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Discokultur So schwappte die Discowelle in die Schweiz

Disco prägte in den 1970er-Jahren eine Generation und die Art, wie wir uns heute auf der Tanzfläche bewegen. Ein Blick zurück auf die Anfänge – und einen Zürcher DJ.

Draussen war es still, Zürich eine Schlafstadt. Drinnen war es laut – und die Tanzfläche rappelvoll. Im «La Panthera» an der Zentralstrasse 53 stand ein schüchterner Discjockey am Mischpult. Roger Giger zirkelte warme Disco-Bässe durch den kleinen Raum. Er zelebrierte einen Sound, der mehr war als ein Sound: ein neues Lebensgefühl.

Disco war radikal anders. Der Stil entstand, weil Discjockeys Soul, Funk, RnB, Afro und frühe elektronische Musik vermischten. Diese DJs veränderten, wie man im Club tanzte. Nonstop, weil die Musik jetzt ohne Unterbrüche lief. Und sie sorgten dafür, dass man diesen Sound jetzt auf einer wirklich guten Anlage hörte.

Die Geburt des DJs

Disco schuf Gemeinschaft. In der Intensität der Nacht wurde alles eins: Raum und Klang, DJ und Publikum. Das war keine Einwegbeschallung. Dafür ein energetisches Miteinander, kredenzt im Viervierteltakt. Bis heute ist das wegweisend, obschon der DJ eigentlich nur das macht, was ein Schamane seinem Stamm verabreichte: rhythmische Trommelmusik für ein tanzendes Publikum.

Disco war politisch. Auf den frühen Partys bündelten sich die liberalen Energien seiner Zeit: Die sexuelle Revolution liess Körper verschmelzen. Die Schwulenbefreiung schuf sichere Räume für queere Minderheiten. Die Bürgerrechtsbewegung ermutigte Afroamerikaner und Latinos, sich auf der Tanzfläche neu zu erfinden. Und die Gegenkultur der 1960er-Jahre inspirierte den DJ David Mancuso, in seinem New Yorker Loft all das zusammenzubringen: eine Party unter Freunden mit brillantem Sound. So fing Disco an.

Soundtrack des Widerstands

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Die erste Discothèque – daher der Name – entstand im Paris im Jahr 1944. Man tanzte zu Jazz, ohnehin Musik einer rebellischen Jugend. Die Nazis hatten Jazz und verwandte Stile unter dem rassistisch diffamierenden Begriff «Negermusik» verboten – und befeuerten so indirekt den ersten Disco‑Boom. Das zieht sich als roter Faden bis in die Gegenwart: in Georgien oder in Iran tanzt man zu Techno und zieht dabei den Argwohn der Mächtigen auf sich. Die Discokultur schlägt zuverlässig aus, wo Gesellschaften intolerant oder ungerecht sind.

Discowelle schlägt um sich

1978, als DJ Roger Giger im «La Panthera» auflegte, war Disco schon auf dem kommerziellen Höhepunkt angelangt – und der Ausverkauf im vollen Gang. Spätestens als Frank Sinatra seichte Disco-Platten einspielte, war der Begriff zu einer Marketing-Floskel mutiert. Die Disco-Welle habe die Schweiz erfasst, hiess es, weswegen Fernsehen DRS ein Special ausstrahlte.

Da war es wiederum sehr passend, dass der DJ für die DRS-Show Sylvesters Song «You Make Me Feel (Mighty Real)» spielte. Die allerwenigsten Zuschauer dürften indes realisiert haben, dass es sich hier um eine emanzipatorische Hymne der New Yorker Schwulenbewegung handelte, so queer und bunt das Disco-Treiben im Zürcher Mascotte-Club auch daher kam.

Von Mykonos zur Street Parade

Dass ausgerechnet Roger Giger einer der ersten war, der in der Schweiz zum Dance-Pionier wurde, war kein Zufall. Auf der griechischen Insel Mykonos, damals ein bekanntes Zentrum der schwulen Club‑ und Partyszene, hatte er gesehen, wie ein DJ Platten perfekt ineinander übergehen liess. Das prägte ihn. Nach dem «La Panthera» wurde er Resident im «Flamingo» an der Limmatstrasse. Dort im fünften Stock mischten sich Banker unter die Dragqueens, verkehrten Secondas und Züriberg-Exzentriker.

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Zwischen 1982 und 1989 stand Roger Giger jeden Freitag und Samstag an den Plattentellern. Neun Stunden lang. Giger hatte einen langen Atem. Und er hatte als DJ exklusiven Zugang zu den allerneusten Platten aus New York. Zürich zeigte er, wie sich Disco zu House wandeln sollte. Die Street Parade? Wartete schon an der nächsten Wegbiegung.

Radio SRF2 Kultur, Kulturplatz Talk, 4.5.2026, 9:03 Uhr.

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