Kleine Forschung kommt gross heraus

«Big Science» ist derzeit beliebt: Forschungsgelder werden auf wenige herausragende Fachleute verteilt. Doch eine neue Studie zeigt: Die Summen sind in «Small Science» meist besser investiert.

Wissenschaftler arbeiten mit Hightech-Geräten beim «Human Brain Project» in Lausanne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf der Spur der Neuronen: Das «Human Brain Project» will mit EU-Millionen das Gehirn entschlüsseln – doch viele Wisssenschaftler sind skeptisch. Keystone

Das Giesskannen-Prinzip, bei dem vorhandenes Geld an viele verschiedene Empfänger fliesst, hat einen schlechten Ruf. Das gilt auch in der Forschungsförderung – allerdings zum Teil zu Unrecht. Das zeigt eine Studie im Fachmagazin Plos ONE.

Studienautor und Biologie-Professor David Currie von der Universität Ottawa hat sich genauer angesehen, wie sich die Höhe der Unterstützungsbeiträge der kanadischen Forschungsförderungsstelle NSERC in den Bereichen Chemie, Biologie und Ökologie im Jahr 2002 ausgewirkt hat. Als Mass für den Einfluss eines geförderten Forschers erhob er, wie viele Fachartikel er in den Folgejahren veröffentlichte und wie oft diese Artikel in Beiträgen von Kolleginnen und Kollegen zitiert wurde.

Mehr Geld = mehr Leistung?

Mehr Geld führte tatsächlich zu mehr Artikeln und zu mehr Literaturhinweisen in anderen Artikeln. Aber dieser Zusammenhang sei erstaunlich schwach ausgefallen, sagt Currie – und er nehme mit der Höhe der Beiträge merklich ab. Doppelt so viel Geld an einen Forscher auszubezahlen, wirke sich weit weniger als doppelt so stark auf seinen Einfluss aus.

Kleiner ist effizenter

Kleinere Beiträge an viele verschiedene Forscher, so schliesst Currie, machen sich also insgesamt mehr bezahlt als wenige grosse Beiträge für Elite-Forscher. «Small science» sticht «big science» aus. Dies könnte auch für Megaprojekte wie das Schweizer «Human Brain Project» gelten, das beim Wettbewerb um europäische Forschungsmillionen den Sieg davongetragen hatte.

Wie soll man Forschung fördern?

4:29 min, aus Wissenschaftsmagazin vom 27.06.2013

Currie hat dieses Vorhaben nicht explizit untersucht, doch seine Forschung legt nahe, dass die Millionen Forschungsdollars in Megaprojekten ineffizient investiert sind – ausser man habe ein sehr klar umrissenes Problem zu lösen, beispielweise einen Menschen auf den Mond zu bringen. Dieses Beispiel wird denn auch von Befürwortern von Megaprojekten immer wieder angeführt.

Vielfalt fördert Überraschungen

Anders sehe es aus, so Currie, wenn es sehr viele verschiedene Probleme zu lösen gebe. Oder wenn man an Neuem forsche, wo im Voraus gar nicht klar sei, welches Resultat oder welche Entdeckung sich in der Zukunft dann als wichtig herausstellen werde. Denn Forschung zeichne sich nun mal durch ihre Unvorhersehbarkeit aus.

Curries Fazit: Je mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach dem Giesskannen-Prinzip Geld zum Forschen bekämen, desto grösser sei die Wahrscheinlichkeit, dass sich eines ihrer Resultate dann auch wirklich als extrem einflussreich herausstelle.