Der Ausstellungsraum im ALPS Museum erinnert ein wenig an ein Autokino: Alte Sitzbänke aus einem VW-Bus stehen in Reihen vor einer Leinwand. Zu sehen ist ein 20-minütiger Film von Sonntagsausflügen in längst vergangenen Zeiten – in die Berge, an Seen, auf Passhöhen. Die Schau in Bern vereint private Aufnahmen von Ausflügen aus den 1920er- bis in die 1980er-Jahre. Und das natürlich in Autoklassikern wie dem Fiat 500, VW Käfer oder Opel Kapitän.
«Ich glaube, das Auto ist in dieser Zeit auch ein grosses Freiheitsversprechen: Rauszukommen, sein eigenes Ding zu machen – und sich wie in der eigenen Stube mit vier Rädern fortzubewegen», sagt Museumsdirektor und Ausstellungsmacher Beat Hächler.
Für ihn haben die Aufnahmen in der Ausstellung eine grosse Bedeutung: «Weil die Filmbilder aus dieser Amateursicht dieses Selbstverständnis, sich selber zu zeigen, pur enthalten.»
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Bild 1 von 4. Die grosse Freiheit: mit dem Auto ab in die Berge. Im Bild: Ein DKW auf Ausfahrt zum Muttertag. (1961) . Bildquelle: Fabia Stern.
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Bild 2 von 4. Picknick mit Berg- und Autoblick: Hier düst ein Citroën DS auf Passfahrt an einem Sommerfrischler vorbei – in den frühen 1960er-Jahren. Bildquelle: Kunstanstalt Brügger, Meiringen / ALPS.
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Bild 3 von 4. Auch das gehört nach wie vor dazu: Verkehrsballungen auf den beliebten Strecken. Hier: Der Osterverkehr auf der Tremola. (1961) . Bildquelle: Archiv RSI.
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Bild 4 von 4. Autoverlad war – und ist immer noch – eine Option, um durch die Berge zu kommen. Der Autoverlad am Gotthard, hier im Bild, wurde aber 1980 dauerhaft eingestellt. Bildquelle: Archiv RSI.
Dazu kommt: Das Medium machte es nötig, sich beim Aufnehmen zu konzentrieren – denn auf eine Filmspule passten damals nur knapp über drei Minuten. Man konnte also nicht endlos filmen, wie heute mit dem Handy.
Nur die Höhepunkte
Deswegen zeigen die Amateurfilme nur die Höhepunkte des Sonntagsausflugs: ein frisch geputztes Auto etwa, ein Paar auf Hochzeitsreise oder eine Picknickfahrt ins Grüne – mit Gasgrill und Geschirr für das Kotelett und die Dosenerbsen.
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Bild 1 von 4. In die Natur – mit dem Auto: Ein Werbefoto für die Engstlenalp aus den frühen 1960er-Jahren. Bildquelle: Kunstanstalt Brügger, Meiringen / ALPS.
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Bild 2 von 4. Hier heisst es: Hand auflegen – und sicher auch anlegen: Dieser Alfa Romeo benötigte bei Airolo einen Boxenstopp. (frühe 1970er-Jahre). Bildquelle: Archiv RSI.
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Bild 3 von 4. Auch dem Gefährt soll es während der Bergrast an nichts fehlen: Ein gut beschattetes Automobil im Jahr 1949. Bildquelle: Edmondo Palme / Archiv RSI.
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Bild 4 von 4. Picknick am Strassenrand: Mit Camping-Equipment und Kofferradio – und einem Auge auf den vorbeirauschenden Verkehr am Sustenpass. Bildquelle: Kunstanstalt Brügger, Meiringen / ALPS.
Beat Hächler meint dazu: «Fast ein wenig absurd: Weshalb ist das jetzt bildwürdig? Aber man hält es wie eine Trophäe fest.» Mal sieht man auch eine Blume, auf der ein Schmetterling sitzt, oder ein Tal bei der Passfahrt. Die seltenen Naturbilder scheinen aber eher ein filmisches Stilmittel zu sein. Denn es geht bei diesen Sonntagsausflügen um das Erlebnis mit dem Auto.
Aromat vom Gotthardpass
«Man könnte sagen, die Natur beginnt dort, wo die Strasse oder der Parkplatz aufhört», so der Ausstellungsmacher. Und vielleicht führt die Strasse sogar in die Beiz auf dem Gotthardpass.
«Im Restaurant auf dem Gotthardpass wurde immer das Aromat geklaut. Meistens von den holländischen Touristen, die zum Camping nach Italien fuhren», verrät Beat Hächler. Er fand diese Geschichte so schön, dass in der Ausstellung auf einem Campingtisch ein Döschen Aromat steht – von dem Hächler augenzwinkernd hofft, dass es nicht entwendet wird.
Nicht nur Nostalgie
Trotz nostalgischer Ferien und Freiheitsgefühle: Der Film zeigt auch den Stau. «Wenn wir die Bilder hier sehen, einen Stau von 1962, der von Airolo bis Ambrì-Piotta reicht, dann sieht das eigentlich so aus, wie wenn wir heute auf Ostern oder Pfingsten schauen», meint Hächler.
In der Ausstellung schwingt viel Nostalgie mit, aber nicht nur. Der Museumschef erzählt: Selbst noch in einer VW-Käfer-Kindheit gross geworden, habe er die Auto-Begeisterung teilweise in der eigenen Familie miterlebt.
Er benennt aber auch die Entzauberung: «Diese Ferienfahrten, auf denen einem manchmal schlecht wurde im Auto, oder dann später die Wahrnehmung, dass zu viele Autos da sind. Da steht man auf der Autobahn, und eigentlich ist die ganze Mobilität ein Stück weit auch kollabiert.»
Trotz Entzauberung: «Der Sonntagsausflug» ist keine Ausstellung, die den moralischen Zeigefinger erhebt. Das brauche es nicht, sagt Beat Hächler. «Wir lassen es penetrant fröhlich in diesen Bildern. Aber ich glaube, das verhindert nicht das Nachdenken darüber, wo wir heute stehen.»