Wie fruchtbar eine Zusammenarbeit beim Songwriting sein kann, zeigen Welthits wie «She Loves You» der Beatles John Lennon und Bandkollege Paul McCartney oder «Candle in the Wind» von Superstar Elton John und Liedtexter Bernie Taupin.
Kreatives Pingpong inspiriert und erzeugt eine Dynamik, die im Alleingang oft fehlt. So entstehen oft bessere Songs – davon ist auch die Suisa, die Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik, überzeugt.
Enge Auswahl
Seit 2017 organisiert die Genossenschaft deshalb jährlich ein mehrtägiges Songwriting-Camp, bei dem verschiedene Teams gleichzeitig potenzielle ESC-Songs komponieren – von denen schlussendlich aber immer nur einer für den Song-Wettbewerb ausgewählt wird.
Zwar wurden aus dem Lieder-Fundus des Camps auch einige andere Songs veröffentlicht, wie etwa Linda Elys «House On Fire». Doch rund 80 Prozent der insgesamt 160 entstandenen Stücke landeten in der Versenkung.
Massgeschneiderte Songs statt ESC-Formel
So wie sich der Eurovision Song Contest in den vergangenen Jahren jedoch entwickelt hat, haben pompöse – ja sogar aufdringliche – Songs potenziell bessere Siegchancen. Entsprechend klangen auch jeweils die Lieder aus dem Suisa Songwriting Camp.
Für den alltäglichen Musikkonsum sind die typischen ESC-kompatiblen Titel aber oft zu hysterisch. Die Suisa gibt deshalb Gegensteuer und startet in diesem Jahr in die nächste Ära. Der Fokus liegt ab jetzt auf «massgeschneiderten Songs für die Veröffentlichung von Künstlern», so die Genossenschaft, und nicht ausschliesslich auf dem ESC.
Songwriting Camp 2026
Insgesamt 40 Musikschaffende trafen sich Mitte Juni während drei Tagen in den Powerplay-Studios in Maur (ZH). Erstmals komponierten sie Sängerinnen und Sängern Lieder auf den Leib, die anschliessend tatsächlich auf Streamingplattformen und im Radio zu hören sein werden.
Dadurch soll die Quote veröffentlichter Songs des Camps erhöht werden. Ziel ist es, zum einen das Schweizer Musikschaffen bekannter zu machen und zum anderen Komponierende besser als bisher vergüten zu können.
Der Weg zum Song
Ein Songwriting-Team besteht jeweils aus drei Personen: «Artist» (Gesang), «Writer» (Komposition) und «Producer» (Instrumentierung/Arrangement). Wie schon bei früheren Songwriting-Camps haben sie pro Tag ein neues Stück komponiert und davon eine Demoversion aufgenommen.
Auch wenn die Zeit drängt, beginnen die meisten Teams nicht sofort musikalisch, sondern mit einem Gespräch: Was beschäftigt die Sängerin oder den Sänger aktuell? Wo stehen sie? Daraus entwickelt sich ein Song.
Was einen guten Song ausmacht
Ein eindeutiges Rezept fürs Songschreiben gibt es nicht. Oft spürt man schon beim Schreiben, ob eine Text- oder Melodieidee etwas auslöst. Basierend darauf tastet man sich dann weiter vor. Wichtig ist vor allem die Authentizität: Melodie, Text, Stimme und Thema müssen glaubwürdig ineinandergreifen.
Die Produktion – also die instrumentale Verpackung – unterstützt und verstärkt Emotion und Geschichte des Songs. Aber auch wenn die Produktion nicht von Anfang an passt – ein starker Song bleibt im Kern oft erkennbar – und damit auch sein Potenzial.