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50 Jahre Apple-Gründung Dieser Mann brachte den Mac an Schweizer Schulen

Der 50. Geburtstag des Unternehmens Apple ist auch ein Geburtstag der Firma von Johann Wyss. Er startete vor 40 Jahren in einer 2.5-Zimmer-Wohnung einen der ersten Apple-Computervertriebe der Schweiz.

Johann Wyss hat ein Computergeschäft in Hettiswil bei Burgdorf. Wenn er dort etwas abseits der Verkaufsfläche vor einem Regal mit musealen Apple-Computern steht, spürt man seine Leidenschaft für die Marke. Er kennt die Spezialitäten jedes Modells, dessen technische Eigenschaften und historische Hintergründe.

Zum Beispiel jene des «Twentieth Anniversary Macintosh». Das aussergewöhnliche Gerät erschien am 1. April 1996 zum 20. Geburtstag von Apple. Es kostete rund 7000 Franken. Die Stückzahl war begrenzt auf 12'000 Exemplare.

Ein dunkelgrauer Computer.
Legende: «Twentieth Anniversary Macintosh», eine «Multimedia»-Maschine mit eingebautem Fernseher und separatem Subwoofer. Reto Widmer/SRF

Also kein Computer für die Massen. Die hatte Apple zu diesem Zeitpunkt dafür schon längst für sich eingenommen: mit dem Macintosh. Die würfelförmige Kiste war eine Revolution in der Computerwelt und ihre Ankündigung in einem Superbowl-Spot «1984» schrieb Werbegeschichte.

Mehr zum Superbowl-Spot «1984»

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Alte Macintosh-Computer auf einem Regal.
Legende: Dieser Computer machte Apple erfolgreich und zum Kult: der Macintosh. Johann Wyss hat von fast jedem Modell noch ein Exemplar. Reto Widmer/SRF

Im Apple-Werbespot «1984» geht es um eine dystopische Welt, wie sie George Orwell in seinem Roman «1984» skizziert. Eine graue, gleichgeschaltete Menge sitzt vor einem riesigen Bildschirm, auf dem ein Gesicht erscheint, das hypnotisierend zur Menge spricht. Dann taucht in der Halle eine athletische Läuferin auf mit einem Hammer und zerschlägt den Bildschirm.

Die Botschaft: Der Macintosh soll eine Befreiung von Konformität und technischer Kontrolle sein und ein Gegenentwurf zu einer anonymen, die Menschen beherrschenden Computerwelt. Am Schluss des Spots heisst es sinngemäss, Apple werde den Macintosh vorstellen, und deshalb werde «1984 nicht wie 1984 sein». Damit wollte Apple zeigen, dass der Mac ein persönlicher, befreiender Computer sei.

Den Weg zu Apple Macintosh fand Johann Wyss über einen Atari ST. Dieser Computer war in den 1980er-Jahren äusserst beliebt, weil er ebenso leistungsfähig war wie der Apple Macintosh, aber nur etwa die Hälfte kostete.

Zwei «Kisten», ein Geschäft

Wyss arbeitete in der Marketingabteilung eines Schrauben- und Eisenwarenhändlers. Für seine Arbeit wollte er eine Fähigkeit des Ataris nutzen, die noch in den Kinderschuhen steckte: Desktop-Publishing, das Gestalten von Drucksachen am Computer. Also nahm er seinen Atari ST mit ins Büro, nicht, ohne zuvor seinen Arbeitgeber dazu um Erlaubnis gefragt zu haben. Mit dem Gerät gestaltete er Werbemittel. Die kamen an, Wyss kaufte sich seinen ersten Macintosh und nahm die Kiste ebenfalls mit in sein Büro.

Als ihn dort ab und zu Besucher fragten, was das für eine Maschine sei und wo sie so eine kaufen könnten, war sein Geschäft sozusagen wie von alleine geboren. Er gründete die Firma Compu-Trade.

Anfänglich gaben sich die Kunden in der 2.5-Zimmer-Wohnung von Johann Wyss die Klinke in die Hand. Hier stapelte er Verpackungen und Macs. Nebendran auf dem Winkeltisch lag sein Sohn Marc. Er ist heute Geschäftsführer.

Aus der Garage in die Welt

Bis heute dem Mac treu geblieben

Trotz der Konkurrenz durch die grossen Online-Händler und die eigenen Läden von Apple verkauft die Firma von Johann Wyss bis heute Apple-Computer an Privatpersonen und Unternehmen. Auffällig viele Arztpraxen seien derzeit unter den Kunden, sagt Wyss.

