Schweizer Kultur-Crowd ist spendierfreudig

Crowdfunding – Geld einsammeln übers Internet – gilt als gut funktionierendes Geschäftsmodell, auch im Kulturbereich. Eine erste systematische Schweizer Studie zeigt: Crowdfunding für Kultur funktioniert, vor allem bei Nischenprojekten und im lokalen Rahmen.

Menschen im Kreis die Hände zum Leuchtpunkt in der Mitte gerichtet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viele kleine Mäzene fördern zusammen neue Projekte: Crowdfunding. Getty Images

Crowdfunding – die internetbasierte Schwarmfinanzierung – ist in der Schweiz ein noch junges Phänomen. Allerdings: ein erfolgversprechendes, auch im Bereich der Kultur. So haben die Kulturstiftung Pro Helvetia, Migros Kulturprozent und die Ernst Göhner Stiftung die Crowdfunding-Plattform «wemakeit» in der Startphase jährlich mit einem Betrag von je 50'000 Franken unterstützt.

Das Entwicklungspotenzial ist gross

Eine von der Hochschule Luzern veröffentlichte Studie, in Auftrag gegeben vom Bundesamt für Kultur und der Kulturstiftung Pro Helvetia, zeigt nun, dass 2014 tatsächlich 4,5 Millionen Franken zusammengekommen sind. Pro Projekt macht das im Durchschnitt 5'313 Franken, die ausbezahlt wurden. Das sei viel, wenn man bedenke, dass es Crowdfunding im Kulturbereich in der Schweiz erst seit vier Jahren gäbe, sagt Andreas Dietrich, Mitverfasser der Studie. «Das Entwicklungspotenzial ist gross. In ein paar Jahren wird der durchschnittlich ausbezahlte Betrag für ein Projekt im Bereich Kultur im fünfstelligen Bereich liegen», prophezeit Dietrich.

Spitzenreiter ist Grossbritannien mit knapp 3 Milliarden

Der internationale Vergleich gibt ihm Recht: In der Schweiz betrug das Volumen pro Einwohner 1,9 Franken. In Frankreich sind es 2,9 Franken. Spitzenreiter ist Grossbritannien mit 43,7 Franken pro Einwohner, was einem absoluten Volumen von jährlich knapp 3 Milliarden entspricht.

Der Bereich «Musik, Konzerte, Festivals» scheint sich für Crowdfunding gut zu eignen: 216 Projekte wurden 2014 mit einer Summe von 1,5 Millionen Franken erfolgreich finanziert.

Die Studie zeigt auch: wer im ersten Drittel der Sammelfrist bereits 40 Prozent der Zielsumme beisammen hat, ist in 98,8 Prozent der Fälle erfolgreich. Kommt hinzu, dass Kampagnen mit Finanzierungslaufzeiten von 30 und 45 Tagen erfolgreicher sind als solche mit 60 oder 90 Tagen. «Launch hard – or go home», bringt es Dietrich auf den Punkt.

Crowdfunding ist ein lokales Phänomen

Obwohl das Internet keine Grenzen kennt, ist Crowdfunding ein lokales Phänomen. Die Distanzen zwischen Projektinitianten und Unterstützenden sind klein. Im urbanen Umfeld sind es durchschnittlich 11 Kilometer, auf dem Land 36 Kilometer. Kampagnen in den Städten (76 Prozent) haben eine höhere Erfolgsquote als Projekte auf dem Land (64 Prozent). «Ich glaube nicht, dass Crowdfunding generell ein urbanes Phänomen ist. Dieses Finanzierungsinstrument wurde einfach zuerst in Zürich und Basel entwickelt», analysiert Dietrich und ist überzeugt, dass sich Crowdfunding vermehrt in ländlichen Gebiete ausdehnen wird.

Crowdfunding als Chance für Nischenprojekte

Die aktuelle Studie entkräftet die Behauptung, dass Crowdfunding in erster Linie den Mainstream und den Kulturgeschmack der Masse bediene. Im Durchschnitt braucht eine erfolgreiche Kampagne nur 56 Personen. «Wir sind überzeugt, dass sich mit Crowdfunding gerade Nischenprojekte finanzieren lassen – spezielle Projekte, die ein kleines Publikum interessiert», sagt Dietrich.

Kulturelle Teilhabe fördern

Crowdfunding, das macht die Studie deutlich, ist mehr als ein Finanzierungsinstrument. Es ist auch ein Werkzeug, das der Vermarktung, Kommunikation und dem Vertrieb dient und am Ende vielleicht sogar die vom Bundesamt für Kultur gewünschte «kulturelle Teilhabe» fördert.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 17.3.2016, 17:15 Uhr.