Worüber wir lachen und was unser Sinn für Humor über uns verrät

Humor ist uns wichtig. Zu recht, denn es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Humor und Persönlichkeit, wie die Forschung zeigt. Und auch dem Geheimnis von Witzen ist man auf der Spur. Ein Besuch bei der Humor-Forscherin Jennifer Hofmann.

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Bildlegende: Komiker Emil Steinberger hält uns den Spiegel vor und sensibilisiert uns für die komischen Momente des Lebens. Keystone

Die Philosophen Platon, Aristoteles und Hobbes meinten, unser Lachen sei ein Ausdruck eines Überlegenheitsgefühls. Jemand rutscht auf einer Bananenschale aus – wir lachen. Kant und Schopenhauer dagegen waren der Auffassung, dass wir Dinge lustig finden, weil sie widersinnig sind oder etwas nicht zusammenpasst – viele Witze funktionieren so.

Lustiger Unsinn

Kennen Sie den? Kommt ein Pferd in eine Bar. Fragt der Barkeeper: Warum so ein langes Gesicht? – Hahaha. Warum ist das lustig? Man ist zunächst überrascht und irritiert, die Dinge passen nicht zusammen: Ein trauriges Pferd an einer Bar – was soll daran lustig sein? Dann aber entdeckt man den Wortwitz und erkennt eine überraschende Art von Sinn oder Zusammenhang. Eine Inkongruenz wird in unerwarteter Weise aufgelöst. Dieser Logik folgen die meisten Witze.

Witze kitzeln den Geist

Seit Darwin beschäftigt sich auch die Evolutionstheorie mit dem Lachen. Sie unterscheidet zwischen einem Lächeln, das Ausdruck einer Unterordnung ist – das freundliche Lächeln vor der Chefin –, und einem wirklichen Lachen. Man hat beobachtet, dass Menschenaffen lachen, wenn sie spielen, sich raufen und sich kitzeln. Dabei öffnen sie den Mund, verdecken mit den Lippen die Zähne und atmen in einem schnellem Staccato, das an unser «ha-ha-ha» erinnert. Mit diesem Lachen kommunizieren die Affen: Das ist kein ernster Kampf, sondern blosses Spiel – ein Spiel jedoch, bei dem sie überlebenswichtige Fähigkeiten trainieren.

Diese Spieltheorie des Lachens ist übertragbar auf uns Menschen und unsere Freude an Witzen: Beim Witzehören und Witzeerzählen lernen wir auf spielerische Weise kreative, von der Norm abweichende Denkbewegungen. Witzeerzählen als geistiges Raufen oder Kitzeln also.

Sag mir, worüber du lachst, und ich sage dir, wer du bist

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Bildlegende: Hat ein schönes Lachen: Humor-Forscherin Jennifer Hofmann. SRF

Oft hört man, der Humor sei von Kultur zu Kultur verschieden. Die neuere Humorforschung zeigt jedoch auf, dass der Sinn für Humor nicht kulturabhängig ist. Diese Einsicht klingt überraschend, aber sie lässt sich erklären: Wir finden die Witze anderer Kulturen und Zeiten oft nicht lustig, weil wir sie gar nicht verstehen. Wir sind Outsider, die einen Insider-Witz hören. Würden wir den Kontext kennen, fänden wir den Witz wahrscheinlich auch lustig.

Der Sinn für Humor hängt zwar nicht von der Kultur ab, dafür aber stark von der Persönlichkeit. Die Psychologin Jennifer Hofmann, Doktorandin am Lehrstuhl des renommierten Humor-Forschers Willibald Ruch von der Universität Zürich, ist der Ansicht, für einen ausgeprägten Sinn für Humor brauche es drei Dinge: ein heiteres Gemüt, eine gewisse Ernsthaftigkeit im Denken und eine Prise schlechte Laune. Personen mit einem heiteren Temperament seien empfänglicher für lustige Situationen, die Ernsthaftigkeit im Denken ermögliche das Verstehen komplexer Situationen und die Prise schlechte Laune brauche es, um dem schwarzen Humor etwas abzugewinnen.

Humor ist, wenn man über sich selbst lacht

Hofmann meint, es gäbe auch unterschiedliche Vorlieben in Sachen Humor. Sie selbst möge eher den absurden Nonsense-Humor à la Monty Python und Gary Larson – und als Katzenliebhaberin natürlich auch Simon the Cat. Aber auch den zwei Generationen älteren Emil mag sie, insbesondere seinen scharfen Blick für die Feinheiten des Zwischenmenschlichen. Emil halte uns den Spiegel vor und sensibilisiere uns für die komischen Momente des Lebens.

Begegnet man der strahlenden jungen Humor-Forscherin, so hat man den Eindruck, die berufliche Beschäftigung mit Humor mache glücklich. Tatsächlich besteht ein wesentlicher Teil der Humor-Trainingsprogramme, die es mittlerweile bereits gibt, in der Konfrontation mit humorvollen Situationen: Kabarettbesuche, Witze lesen etc. Genauso wichtig sei es aber, Humor im Alltag zu entdecken. Wer humorvoller werden möchte, müsse nicht nur lernen, die Welt durch die Comedy-Brille zu sehen, sondern auch über sich selbst lachen können, meint Hofmann. Es brauche eine «heitere Gelassenheit» – ganz im Sinne der stoischen Philosophen. Diese distanzierte Haltung zu sich selbst und zur Welt sei übrigens auch ein Anzeichen von Weisheit – eine Eigenschaft, für die es mittlerweile psychologische Messverfahren gibt.

Komiker sind nicht humorvoller als der Durchschnitt

In ihrer neuesten Studie haben Hofmann und ihr Team herausgefunden, dass professionelle Komiker und Kabarettisten zwar besser über sich lebst lachen können, aber nicht humorvoller sind als der Durchschnittsbürger. Beide Gruppen mussten halbfertige Sätze möglichst witzig vervollständigen, etwa den Satz «Wenn die Kinder die Welt regieren würden, dann ...». Humor-Experten fanden die vervollständigten Sätze der Profis im Durchschnitt nicht lustiger als diejenigen der Anfänger.

Das heisst jedoch nicht, dass sich jede und jeder von uns auf eine Bühne stellen und das Publikum zum Lachen bringen kann. Dazu braucht es Mut, Übung, schauspielerisches Können, eine überzeugende Mimik und Gestik, Spontaneität, Schlagfertigkeit, ein gutes Gedächtnis und vieles andere mehr, je nach Art der Komik. Unser Sinn für Humor reicht zwar zum Lachen, aber meist nicht für die Bühne.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 16.03.2014 11:00

    Sternstunde Philosophie
    Franz Hohler und Emil Steinberger – keine alten Nummern

    16.03.2014 11:00

    Sie begleiten, kommentieren und verkörpern die Schweiz seit über fünfzig Jahren: die Kabarettisten/Autoren Emil Steinberger und Franz Hohler. Und bis heute sind beide eher auf Tournee als in Pension. Im Gespräch mit Juri Steiner blicken sie auf ihr Leben und ihr Land, dessen Wandel und Mentalitäten.