Bereit für die Apokalypse

Sie heissen «Prepper». Und sie bereiten sich auf das Ende unserer Zivilisation vor. Mit Lebensmittellagern, Waffen und Fluchtrucksäcken wollen sie Krisen überleben. Falls die Welt wirklich untergehen sollte.

Landschaft in Weltuntergangsstimung, mit Panorama-Fernglas. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Den Weltuntergang fest im Blick. Getty Images

Willi Bucher (53, Name geändert) ist gerüstet für den Notfall. Im Keller seines Hauses befindet sich sein Warenlager: 140 Kilo Reis hat er eingelagert, dazu je 80 Kilo Mehl und Zucker, hunderte von Konservendosen, Milchpulver und Schnaps. Den Alkohol trinkt Bucher nicht selbst, sondern will ihn als Tauschartikel benutzen: «Die Alkoholiker werden es brauchen.» Zwei Jahre reicht der Vorrat für Ehepaar Bucher.

Ein Vorratskeller mit Notvorrat in Wandgestellen, von Preppern für 2 Jahre nach dem Weltuntergang eingelagert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Blick in den Prepper-Keller: Vorräte für die ersten 2 Jahre nach dem Weltuntergang. Samuel Burri

Im Waffenschrank stehen neun Gewehre. «Kommt die Krise, müssen wir uns gegen Plünderer verteidigen», ist Willi Bucher überzeugt. Zusätzlich besitzt er drei Pistolen und 5000 Schuss Munition.

Damit wird er sein Grundstück verteidigen, im Garten hinter einem Wall von Sandsäcken liegend. Im Garten hält Bucher auch Hühner und zieht kleine Obstbäume. Willi Bucher ist ein Prepper.

Bereit für das Ende der Welt

Zusatzinhalt überspringen

Experten zum «Weltuntergang»

Wie sinnvoll ist die Vorbereitung auf ein Krisenszenario? Prof. Wolfgang Kröger vom Risk Center der ETH Zürich empfiehlt, «Zeit zu kaufen». So braucht man sich nicht um elementare Bedürfnisse wie Essen oder Strom zu kümmern, sondern hat Zeit zum Überlegen. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung empfiehlt einen Notvorrat für eine Woche.

Die Bewegung der Prepper (von engl. «to prepare» – vorbereiten) ist in den USA entstanden. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten üben Familien mit Schutzanzügen den Notfall, dichten ihre Wohnung gegen Vulkanasche ab. Andere Prepper vergraben im Garten eine Betonröhre, in welche sie sich zurückziehen können.

Noch weiter geht der geistige Anführer der Prepper. James Wesley Rawles hat sich vor einigen Jahren mit seiner Familie an einen geheimen Ort in den Bergen zurückgezogen. Dort schreibt er Bücher, von dort aus gibt er auch Interviews per Telefon. Er ist bereit für das Ende der Welt, wie wir sie kennen.

«Überleben in der Krise» heisst das Buch von Prepper-Papst Rawles. Darin schreibt er: «Eine Vorbereitung ist dringend zu empfehlen. In den vergangenen Jahren waren wir Zeugen wachsender Terrorbedrohungen und wirtschaftlicher Instabilität.»

Von Pfadi bis Paranoia

Der Zusammenbruch der Zivilisation, glauben viele Prepper, steht uns unmittelbar bevor. Ihre Krisen-Szenarien sind vielfältig: Ein heftiges Erdbeben, ein Killer-Virus, ein Atom-Super-GAU oder der Zusammenbruch des Finanzsystems.

Feuer Anzünden, wie es Prepper planen: mit einem Tampon als Zunder. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Prepper können auch noch nach der «Stunde Null» Feuer machen, mit einem Tampon als Zunder. Samuel Burri

Die Folgen so einer Krise, wie sich die Prepper ausmalen, sind stets dieselben: Es entsteht eine Kettenreaktion. Nach dem Zusammenbruch der Stromversorgung fehlt es an Lebensmitteln und Trinkwasser. Darauf bricht das öffentliche Leben zusammen, in den Städten kommt es zu Plünderungen, bewaffneten Überfällen, Anarchie bricht aus.

In der Schweiz tauschen sich Prepper hauptsächlich via Internet aus. Sie sind eine sehr heterogene Gruppe – von Pfadi bis Paranoia. In einem Forum diskutieren sie über Gold als Zahlungsmittel, über Steinschleudern zur Selbstverteidigung und sie zeigen Bilder ihrer neuen Taschenlampe.

Gegenüber Aussenstehenden geben sie sich relativ zugeknöpft. Wer sich vorbereitet, erntet oft Unverständnis. Zudem sollte man logischerweise nicht verraten, dass man Vorräte besitzt – denn das weckt im Krisenfall Begehrlichkeiten.

Anfeuern mit Tampons

Tom (27) aus der Region Bern besitzt einen Fluchtrucksack. «Es kann immer was passieren, darum ist mein Motto: vorbereitet sein.» Im Notfall muss Tom nur Jacke und Schuhe anziehen, kann sich den Rucksack schnappen und damit im Wald überleben.

In Toms Fluchtrucksack befinden sich neben Lebensmitteln auch Schlafsack, Isolierdecke, Ersatzwäsche, ein USB-Stick mit wichtigen Daten, Pfefferspray zur Verteidigung, Brenn- und Kochmaterial, mehrere Taschenlampen - und Tampons. Als Zunder, zum Feuer machen.

Kein Weltuntergang, aber «die Krise kommt»

Verschwörungstheorien mag Tom jedoch nicht, das Überlebenstraining mache ihm in erster Linie einfach Spass. Auch Prepper Willi Bucher glaubt nicht an Theorien wie diejenige vom Ende der Welt am 21. Dezember 2012. Doch Bucher ist sich sicher, dass eine Krise auf uns zukommt.

Um sein Lebensmittellager zu verteidigen, würde er auf Plünderer schiessen – in die Beine natürlich. Das sei nicht asozial, so Bucher, sondern das darwinsche Gesetz. Dass andere Leute denken könnten, Willi Bucher sei ein Spinner, versteht er: «Doch die andern glauben eben an ein Happy End, ich hingegen nicht.»

Sendung zu diesem Artikel