«Economix» zeigt wie Wirtschaft funktioniert – oder eben nicht

Was ist Kapitalismus? Wie gross ist die Macht des Geldes? Mit seinem Comic «Economix» führt Michael Goodwin durch die Geschichte und Theorie der Weltwirtschaft. Ein umfassender und spannender Streifzug auch für Wirtschaftsmuffel – gerade in Zeiten der Dauerkrise.

Drei Comicfiguren halten jeweils ein Brot in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wirtschaftswissenschaften leicht gemacht in dem Comic von Michael Goodwin. Ausschnitt/Verlagshaus Jacobi & Stuart

«Wir leben in einer Demokratie. Wenn wir wählen, geht es im Grund fast immer um Wirtschaftsthemen. Es ist unsere Pflicht zu verstehen, was wir wählen», schreibt der Mann mit schwarzer Hornbrille, schwarzem T-Shirt und dem vollen schwarzen Haarschopf am Ende der Einleitung. Er, Michael Goodwin, ist Autor und Erzähler im Comic «Economix: Wie unsere Wirtschaft funktioniert (oder auch nicht)».

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Buchhinweis

Michael Goodwin, Dan E. Burr: «Economix. Wie unsere Wirtschaft funktioniert (oder auch nicht).» Verlagshaus Jacobi & Stuart, 2014.

Der amerikanische Schriftsteller führt uns auf über 291 Seiten durch Geschichte und Theorien der Wirtschaft – von Adam Smith, der mit erhobenem Zeigefinger, Mozartlocken, grosser Nase und langem Kinn gegen die Kapitalisten wettert, bis zur Occupy-Bewegung – und macht komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich.

Die Wall-Street als dicker Mann

Entstanden ist das Buch aus einer eigenen Enttäuschung: Goodwin fand sich in der Welt der Wirtschaft nicht zurecht und fühlte sich über den Tisch gezogen. Lehrbücher der Wirtschaftswissenschaften und die Schriften der grossen Denker halfen ihm einen Einblick zu bekommen. Doch ein Buch, das die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit auf verständliche Weise erzählt, suchte er vergeblich.

Zusammen mit dem Zeichner Dan E. Burr ist Goodwin ein Werk gelungen, das auch in Wirtschaftsanalphabeten die Freude am Fach weckt. Dazu tragen nicht nur die Fragen und Kommentare von Goodwin, sondern auch die einprägenden Schwarz-Weiss-Illustrationen und Zeichnungen bei: etwa die Darstellung der Wall Street als opulenten Mann mit einer überdimensionalen Geldspritze im Arm. Symbolbild dafür, wie grosse Geldmengen die Probleme der Wall Street kurzfristig lösten.

Aufruf an die Leser

Der Autor äussert sich immer wieder kritisch, fordert den Leser zum Nach- und Weiterdenken auf. Am Ende des Buches schreibt er: «Du kannst jetzt hier aufhören, doch ich hoffe, du tust es noch nicht. Wir haben eine Menge Themen behandelt, doch wir haben erst an der Oberfläche gekratzt.» Diese Aufforderung nimmt der Leser gerne an.

Das Buch kann kaum in einem Sog gelesen werden: Zu viel Wissen gilt es zu verdauen, zu viele Gedanken werden angekurbelt. Ist man einmal durch, empfiehlt Goodwin weitere Bücher, die sein Verständnis von Wirtschaft geprägt haben. Ein umfassender und spannender Streifzug durch Theorie und Realität der Wirtschaft, die wir alle verstehen sollten – gerade in Zeiten der Dauerkrise. Ein Buch, in dem man gerne immer wieder nachschlägt und das uns die Komplexität der Welt ein Stück näher bringt.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 29.06.2014 11:00

    Sternstunde Philosophie
    Markt, Macht und Freiheit

    29.06.2014 11:00

    Ob Thomas Piketty oder Joseph Stieglitz: Ungleichheit ist das Thema, um das niemand mehr herumkommt. Lisa Herzog, die junge deutsche Philosophin und Ökonomin, moniert die ungleiche Freiheit im Markt. Katja Gentinetta spricht mit ihr über ihren Vorschlag eines zeitgemässen Liberalismus.