Wasser für die Erde? Nicht von Kometen wie Tschuri

Erste Resultate der Rosetta-Mission: Die Ergebnisse dürften die Debatte um die Herkunft des Wassers auf der Erde neu anheizen. Die Daten der Forscher zeigen: Von Kometen wie Tschuri stammt es wohl nicht, sondern vermutlich von Asteroiden.

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Rosetta liefert Daten nach Bern

2:08 min, aus Tagesschau vom 10.12.2014

Vor knapp einem Monat schrieb die Europäische Raumfahrtbehörde (Esa) Geschichte, als sie erstmals ein Landegerät auf einem Kometen aufsetzen liess. Im Orbit des «Tschuri» getauften Kometen segelt weiterhin die Rosetta-Sonde, auf der das in Bern entwickelte Messgerät Rosina die Kometenhülle untersucht und analysiert.

Für das Wasser in der Hülle interessieren sich die Forscher besonders. Denn Experten sind sich einig, dass kleine Himmelskörper wie Asteroiden oder Kometen das Wasser auf die Erde gebracht haben müssen. Die am Donnerstag im Fachjournal «Science» veröffentlichten Resultate belegen jetzt aber: Von so weit entfernten Kometen wie «Tschuri» kann es nicht stammen.

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Kometenmission mit langem Atem

Kometenmission mit langem Atem

Die Rosetta-Sonde hat bereits rund 6,5 Milliarden Kilometer im All zurückgelegt. Sie wird den Kometen Tschuri mindestens bis August 2015 begleiten, wenn er die Positon erreicht, bei der er der Sonne am nächsten ist. Die Mission hat insgesamt 1,3 Milliarden Franken gekostet und beschäftigt gut 2000 Personen seit 20 Jahren.

Zu viel «schweres» Wasser

Der Schlüssel zur Herkunft des Wassers sind verschieden schwere Wasserstoffatome, so genannte Isotopen. Manche Wassermoleküle enthalten eine leichte Variante von Wasserstoff, andere eine schwere, die Deuterium genannt wird. Ihr Verhältnis ist je nach Herkunft des Wassers unterschiedlich.

Im Wasser von Tschuri ist dieses Verhältnis drei Mal grösser als auf der Erde, wie die «Rosina»-Messungen zeigen. Damit scheiden solche Kometen als Quelle für das irdische Wasser aus. Für die Erde heisst das, dass das Wasser vermutlich von Asteroiden gekommen sei, erklärte Rosina-Projektleiterin Kathrin Altwegg von der Universität Bern.

Näher bei der Erde

Der Forscherin ist eine gewisse Genugtuung anzumerken: Schon vor über 30 Jahren stellten sie und ihr Vorgänger in Bern, Hans Balsiger, bei Messungen des Halley-Kometen fest, dass das Verhältnis von Deuterium zu Wasserstoff (D/H) dort deutlich über dem der Erde lag. Die bisher favorisierte Kometen-Theorie für das Wasser auf der Erde verlor an Anhängern.

Einige Forscher holten sie indes wieder aus der Mottenkiste, als im Jahr 2011 Messungen des Kometen 103P/Hartley2 ein Verhältnis zwischen Deuterium und Wasserstoff aufzeigten, das dem der Erde sehr ähnlich ist.

Diskussionsstoff für Astrophysiker

Nach den neuen Erkenntnissen ist es wahrscheinlicher, dass das Wasser auf unserem Planeten von Asteroiden stammt, die näher an der Erdumlaufbahn sind. Ein anderer Teil des Wassers stammt wohl aus den Anfängen der Erde selbst, gespeichert als Kristallwasser in Mineralien und auch an den Polen.

«Dieses ausserordentliche Resultat wird die Debatte um die Herkunft des Wassers sicherlich anheizen», erklärte Matt Taylor, wissenschaftlicher Leiter der Rosetta-Mission bei der Esa.