Ab nächsten Frühling selber Futter suchen

Der neue Elefantenpark im Zürcher Zoo nimmt Gestalt an. Doch wenn die Dickhäuter 2014 das innovative Gebäude beziehen, wird sich ihr Leben ändern – und der Umgang mit den vertrauten Pflegern.

Noch ein Jahr, dann beziehen die Elefanten des Zoos Zürich ihre neue Heimstatt. Eine weiträumige Anlage, deren Herzstück eine gewagte Architektur ist: Das Holzdach ähnelt einem Schildkrötenpanzer, hat einen Durchmesser von 85 Metern – und keine einzige Stütze. Und weil das Dach 271 unterschiedlich grosse Fenster hat, wird die Sonne wie durch einen Blätterwald hinein scheinen.

Nun ist eine wichtige Bauetappe fertig: Vor kurzem haben die Arbeiter das Stützgerüst im Innern der Halle entfernt. Wie sich gezeigt hat, stimmen die Berechnung und die Konstruktion funktioniert. «Natürlich ist es immer ein mulmiges Gefühl», sagt Statikerin Stefanie Rossbach vom Ingenieurbüro Walt + Galmarini, «weil man nie weiss, wie sich die Sache im wirklichen Bau verhält.»

Elefanten müssen sich umgewöhnen

Mit dem Umzug wird sich auch die Art und Weise ändern, wie die Pfleger ihre Elefanten betreuen. Bisher gingen sie direkt ins Gehege zu den Tieren, um diese zu waschen oder eine Wunde zu versorgen. Im neuen Elefantenpark wird sich immer ein Gitter dazwischen befinden – und so trainieren die Pfleger bereits heute mit ihren Schützlingen Befehle wie «Komm ans Gitter» oder «Heb den Fuss».

Die räumliche Distanz wird einerseits mehr Sicherheit für die Tierpfleger bringen. Und sie spielen dann keine Rolle mehr im sozialen Gefüge der Tiere. Man erhofft sich davon, so Zoo-Kurator Robert Zingg, dass damit die soziale Organisation der Elefanten stärker der Situation in der Wildnis ähneln wird.

18 Stunden lang auf Futtersuche

Damit sich die Elefanten auf möglichst natürliche Art und Weise beschäftigen können, werden sie sich im neuen Gehege aktiver um ihr Futter bemühen müssen. «Wir werden die Elefanten fordern, indem wir eine ganze Reihe von Fütterungseinrichtungen auf das Gelände verteilen», sagt Zingg. Wie in der freien Natur werden die Riesen dann während rund 18 Stunden nach Nahrung suchen müssen.

Ein neues Prunkstück für den Zoo

Mit seiner Grösse und seiner besonderen Architektur könnte der neue Elefantenpark zum zweiten Publikumsmagneten des Zoos Zürich werden, neben der Masoala-Halle. Zumal die Besucher dann mehr Tiere beobachten können: Heute lebt ein Bulle mit fünf Kühen im Zoo; im neuen Park sollen sich zwei Bullen und vier Kühe tummeln – mitsamt dem erhofften Nachwuchs. Maximal 12 Tiere dürfte das Gelände dereinst beherrbergen.

Doch der Prunkbau soll auch dazu dienen, die Besucher auf die Bedrohung der indischen Elefanten aufmerksam zu machen – und sich finanziell auswirken. «Wenn sich der Besucher begeistern lässt», sagt Andreas Hohl, stellvertretender Direktor des Zoos, «ist er eher bereit, für den Naturschutz zu spenden.» Das sei man dem grössten Tier des Zoos schuldig.

Gesamtkosten noch nicht beziffert

Wie viel wird der neue Elefantenpark schliesslich kosten? Ursprünglich ging der Zoo von 32 Millionen Franken aus; dann stiegen die Kosten auf 42 Millionen. Nun ist klar, dass auch das nicht reichen wird. Wie teuer der Bau am Schluss wird, ist laut Hohl noch offen. Der Zoo könne den neuen Elefantenpark aber vollständig mit Spendengeldern finanzieren.

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Elefantöses Dach für Elefanten im Zoo Zürich

6:18 min, aus Schweiz aktuell vom 5.6.2013