulen, vor denen er regelmässig auftritt. Er singt und tanzt mit ihnen und führt sie in die indianische Kultur ein. Vor 12 Jahren ist Andri in die Schweiz zurückgekommen. Eine Tournee mit indianischen Musikern hatte ihn in die Heimat geführt. Er verliebte sich und bekam mit seiner Partnerin einen Sohn, um den er sich nun kümmert. Nakai ist stolz auf seinen Vater, der doch so anders ist als die Väter seiner Schulkameraden.

Die Indianer nennen Romi Andri «Matto» – der Bär. Der Wald ist für den 63-Jährigen wichtig: Im Reservat bildete ihn ein Medizinmann zum Schamanen aus, seitdem begeht Andri im Wald regelmässig seine Rituale. Hier denkt er oft an seine indianischen Freunde; er vermisst sie. Vielleicht kehrt er irgendwann zurück ins Reservat, doch das steht, wie er sagt, noch in den Sternen.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Theresia Mueller, Winterthur
    Lieber Romi Auch ich weiss meine Wurzeln bei den Indianern, und sehne mich nach einem Leben in der tiefen Verbundenheit mit der Natur, den Ritualen, Zeremonien und alten Traditionen. Fuer mich ist ihre Philosophie das Wahre, Echte, weil von der Natur, und ich bin davon ueberzeugt, dass diese auch unsere Erde retten wird. Da ich waehrend zwei Jahren selber bei den Indianern leben durfte, verstehe ich dein Heimweh sehr gut. Ich danke dir für die Aufklaerungs-Arbeit die du hier leistest. Theresia
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  • Kommentar von Wolf Beatrix, Wohlen AG
    Ich verstehe das gut und ich bewundere dich weil du das umsetzen konntest. ich habe das leider noch nicht geschafft aber in meinem herzen bin ich ein indianer. viel glück
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