Wer nach 2000 in der Schweiz geboren wurde, hat eine grosse Chance, hundert Jahre alt zu werden. Das ist eine überraschende Botschaft der Wanderausstellung «Welcome to your future: Hundertjährige der Schweiz». Mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Porträts bietet sie Einblicke in die Biografien und die Befindlichkeiten von hundertjährigen Frauen und Männern.
Über 2200 Hundertjährige in der Schweiz
Als Elsa Tscharland im Alters- und Pflegeheim im solothurnischen Nunningen im Februar ihren 100. Geburtstag feierte, empfing sie viele Gäste und hohen Besuch: Frau Landammann Susanne Schaffner kam vorbei und überbrachte ihr zwei Goldvreneli. Auch das Schweizer Fernsehen war dabei. Ein überaus grosser Event im Vergleich zu den Geburtstagen ihrer Jugend, stellte die Jubilarin fest: «Geburtstage zu feiern, war damals überhaupt nicht üblich!»
Elsa Tscharland gehört zu den über 2200 Hundertjährigen in der Schweiz. Deren Zahl hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht, Tendenz steigend: Wer nach 2000 geboren wurde oder noch wird, hat gute Chancen, hundert Jahre alt zu werden: Jede zweite Person kann damit rechnen. Diese Prognose für die Industrieländer stammt von dänischen Demografen, sagt Daniela Jopp, Psychologieprofessorin an der Universität Lausanne. Sie ist hauptverantwortliche Leiterin des Forschungsprojekts «Swiss100».
Längere Leben sind heute vermehrt möglich
Selbst konservativere Berechnungen wie jene des Bundesamts für Statistik zeigten einen starken Trend, sagt sie weiter: «Prognostiziert wird, dass in der Generation der 2017 Geborenen 25 Prozent der Mädchen und 17 Prozent der Jungen hundertjährig werden könnten.» Dass so lange Leben möglich geworden sind, führt Daniela Jopp auf bessere Ernährung und Arbeitsbedingungen in den letzten 60 Jahren zurück.
Die Ausstellung, die derzeit durch die Schweiz tourt, stützt sich auf Daten aus «Swiss100». Zum Projekt gehörten umfangreiche Befragungen und Interviews mit 277 Hundertjährigen.
«Nimm niemals die Rolltreppe!»
Die Daten, die aus diesen Gesprächen gewonnen wurden, zeigen, was aus Sicht der Befragten zu ihrem hohen Alter neben «guten Genen» beigetragen hat: Viele erwähnen einen massvollen Lebensstil mit einer gesunden Ernährung und viel Bewegung. Oder wie es ein Hundertjähriger auf den Punkt bringt: «Nimm niemals die Rolltreppe!» Manche empfehlen auch, mit dem, was man hat, zufrieden zu sein.
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Bild 1 von 6. Maria Castiglioni gehört zu den Porträtierten in der Ausstellung «Welcome to your future: Hundertjährige der Schweiz». Sie sagt: «Ich hatte ein einfaches Leben.». Bildquelle: SWISS100/Jos Schmid.
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Bild 2 von 6. Gaston Collet: «Ich bin ein glücklicher Mann.». Bildquelle: SWISS100/Jos Schmid.
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Bild 3 von 6. Schwester Maria Agnese Squizzato: «Ich habe immer mit Freude gearbeitet.». Bildquelle: SWISS100/Jos Schmid.
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Bild 4 von 6. Jean-Jacques Sollberger: «Nutzt all die Möglichkeiten, die sich euch bieten!». Bildquelle: SWISS100/Jos Schmid.
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Bild 5 von 6. Jeannette Loesch: «Studiert lange, in diesen Jahren erwirbt man Wissen und knüpft Freundschaften fürs Leben.». Bildquelle: SWISS100/Jos Schmid.
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Bild 6 von 6. Verena Daerendinger: «Die Schicksale sind verschieden, man weiss nicht, was kommt. Ich bin dankbar, lebe Tag für Tag.». Bildquelle: SWISS100/Jos Schmid.
Daniela Jopp stellt fest, dass auch die Fähigkeit, gut mit Stress umzugehen, zu einem längeren Leben beitrage. In den letzten Jahren seien neue Erkenntnisse hinzugekommen: «Wir wissen mittlerweile auch, dass soziale Beziehungen eine schützende Wirkung haben.»
Auch sinnstiftende Aufgaben und eine optimistische Einstellung würden das Leben verlängern, auch wenn sich die Mehrheit der Hundertjährigen zeitweise einsam fühlt und im Durchschnitt sechs gesundheitliche Probleme hat, so Daniela Jopp: «Chronische Krankheiten können heute dank der medizinischen Fortschritte vermehrt behandelt werden, sodass die Menschen damit besser und länger leben.»
Die wissenschaftlichen Daten werden neben den anschaulichen Porträts in Übersichtsdarstellungen auf grossen Schautafeln gezeigt. Diese Informationen können als Grundlage für künftige gesundheitspolitische Entscheide in den Gemeinden und Kantonen dienen.