60 Jahre Frisbee Das Frisbee: Vom Kuchenblech zum Sportgerät

Vor 60 Jahren wurden die ersten Plastikscheiben verkauft. Die Geschichte des Frisbees reicht aber bis in eine Backstube.

Zwei Sportler spielen Frisbee in Singapur. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nicht nur am Strand: Frisbee hat sich längst zu einer ernstzunehmenden Sportart entwickelt, wie hier in Singapur. Getty Images

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 13. Januar 1957 begann die Spielwarenfirma «Wham-O» mit der Massenproduktion des Frisbees.
  • Das Frisbee wurde während des Kalten Krieges, in Anlehnung an die damals herrschende Faszination mit UFOs, «Pluto Platte» genannt.
  • Bis heute wurden über 200 Millionen Frisbees verkauft. Edward «Steady Ed» Headrick verhalf der Scheibe endgültig zum Durchbruch.

Walter Fredrick Morrison wurde 1920 in Utah geboren und zog im Alter von elf Jahren ins sonnige Kalifornien. Als 18-Jähriger warf er mit seiner Freundin am Strand von Santa Monica ein rundes Kuchenblech hin und her als ein Fremder auf ihn zukam und ihm 25 Cent dafür bot.

Heute vor 60 Jahren: Das «Frisbee» setzt an zum Höhenflug

3:41 min, aus SRF 4 News Tageschronik vom 06.01.2017

Auf das Kuchenblech gab die Bäckerei, die «Frisbie Baking Company» fünf Cent Pfand. Morrison witterte sofort ein Geschäft – und begann die Scheiben am Strand von Santa Monica dutzendweise zu verkaufen.

Erste Skizzen

Im Zweiten Weltkrieg diente Morrison als Kampfpilot und lernte so weitere Grundlagen der Aerodynamik. In italienischer Kriegsgefangenschaft machte er erste Skizzen. Nach dem Krieg fand er einen Partner, der sein Design im Plastikguss-Verfahren kostengünstig herstellte.

«Pluto Platter» – die Pluto-Platte nannte er das Ding in Anlehnung an die damals herrschende Faszination mit UFOs und fliegenden Untertassen und verhökerte ein paar hundert Exemplare auf Jahrmärkten.

Walter Frederick Morrison schwingt die Werbetrommel für seine «Pluto Platters». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In den 1950er-Jahren: Walter Frederick Morrison schwingt die Werbetrommel für seine «Pluto Platters». Creative Commons

1957 verkaufte er die Rechte an die Spielwarenfirma «Wham-O», die am 13. Januar, heute vor 60 Jahren, mit der Massenproduktion begann. Im Juni 1957 wurde der vom Namen der Bäckerei abgeleitete Markenname «Frisbee» eingetragen.

Tonnenweise Plastik

Der Rest ist Geschichte – bis heute wurden über 200 Millionen Frisbees verkauft – Raubkopien natürlich nicht mitgerechnet. Edward «Steady Ed» Headrick hiess der Marketingleiter bei Wham-O, der der Scheibe endgültig zum Durchbruch verhalf.

Er machte den Rand dicker und verbesserte so ihre Flugeigenschaften. Zur Herstellung konnte man tonnenweise Plastik aus eingeschmolzenen Hoola-Hoop-Reifen verwenden – einem weiteren von Wham-O vermarkteten Spielzeug, dessen Boom gerade am Abklingen war.

Frisbee für Hunde

Headrick wertete das Frisbee zudem auf: vom Spielzeug zum Sportgerät. Er kreierte diverse Spieldisziplinen, etwa «Discgolf», bei dem Spieler versuchen von einem festgelegten Abwurfpunkt mit möglichst wenigen Würfen eines Frisbees Körbe zu treffen.

«Ultimate Frisbee» dagegen ist ein Mannschaftssport, der sich an American Football orientiert, mit dem Unterschied dass jede Körperberührung eines Gegners als Foul gewertet wird. Ziel ist es, die Scheibe in die Endzone des gegnerischen Feldes zu bringen.

Bald kamen Freestyle-Wettkämpfe dazu, und natürlich die diversen Disziplinen für Mensch und Hund, die unter dem Namen «Discdogging» zusammengefasst werden.

Die Scheibe bleibt in der Luft

Die Väter des Frisbee sind nicht mehr unter uns. Walter Fredrick Morrison starb 2010. Ein Disc- Golfplatz in Utah ist nach ihm benannt. «Steady Ed» Headrick wurde nach seinem Tod 2002 gemäss seinem letzten Willen kremiert und die Asche in mehrere Gedenk-Frisbees für Familie und Freunde gepresst.

Die Scheibe jedoch fliegt weiter – als Beweis dafür, dass im technologisch hochgerüsteten Markt für Spiel- und Sportartikel die einfachsten Ideen nicht selten die Besten sind.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Tageschronik, 13.1.2017, 11:45 Uhr.

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