Egal, ob man an Ortschaften im Aargau oder im St. Gallischen denkt, Matthias Käsers Bilder aus Kirchlindach (BE) – einer Gemeinde mit etwa 3300 Einwohnerinnen und Einwohnern – schliessen wohl alles ländliche Leben in der Deutschschweiz ein. Er fotografiert beim Seniorennachmittag, bei der Feuerwehrübung, beim Grillfest zum 1. August, er dokumentiert die Menschen beim Sport, die Imkerin bei ihren Waben, einen Bauern beim Befüllen des Jauchefasses und Jugendliche in der Freizeit.
-
Bild 1 von 12. Ein Hoch auf das Dorfleben. Dazu darf natürlich die Vereinskultur nicht fehlen. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 2 von 12. Das gilt für Jung und Alt wie für Männer und Frauen. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 3 von 12. Gemeinsam und gesellig soll es sein, wie beim Grillieren am 1. August. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 4 von 12. Grosses Feuerwerk gibt's auf dem Dorf nur selten. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 5 von 12. Stattdessen gibt es andere Sehenswürdigkeiten. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 6 von 12. Andere möchten eigentlich lieber nicht gesehen werden. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 7 von 12. Was dann doch im Ort passiert, muss auf jeden Fall ausgiebig besprochen und verdaut werden. Ob beim Picknick mit Pizza unter Freundinnen ... Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 8 von 12. ... in der Badi am Beckenrand ... Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 9 von 12. ... oder im Altersheim. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 10 von 12. Raum und Zeit für Hobbys gehören zu den Vorzügen des Landlebens. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 11 von 12. Der strenge Geruch von Dünger und Vieh weniger. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 12 von 12. Das Bünzlitum als Bild: Ein Dorfbewohner bei der sorgfältigen Rasenmäher-Reinigung. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
Der 37-Jährige ist als Bauernsohn in Sumiswald im Emmental aufgewachsen und wohnt seit neun Jahren mit seiner Familie in Kirchlindach. «Das ist für mich ein durchschnittliches Schweizer Dorf. Alles ist vorhanden, es gibt Vereine, Wirtschaften und die Menschen, die es braucht.» Die Menschen interessieren ihn besonders. Fast auf allen Bildern stehen sie im Zentrum. «Einzigartige Individuen», sagt der Fotograf. Es sind, wie der Buchtitel verspricht, «Bünzlis und Bauern» – und vieles dazwischen.
Lob des Bünzlitums
Apropos «Bünzli»: Da spricht Matthias Käser auch von sich. «Ich bin gerne ein Bünzli. Für mich ist das ein humorvoller Begriff. Ein Bünzli ist ein typischer Schweizer. Er ist pünktlich, korrekt, ordentlich und versucht sich in der Mitte der Gesellschaft zu finden.» Apropos ordentlich: Da passt Käsers Foto von verstreutem Abfall in einer Siedlung wie die Faust aufs Auge.
Er hält kleine Geschichten aus dem Alltag fest. «Im Dorf passieren selten die spektakulären Dinge», sagt Käser. Die Details auf den Fotos seien wichtig: «Der Skateboarder auf dem Pump-Track hat gefärbte Fingernägel, und die Mädchen im Schwimmbad trinken Mate, was ein Stück Jugendkultur ist.» Vieles entdecke man erst auf den zweiten Blick. Nicht nur auf den Fotos, auch in der Wirklichkeit.
Zum Dorfleben gehört für Matthias Käser, dass die Menschen versuchen, miteinander klarzukommen, ungeachtet ihrer Haltung oder politischen Einstellung. Auch die Verschiedenartigkeit der Dorfbevölkerung zeigt sein Buch. Besonders sichtbar wird dies in 60 Porträts.
-
Bild 1 von 6. Matthias Käsers Buch zeigt auch die Verschiedenartigkeit der Dorfbevölkerung. Besonders sichtbar wird dies in 60 Einzelportraits. Etwa vom Gemeindepräsidenten. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 2 von 6. Von der Zahnärztin. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 3 von 6. Vom Pfarrer. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 4 von 6. Von einer Klientin der Suchtklinik. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 5 von 6. Vom Kind, das in die Gemeinde geflüchtet ist. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
-
Bild 6 von 6. Und von der Bäuerin. Bildquelle: Matthias Käser/Buchverlag Lokwort.
Damit wolle er einen Querschnitt der Bevölkerung darstellen, den Pfarrer, den Gemeindepräsidenten und die Zahnärztin, doch er habe «anhand einzelner Personen auch Bevölkerungsgruppen symbolisch dargestellt, die sonst im Hintergrund stehen: einen Flüchtling aus dem Flüchtlingsheim und eine Süchtige aus der Suchtklinik». Dies, um auch schwerere Themen einzubeziehen. «Ich wollte nicht nur bunte und fröhliche Bilder zeigen.»
Mit Kinderwagen und Kamera
Matthias Käser ist Mitglied bei der Feuerwehr und nutzt selbst den Pump-Track. So kommt er nah an die Menschen heran, die er mit Blitz und Weitwinkel-Objektiv ablichtet. Türen geöffnet hat ihm auch, dass er Vater wurde. «Ich war mit der Tochter stundenlang mit dem Kinderwagen im Dorf unterwegs und hatte die Kamera immer dabei. Ich habe Situationen fotografiert und erfahren, wenn Vereine Aktivitäten veranstalten oder Festivitäten stattfinden.» Manchmal habe er angepackt, etwa beim Entladen eines Lieferwagens.
«Die Aufnahmen dürfen ruhig Werbung für das Dorfleben machen», sagt Matthias Käser, «für die Menschen im Dorf.» Und wenn man sein Buch in zwanzig, dreissig Jahren anschauen würde, sagt er – nicht nur scherzhaft –, komme man vielleicht zum Schluss: «Das war die gute alte Zeit.»