Er vermutet, dass Ärztinnen überdurchschnittlich Mac-affin seien, weil sie bereits im Studium mit Computern von Apple gearbeitet hätten. Ein weiterer Grund sei, dass Ärzte besonders darauf achteten, dass ein Computer gut aussehe und ein Besprechungszimmer nicht durch seine Anwesenheit in ein Büro verwandle. Zudem gebe es für Apple im Gesundheitswesen sehr gute Software.

Macintosh-Anleitungen

Software war auch bei den Schulen mit ein Grund, dass viele ab Mitte der 1980er-Jahre auf Macintosh setzten. Dank der grafischen Oberfläche und der intuitiven Bedienung waren Programme und das Betriebssystem für die Lehrkräfte zugänglicher als textbasierte PCs mit MS-DOS von Microsoft. Dennoch gab es auch Verfechter dieser Computer-Variante.

Deshalb stellte sich nun immer, wenn eine Schule einen «Computerraum» einrichten wollte, die Frage: Welches Betriebssystem soll es sein?

«Religionskämpfe» in den Lehrerzimmern

Experte war noch kaum jemand. Häufig konnten sich jene Lehrpersonen durchsetzen, die zu Hause einen Macintosh hatten, dieser «Religion» also bereits verfallen waren. So kaufte die Schule dann eben ein Dutzend Macs. Jene, die sich durchgesetzt hatten, waren glücklich.

Und alle anderen eigentlich auch, weil sie nun nichts mehr mit diesen «neumodischen Computern» zu tun hatten. Denn den Support mussten die «Mac-Freaks» übernehmen, wenn ein Computerraum einmal eingerichtet war. Das war der Preis, den ein Lehrer zahlte, wenn er «sein» Betriebssystem durchgesetzt hatte.

Die Maus des Macintosh. Sehr eckig.
Legende: Der Macintosh galt dank der Maus als intuitiver Computer. Reto Widmer/SRF

In dieser wilden Zeit war professionelle Hilfe gefragt. Wie jene von Johann Wyss. Wobei auch er sich sein Wissen wie alle in erster Linie «durchs Machen» erworben hatte.

Macintosh an Schulen früh vernetzt

Die Zeiten, die er mit seiner Firma an Schulen verbrachte, bezeichnet er als seine aufregendsten. Sie hätten schon in den 1980er-Jahren Computer untereinander vernetzt, schwärmt Wyss. Zu einer Zeit, in der das kaum jemand konnte oder an Schulen überhaupt daran gedacht hätte.

Dank «Apple Talk», einem proprietären Netzwerk-Protokoll, war die Vernetzung fast ein Kinderspiel. Ein weiterer Grund, wieso Macs in Schulen so beliebt waren. Alle konnten mit der Technologie etwa einen Drucker gemeinsam nutzen oder auf Dokumente zugreifen in einem «geteilten Ordner» auf dem Gerät der Lehrerin.

Wer wird «Macianer»?

Auch als ein Jahrzehnt später das Internet aufkam, war die einfache Vernetzung wieder ein Argument für Schulen, sich dem Mac zuzuwenden. Steve Jobs lancierte nach seinem Comeback als Chef von Apple 1998 den iMac, ein Einsteiger-Modell, das in vielen transparent-bunten Farben daherkam. Viel wichtiger aber: Der Computer hatte ein eingebautes Modem.

Eine Reihe bunter, transparenter iMacs.
Legende: Der iMac knüpfte an die «All-in-one»-Philosophie des Macintosh an. Der Rechner wurde wegen seines bunten, kugelartigen Designs auch «Bowlingkugel» genannt. Reto Widmer/SRF

Dank dieser «alles in einem Gehäuse»-Philosophie waren Schulen schnell im Internet. Oder Universitäten. Auch sie sprach und spricht Apple mit seinem «Apple Education»-Programm an. Die Idee: Wer schon in der Schule und danach im Studium mit Apple-Produkten arbeitet, wird das auch später eher tun. Wie die erwähnten Ärzte.

Schätze aus dem Archiv des Technikmuseums «Enter»


Apple und die Schulen – ein Erfolgsmodell, das vor allem in der Schweiz besonders gut funktionierte und das Land zu einem «Apple-Land» machte. Die Situation sei heute aber nicht mehr vergleichbar mit den 1980er-Jahren, sagt Händler Johann Wyss. Natürlich auch, weil Maus, grafische Benutzeroberfläche und Vernetzung schon lange kein Alleinstellungsmerkmal mehr sind von Apple.

Dass der Hersteller aber auch heute Schulen noch strategisch im Visier hat, zeigt das kürzlich lancierte Macbook Neo. Ein buntes Notebook im Tiefpreis-Segment, das wohl ganz in der Tradition des Macs und des iMacs den ersten Kontakt mit einem Apple-Computer erleichtern soll. Ob in der Schule – oder privat.

Radio SRF 1, 01.04.2026, 9:15 Uhr

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