Kommt in der Ausstellung das Wort «Gier» hier vor? Schliesslich geht es um Banken. «Nein. Soweit ich weiss, nicht», sagt Kurator Christian Weiss. Die Antwort verrät bereits, worauf diese Schau ihren Fokus legt.
«Bankenland Schweiz», neu im Landesmuseum Zürich. Sie erzählt, wie aus einem Alpenland ein Finanzplatz wurde. Weniger über Exzesse als über deren Vorgeschichte. Nicht Credit Suisse und Bankgeheimnis stehen am Anfang. Sondern Münzen.
Geld hatte einmal Gewicht
Bevor Geld digital wurde, war es Papier oder Metall, manchmal nur ein Versprechen. Die Ausstellung verfolgt diese Geschichte über rund 500 Jahre. Goldmünzen, Sparbüchsen, Banknoten, Schliessfächer. Objekte aus einer Zeit, in der Geld noch Gewicht hatte und Vertrauen oft eine materielle Form brauchte.
Klingt unspektakulär? Tatsächlich liegt darin eine Qualität der Ausstellung. Sie versucht nicht, das Bankenland Schweiz als Sonderfall zu erzählen. Sondern als Folge einer sehr alten menschlichen Sehnsucht: Vermögen sichern. Risiken verteilen. Zukunft organisieren.
Die Schweiz und ihre Banken
Im Zentrum: grosse Fragen. «Woher kommen Banken? Warum haben Menschen das Bedürfnis, ihnen ihr Geld anzuvertrauen? Und was macht das Bankenland Schweiz mit unserer Identität?», so Museumsdirektorin Denise Tonella.
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Bild 1 von 4. Frühe Markenbindung: Die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) verteilte 1977 und in den nachfolgenden Jahren rund 800’000 Mützen mit ihrem Logo gratis an die Schweizer Jugend. Bildquelle: Schweizerisches Nationalmuseum.
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Bild 2 von 4. Der Märchentelefon-Tisch: Um Kindern die Zeit zu verkürzen, während die Eltern Bankgeschäfte tätigen, stellte die Zürcher Kantonalbank Tische zum Märchenhören auf. (um 1970–1980). Bildquelle: SRF/Ana Matijašević.
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Bild 3 von 4. Vor 1907 druckten Schweizer Banken jeweils ihre eigenen Banknoten. Diese wurden per Gesetz zwar vereinheitlicht, aber weiterhin von unterschiedlichen Banken herausgegeben. (1879) . Bildquelle: Schweizerisches Nationalmuseum.
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Bild 4 von 4. Von der heute unter dem Namen LLB Schweiz bekannten Leih- und Sparkasse vom Linthgebiet gibt es in den 1960er-Jahren diese beständige Sparbüchse – aus Aluminium und Stahl. Bildquelle: Landesmuseum Zürich.
Die Beziehung zwischen der Schweiz und ihren Banken wirkt heute selbstverständlich. Die Schau fragt aber: Wie wurden die beiden so eng? Die Antwort beginnt langweilig: mit Sparbüchern. Als Menschen auch ohne grosse Vermögen zu sparen begannen und zur Bank gingen. Die Banken wuchsen.
Gleichzeitig finanzieren Grossbanken Eisenbahnen, Fabriken, die Zukunft. Sie verwalten nicht mehr nur Geld, sie gestalten das Land mit. Später prägen sie auch das Bild, das die Schweiz von sich selbst entwirft: stabil, sicher, diskret.
Die höfliche Version
Diskret bleibt auch die Ausstellung. Sie interessiert sich weniger für die spektakulären Fehltritte der Branche als für die Mechanismen dahinter. Der Vorteil: Sie verfällt nicht der Versuchung, die Geschichte des Finanzplatzes auf eine Kette von Skandalen zu reduzieren, sondern fragt danach, warum Banken gesellschaftlich relevant wurden.
Der Nachteil: Die Schau ist fast zu höflich gegenüber ihrem Gegenstand. Die Krisen sind da. Das Bankgeheimnis kommt vor. Auch der grelle «Credit Suisse»-Schriftzug prangt an der Museumswand. Sie sind hier aber keine Brüche, sondern Kapitel.
«Diese Themen beschäftigen die Menschen bis heute», sagt Tonella. Die Ausstellung aber liefere Material, Fakten, Geschichten. Das Urteil überlässt sie dem Publikum.
Nach der dritten CS-Karikatur und fünften Banknote beginnt man sich zu fragen, ob ein paar Kapitel nicht auch etwas streitlustiger sein dürften. Wer die Rettung der Credit Suisse nicht als Kapitel der Bankengeschichte erlebt hat, sondern als Vertrauensbruch, wird sich hier eine schärfere Auseinandersetzung wünschen.
Und wem vertrauen Sie?
«Die Ausstellung will den Puls fühlen», sagt Kurator Weiss. «Wie steht es um das Vertrauen in die Banken? Wir möchten auch etwas abholen.»
Am Ende der Ausstellung steht eine Umfrage – am Bankomat. Plötzlich wirken die alten Münzen vom Anfang erstaunlich gegenwärtig. Die Technologien haben sich verändert. Das Grundprinzip nicht. Wem vertrauen wir unser Geld an? Und warum eigentlich? Die Ausstellung hat darauf viele Antworten. Auf das Misstrauen etwas weniger.