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Vom Musentempel zum Treffpunkt «Dritte Orte»: Kulturhäuser öffnen und verändern sich

Die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche machen auch Kulturorganisationen zu schaffen – dabei geht es nicht nur um finanzielle Engpässe. So wandeln sich unsere Kulturorte.

Ins Theater gehen, ohne die Absicht zu haben, ein Theaterstück zu sehen? Oder sich im Museum verabreden, einfach um sich mit Freunden zu treffen? Warum nicht. In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche müssen auch Kulturorganisationen ihre Angebote anpassen, um sich für die Zukunft zu wappnen.

Eine mögliche Strategie: Neben den Kernaufgaben wie Theatervorstellungen und Ausstellungen bieten sich Theater und Museen als niederschwellige Treffpunkte an und öffnen sich für ein neues Publikum.

Offene Foyers

Da ist etwa das Foyer Public am Theater Basel. Seit mehr als vier Jahren öffnet es seine Tore sechs Tage die Woche tagsüber für alle, die kommen wollen: Diejenigen, die im grosszügigen Raum andere Eltern und ihre Kinder treffen wollen. Diejenigen, die sich dort regelmässig zum gemeinsamen Tanzen begegnen. Oder diejenigen, die zum Schachspielen oder Hausaufgaben machen kommen. Oder einfach, um eine zu Pause zu machen.

Es hat Internet, es gibt ein Café, aber es besteht kein Konsumzwang. Tatsächlich wird das Angebot rege benutzt, das Foyer Public gilt bereits als Vorzeigeprojekt für einen modernen «dritten Ort» in der Tradition von Ray Oldenburg.

Öffentliche Bibliotheken waren die Vorreiterinnen dieses Konzepts der Öffnung und Hinwendung zu einer diversen Stadtgesellschaft. Dorthin geht man schon lange nicht mehr nur, um Bücher auszuleihen.

Der US-amerikanische Soziologe und Stadtplaner Ray Oldenburg etablierte den Begriff der «dritten Orte» 1989 in seinem Buch «The great good place». Neben den privaten Räumen (erste Orte) und dem Arbeitsplatz (zweite Orte) seien solche dritten Orte lebenswichtig für die Menschen. Oldenburg bezeichnet sie sogar als Keimzelle der Demokratie.

Kultur in Zeiten der Multikrisen

Dass Oldenburgs Konzept gerade heute wieder viel besprochen wird, ist vor dem Hintergrund, dass sich Kulturorganisationen derzeit vielen Herausforderungen zu stellen haben, einleuchtend.

Menschen bei Handarbeiten an einem Tisch.
Legende: Sticken, Buchbinden oder Yoga im Museum? Auch das Landesmuseum in Zürich lässt sich neue Aktivitäten einfallen und hat im Herbst vergangenen Jahres Workshops für 15 bis 30-Jährige angeboten. Schweizerisches Nationalmuseum

Eine aktuelle Studie des Studiengangs Kulturmanagement der Universität Basel zeigt, dass neben finanziellen Engpässen aufgrund von Kürzungen und steigenden Betriebskosten auch wichtige kulturpolitische Forderungen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Diversität die Kulturorganisationen unter Druck setzen.

Und auch die Organisationen selbst sind im Wandel: Mehr Ko-Leitungen, mehr Mitsprache, neue Arbeitsmodelle. Gerade eine jüngere Generation verwehrt sich gegen die Selbstausbeutung, die im prekären Kulturbereich lange als normal galt.

Kulturorganisationen im Wandel

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Das Studienangebot «Kulturmanagement» der Universität Basel hat zusammen mit dem Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim Führungskräfte und Mitarbeitende von Kulturorganisationen in der Schweiz und in Deutschland befragt, wo der Schuh im Moment am meisten drückt.

Die Studienergebnisse zeigen die aktuellen Herausforderungen und Erfolgsbedingungen für Transformationsprozesse auf.

Hinzu kommt, dass der Wind, der den Kulturorganisationen im aktuellen politischen Klima ins Gesicht weht, stärker geworden ist.

Politischer Druck

Gerade rechte Populisten haben die Kultur als einen wichtigen Ort der Meinungsbildung entdeckt und instrumentalisieren sie zu ideologischen Zwecken. Der Soziologe Wolfram Gernot beschreibt in seinem Buch «Kampfzone Kultur» schlüssig, dass die Kultur für sie zu einem produktiven Ort der Einflussnahme geworden ist.

Auch er bezieht sich auf das Konzept der dritten Orte und beschreibt Kulturorte als Schutzorte demokratischen Denkens, in denen es darum geht, gemeinsame Werte zu verteidigen und damit den sozialen Zusammenhalt und das differenzierte Nachdenken zu stärken.

Buchhinweis

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Gernot Wolfram: «Kampfzone Kultur. Wie uns Populisten verführen». Edition Einwurf, 2025.

 

Radio SRF 2 Kultur, Kulturplatz Talk, 30.1.2026, 9:03 Uhr

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