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Landesmuseum Zürich «Bankenland Schweiz»: Vertrauen, diskret verwaltet

Sparbüchse, Schliessfach, Krypto? Wem vertrauen wir unser Geld an? Kaum eine Frage beschäftigt diese Bankenausstellung mehr.

Kommt in der Ausstellung das Wort «Gier» hier vor? Schliesslich geht es um Banken. «Nein. Soweit ich weiss, nicht», sagt Kurator Christian Weiss. Die Antwort verrät bereits, worauf diese Schau ihren Fokus legt.

Nahaufnahme von antiken Silber- und Goldmünzen auf weissem Hintergrund.
Legende: Handfestes Geld – lange vor Kreditkarte und bargeldlosem Zahlen: Gold- und Silbermünzen aus dem Münzschatz von Ueberstorf FR. (nach 1555) Schweizerisches Nationalmuseum

«Bankenland Schweiz», neu im Landesmuseum Zürich. Sie erzählt, wie aus einem Alpenland ein Finanzplatz wurde. Weniger über Exzesse als über deren Vorgeschichte. Nicht Credit Suisse und Bankgeheimnis stehen am Anfang. Sondern Münzen.

Geld hatte einmal Gewicht

Bevor Geld digital wurde, war es Papier oder Metall, manchmal nur ein Versprechen. Die Ausstellung verfolgt diese Geschichte über rund 500 Jahre. Goldmünzen, Sparbüchsen, Banknoten, Schliessfächer. Objekte aus einer Zeit, in der Geld noch Gewicht hatte und Vertrauen oft eine materielle Form brauchte.

Klingt unspektakulär? Tatsächlich liegt darin eine Qualität der Ausstellung. Sie versucht nicht, das Bankenland Schweiz als Sonderfall zu erzählen. Sondern als Folge einer sehr alten menschlichen Sehnsucht: Vermögen sichern. Risiken verteilen. Zukunft organisieren.

Die Schweiz und ihre Banken

Im Zentrum: grosse Fragen. «Woher kommen Banken? Warum haben Menschen das Bedürfnis, ihnen ihr Geld anzuvertrauen? Und was macht das Bankenland Schweiz mit unserer Identität?», so Museumsdirektorin Denise Tonella.

Die Beziehung zwischen der Schweiz und ihren Banken wirkt heute selbstverständlich. Die Schau fragt aber: Wie wurden die beiden so eng? Die Antwort beginnt langweilig: mit Sparbüchern. Als Menschen auch ohne grosse Vermögen zu sparen begannen und zur Bank gingen. Die Banken wuchsen.

Gleichzeitig finanzieren Grossbanken Eisenbahnen, Fabriken, die Zukunft. Sie verwalten nicht mehr nur Geld, sie gestalten das Land mit. Später prägen sie auch das Bild, das die Schweiz von sich selbst entwirft: stabil, sicher, diskret.

Die höfliche Version

Diskret bleibt auch die Ausstellung. Sie interessiert sich weniger für die spektakulären Fehltritte der Branche als für die Mechanismen dahinter. Der Vorteil: Sie verfällt nicht der Versuchung, die Geschichte des Finanzplatzes auf eine Kette von Skandalen zu reduzieren, sondern fragt danach, warum Banken gesellschaftlich relevant wurden.

Neonbeleuchtetes Schild mit blau-rotem Schriftzug an der Wand.
Legende: In der Ausstellung «Bankenland Schweiz» nimmt die CS viel Platz ein – zumindest als Logo an der Wand. SRF/Ana Matijašević

Der Nachteil: Die Schau ist fast zu höflich gegenüber ihrem Gegenstand. Die Krisen sind da. Das Bankgeheimnis kommt vor. Auch der grelle «Credit Suisse»-Schriftzug prangt an der Museumswand. Sie sind hier aber keine Brüche, sondern Kapitel.

«Diese Themen beschäftigen die Menschen bis heute», sagt Tonella. Die Ausstellung aber liefere Material, Fakten, Geschichten. Das Urteil überlässt sie dem Publikum.

Ausstellungshinweis

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Die Ausstellung «Bankenland Schweiz» ist bis 8. November im Landesmuseum Zürich zu sehen.

Nach der dritten CS-Karikatur und fünften Banknote beginnt man sich zu fragen, ob ein paar Kapitel nicht auch etwas streitlustiger sein dürften. Wer die Rettung der Credit Suisse nicht als Kapitel der Bankengeschichte erlebt hat, sondern als Vertrauensbruch, wird sich hier eine schärfere Auseinandersetzung wünschen.

Und wem vertrauen Sie?

«Die Ausstellung will den Puls fühlen», sagt Kurator Weiss. «Wie steht es um das Vertrauen in die Banken? Wir möchten auch etwas abholen.» 

Am Ende der Ausstellung steht eine Umfrage am Bankomat. Plötzlich wirken die alten Münzen vom Anfang erstaunlich gegenwärtig. Die Technologien haben sich verändert. Das Grundprinzip nicht. Wem vertrauen wir unser Geld an? Und warum eigentlich? Die Ausstellung hat darauf viele Antworten. Auf das Misstrauen etwas weniger.

SRF 1, Tagesschau, 12.6.2026, 19:30 Uhr

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